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Auf der Spur von Johann Theede

Kiel-Hassee Auf der Spur von Johann Theede

Johann Theede ist der Architekt der Kieler Landwirtschaftskammer, des Gymnasiums Wellingdorf, der Margarinefabrik Seibel (heute Musikschule) und des Hasseer Saarviertels. Seine Gebäude sind bekannt – doch über den Kieler selbst lässt sich wenig finden. Das möchte die Kunsthistorikern und Journalistin Eva-Maria Karpf ändern.

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Das Hasseer Saarviertel besticht durch seine Siedlungshäuser aus Backstein. Geplant wurde das Quartier von Architekt Johann Theede. Die Kunsthistorikerin Eva-Maria Karpf recherchiert für ihre Doktorarbeit über den Kieler Architekten.

Quelle: Jennifer Ruske

Kiel. Die 45-Jährige schreibt ihre Doktorarbeit über den 1934 verstorbenen Architekten und ist dafür auf der Suche nach Unterlagen.

Am 1. April 1876 wurde Johann Theede als Sohn einer Fischerfamilie in Ellerbek geboren. Er machte eine Zimmerlehre und besuchte mit 17 Jahren dafür die Baugewerkschule in Eckernförde, studierte anschließend in Stuttgart und kam 1902 wieder zurück nach Kiel, wo er schließlich einer der bedeutendsten Architekten der Heimatschutzarchitektur Anfang des 20. Jahrhunderts wurde. „Theede hat im Auftrag der Stadt Kiel und als freier Architekt eine Reihe von bedeutenden Gebäuden und Wohnquartiere entworfen“, erklärt Kunsthistorikerin Eva-Maria Karpf, die bereits Mitte der 90er Jahre, während ihres Studiums an der Kieler Uni, auf den (Mit-)Begründer des „Schleswig-Holsteinischen Landesverbandes für Heimatschutz“ und seine Bauten aufmerksam wurde.

 „Als Journalistin habe ich später dann den Umbau der Margarinefabrik Seibel in Gaarden miterlebt – und bin dadurch wieder auf Theede gestoßen. Ab da wollte ich mehr von seinem Leben und Wirken wissen.“ Doch viel gab es über den Architekten nicht zu finden. Im Rahmen ihrer Doktorarbeit bei Prof. Dr. Uwe Albrecht recherchiert sie bereits seit geraumer Zeit über Johann Theede. Im Stadtarchiv hat die 45-Jährige Aufzeichnungen gewälzt, hat Bauten in Schleswig-Holstein und Kiel ge- und besucht, hat den Werdegang Theedes bis nach Stuttgart, wo er studierte, verfolgt und hat Nachfahren des Kieler Architekten gefunden, die ihr Einblicke in den persönlichen Nachlass gewährten.

 Doch rund um seine Arbeit sind immer noch Fragen offen – und die betreffen auch das Hasseer Saarviertel, genauer gesagt die Saarbrückenstraße, Mettlachstraße, Ottweiler- und Dudweilerstraße. In denen sind nach Theedes Plänen Siedlungshäuser aus Backstein entstanden, sogenannte Kleinwohnhäuser (Doppelhäuser), die sich zwar ähneln, in Details – hier mal ein Erker anders, dort eine Tür versetzt – alle individuell gestaltet sind.

 „Das Saarviertel war das letzte Projekt, das der 1934 verstorbene Architekt im Auftrag der Stadt Kiel geplant hat“, weiß Eva-Maria Karpf. 1933, in der Nazi-Zeit, begann der Bau der kostengünstigen Wohnhäuser, die in den Zeiten von Wohnungsnot und Arbeitslosigkeit Platz für Familie plus Garten zur Selbstversorgung boten. Gleichzeitig sorgte das Projekt für hochwillkommene Jobs für Handwerker und Co. „Die NS-Regierung hat sich den Bau des Saarviertels komplett auf die eigenen Fahnen geschrieben, hat damit Werbung gemacht“, weiß Eva-Maria Karpf. „Das aber kann so nicht stimmen“, glaubt sie.

 „Die Planungen müssen deutlich vor 1933 erfolgt sein. So ein Quartier stampft man nicht einfach aus dem Boden.“ Doch darüber fehlen Unterlagen. „Ich bin auf der Suche nach alten Bildern, nach Plänen und nach Briefen über das Bauprojekt, in denen eine Jahreszahl angegeben wird“, hofft die Journalistin auf Hilfe der Kieler. „Und ich möchte noch mehr über den Bau des Saarviertels erfahren“, wünscht sich Eva-Maria Karpf. Spätestens im kommenden Jahr will Eva-Maria Karpf ihre Doktorarbeit beenden und ihr Wissen über den Kieler Architekten als Buch herausgeben.

 Kontakt: Wer der Kunsthistorikerin helfen kann, wendet sich an die Mail: karpf-theede@web.de

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