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Kein Haarausfall trotz Chemotherapie

Kühlhaube mal anders Kein Haarausfall trotz Chemotherapie

Bei allem Leid, bei allen Ängsten, bei aller Kraft, die diese Krankheit kostete: „Dieses Gefühl, die Haare zu behalten, war genial“, berichtet Maren Dominik. Die Kielerin, Jahrgang 1968, hat Brustkrebs überstanden und eine Geschichte erlebt, die anderen helfen könnte und schon ungewöhnlich begann.

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Haare trotz Chemotherapie: Maren Dominik, hier mit Hündin Honey, nutzte dazu eine Methode mit kaltem Wasser. Diese ist in Großbritannien, den Niederlanden und Schweden Teil der regulären Krebstherapie.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel.  „Im April 2015 träumte ich von Honey, unserem Hund.“ Die dreijährige Rido-Hündin, freundlich große Mischung aus Rhodesian Ridgeback und Deutscher Dogge, „sagte zu mir: ‚Maren, du hast da oben an der linken Seite Brustkrebs. Aber mach dir keine Sorgen. Du wirst es rechtzeitig entdecken.‘ Ich wachte auf, irgendwie erleichtert, und weckte Gerd, meinen Mann. Der Traum war mindestens merkwürdig.“ Sechs Wochen später ertastete sie eine Verhärtung in ihrer linken Brust und ging zu ihrer Frauenärztin in der Holstenstraße. „Sechs Jahre lang war ich nicht beim Arzt gewesen, auch nicht zur Vorsorge“, sagt Dominik, „das passiert mir nicht mehr.“

 Nach einer bildgebenden Untersuchung im Prüner Gang und einer Biopsie in der Kieler UKSH-Frauenklinik stand die Diagnose fest: Brustkrebs. „Meine größte Sorge war, dass mein Sohn Joshua und ich eine schon im Vorjahr gebuchte Reise zu Freunden nach Australien im August nun nicht würden machen können. Doch ich hatte einen nicht-aggressiven, langsam wachsenden Tumor, und so gaben die Ärzte im Juli grünes Licht.“

 Kurz nach ihrer Rückkehr wurde Maren Dominik, Waste Management Officer bei der Seehafen Kiel GmbH & Co. KG (Port of Kiel), erfolgreich operiert. „Ich wünschte“, sagt sie, „dass es mehr Firmen gäbe, wo man mit diesem Thema so offen umgehen kann, dass man sich innerhalb der Firma gebettet fühlt.“ Am 1. Oktober sollte die Chemotherapie beginnen. „Annedore, eine Freundin, gab mir drei Tage vorher das Brustkrebsmagazin ,Mamma Mia’. Ein Beitrag über Kühlhauben gegen Haarausfall während der Chemo-Verabreichung zog mich sofort in seinen Bann. Doch in der Apotheke sagte man mir, Kühlhauben – zwei für etwa 300 Euro – seien innerhalb von zwei Tagen nicht lieferbar. Not macht erfinderisch: Ich kaufte zwei große Coolpacks in der Apotheke und eine Badekappe im Sportgeschäft.“ Kosten: unter 30 Euro.

 Während ihrer Chemotherapie „glaubte wirklich niemand an den Erfolg meiner Haarstudie, doch trug sie zur Erheiterung bei. Großen Dank möchte ich dem Team der ambulanten Chemotherapie des UKSH sagen, das mein Vorhaben unterstützte.“ Kurz vor Beginn jeder Infusion und nur für deren Dauer – bis zu zwei Stunden – legte Dominik die eisgekühlten Coolpacks auf und fixierte sie mit der Badekappe. Während der gesamten Chemotherapie-Zeit – bis zum 20. April dieses Jahres – wusch sie ihr Haar konsequent mit kaltem Wasser. „Und ich habe tagtäglich anderthalb Liter Drei-Phasen-Tee – 60 Gramm Ringelblume, 20 Gramm Brennnessel, 20 Gramm Schafgarbe – getrunken. So bin ich relativ problemlos durch die Chemotherapie gehüpft.“ Auch wenn sie 30 Kilogramm zugenommen habe.

 Gestützt und getragen habe sie ihre Patchwork-Familie, der „geliebte Gernegatte Gerd“, die drei Kinder Joshua, Tim und Rike, ihre Freunde, ihre Kollegen und ihre Mutter Erika, deren „funktionale Tipps und Zuversicht ich endlich gelernt habe, anzunehmen und anzuwenden“.

 Ihre früher langen Haare, die sie vor der Chemotherapie kurz geschnitten hatte, um den Schock des drohenden Haarverlusts zu mildern, seien „etwas fisseliger, werden nun aber schon wieder viel dichter.“ Ihr Erfahrungswissen weiterzugeben, ist Dominik wichtig. Bei ihren Recherchen entdeckte sie, dass die Methode in Großbritannien, den Niederlanden und Schweden Teil der Krebstherapie ist – anders als in Deutschland.

 „Die wissenschaftliche Datenlage dazu ist sehr dünn“, erklärt Prof. Nicolai Maass, Direktor der Kieler UKSH-Frauenklinik. Die Kopfkühlung „kann im Einzelfall durchaus sinnvoll und erfolgreich sein, darum unterstützen wir sie, aber vielen Patientinnen bringt sie nichts“, bilanziert er. Hilfreich sei hingegen in jedem Fall Eis zur Linderung von Missempfindungen an Händen und Füßen unter einer Chemotherapie.

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Ein Artikel von
Christian Trutschel
Lokalredaktion Kiel/SH

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