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Seit 75 Jahren ein Herz und eine Seele

Kronjuwelenhochzeit in Kiel Seit 75 Jahren ein Herz und eine Seele

Das ist mehr als ein seltenes Fest: Erika und Franz Bubolz aus Kiel feiern am heutigen Dienstag ihre Kronjuwelenhochzeit. Laut Statistik des Rathauses ist die Kronjuwelenhochzeit in Kiel die erste seit 2008.

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Freuen sich auf Bauernfrühstück und Matjesfilet zur Kronjuwelenfeier: Erika und Franz Bubolz, die vor 75 Jahren geheiratet haben. Auch ihre drei Enkel und vier Urenkel kommen zu Besuch.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Eigentlich stand diese Heirat unter keinem guten Stern. Dreimal wurde der Pfarrer zur Trauung bestellt, dreimal wurde die Feier wieder abgesagt. Aber nicht, weil Erika und Franz Bubolz an ihrer Liebe zweifelten. Nein. Der Krieg machte dem jungen Paar einen Strich durch die Rechnung. Zweimal wurde eine Urlaubssperre verhängt, und der junge Soldat Franz kam nicht von Neuruppin aus zu seiner Liebsten, die rund 200 Kilometer entfernt bei ihren Eltern in Swinemünde lebte. Das dritte Mal wurde ihm verboten, die Bahn zu benutzen. „Das war schon eine komische Zeit“, sagt Franz Bubolz rückblickend und schüttelt den Kopf. Am 5. Juli 1941 klappte es dann aber endlich. Franz und Erika konnten sich die Ringe anstecken und waren von da an ein Ehepaar. Das sind sie noch heute. Herzlichen Glückwunsch zur Kronjuwelenhochzeit!

 75 Jahre lang verheiratet. Da muss man vor lauter Ehrfurcht erst einmal kräftig Luft holen. Wie schafft man das denn? „Ich wollte nie so alt werden“, sagt Erika Bubolz fast entschuldigend und schiebt ihren Rollstuhl ein wenig näher. Die Ohren wollen nicht mehr so recht. Ansonsten sind beide aber für ihr Alter erstaunlich fit. „Eigentlich muss man nur ein wenig Rücksicht aufeinander nehmen, dann geht das auch“, sagt sie pragmatisch. „Heutzutage laufen die jungen Leute ja immer alle so schnell wieder auseinander.“ 97 Jahre sind beide inzwischen alt. Aber noch immer schwingt viel Achtung und Liebe mit – wenn sie sich gegenseitig ergänzen, ins Wort fallen oder sich glücklich erinnern.

 Zu erinnern gibt es so allerhand. Zum Beispiel, wie sie sich kennengelernt haben. „Ich war damals als Soldat acht Kilometer von Swinemünde stationiert, wo meine Frau im Fernmeldeamt im Schichtdienst arbeitete“, erzählt Franz Bubolz. „Da musste ich mich immer mal wieder durchstellen lassen und fand ihre Stimme so schön.“ Erika Bubolz lächelt: „Ja, da hast du einmal ordentlich geschimpft, weil die Verbindung nicht schnell genug zustande kam.“ Immer häufiger telefonierten die beiden miteinander. „Wenn uns nachts langweilig war, haben wir übers Telefon Schiffe versenken gespielt“, sagt Erika Bubolz. Irgendwann kam dann das erste Treffen. Heimlich, um ihren strengen Vater nicht zu verärgern. Etliche Treffen sollten folgen.

Sekt und Erdbeerbowle

 Ein Jahr später, 1940, verlobten sie sich. Wieder ein Jahr später wurde geheiratet. Mit Ringen für 12,50 Reichsmark (ihren trägt sie noch heute) und einem Hochzeitskleid, „das damals das Einheitskleid schlechthin war“, sagt Erika Bubolz. „Man konnte nur dieses eine Modell kaufen.“ Auch der Strauß war nicht so ganz nach ihrem Geschmack. „Ich wollte so gerne einen riesigen Rosenstrauß. Bekam aber nur ein paar kümmerliche Nelken.“ Die Cousine brachte Sekt mit und versorgte alle mit Erdbeerbowle. Der Schwager reiste mit Fleisch an. „Es gab ja damals nichts“, so die 97-Jährige.

 Gleich am Tag nach der Hochzeit zog Franz Bubolz wieder in den Krieg. Übernachtete einmal in Russland bei Toten und merkte das erst am nächsten Morgen. Bekam einen Beinschuss, kam in russische Gefangenschaft. Seine Frau brachte 1942 Sohn Jürgen zur Welt, erlebte Bombenangriffe und die Flucht. Ihre erste eigene Wohnung bezogen sie 1948 in Kiel im Düvelsbeker Weg. Ein Jahr später wurde Sohn Michael geboren. Es folgte der Umzug in die Danckwerthstraße. Irgendwann arbeitete Franz Bubolz bei der Luftwaffe, sie bei der Bundeswehr-Verwaltung. Aber das sei alles schon Ewigkeiten her. Seit 21 Jahren leben sie im Kieler Norden in Schilksee und genießen das Betreute Wohnen.

 „Abends sitzen wir dann wie die Vögel auf der Stange und gucken Filme“, erzählt sie und schiebt hinterher: „Nur leider kann mein Mann nicht mehr so richtig gut hören und sehen.“ Franz Bubolz grinst: „Du sprichst aber auch ziemlich undeutlich.“ Sie lacht: „Er ist schon einzigartig. Und er macht alles für mich.“ Er verschmitzt: „Ich war immer zufrieden, wenn meine Frau zufrieden war.“ So, jetzt gibt es Abendbrot. Franz Bubolz hat schon alles vorbereitet. Langsam rollt er mit seinem Rollstuhl in die offene Küche, lüftet ein Geschirrhandtuch und präsentiert ein geschmiertes Brot. „Tataaa“, sagt er lachend. „Gibt’s Käse?“ „Nein, Zwiebelmett.“ Erika Bubolz rollt an seine Seite und beide genießen Häppchen für Häppchen ihre Mahlzeit. 75 Jahre Vertrautheit können so schön sein.

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Ein Artikel von
Kristiane Backheuer
Lokalredaktion Kiel/SH

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