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Wer klaut die Blumen vom Friedhof?

Landeshauptstadt Wer klaut die Blumen vom Friedhof?

Trauernde in Kiel sind entsetzt: Auf den Friedhöfen werden immer häufiger Blumen von den Gräbern gestohlen. Gärtner Ralf Kretschmer. vermutet, dass die geklauten Pflanzen anschließend einfach auf ein anderes Grab gepflanzt werden.

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Pflanzendiebstahl auf dem Friedhof – aus diesem Korb wurden die Hornveilchen gestohlen.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Klaus Wagner und seine Tochter Sabine Krause können es nicht fassen. Sie stehen vor dem Grab ihrer verstorbenen Ehefrau und Mutter auf dem Friedhof Eichhof. Aus der frisch bepflanzten Schale hat ein Unbekannter Blumen gestohlen. Nicht zum ersten Mal. „Wir sind sprachlos und aufgewühlt“, sagt Sabine Kraus. „Was sind das für Menschen, die Trauernden so etwas antun?“ Diese Frage stellt sich auch Karsten Spitz-Fischer, Leiter des Eichhofs und sechs weiterer Kieler Friedhöfe des Kirchenkreises Altholstein. Ihm kommen Fälle von Diebstahl immer häufiger zu Ohren: „Auf allen Friedhöfen wird gestohlen, das ist in Fachkreisen bekannt und offenbar ein zunehmendes Problem, zumindest wird es uns immer mehr gemeldet.“ Auch der Besitzer einer Friedhofsgärtnerei am Eichhof, Ralf Kretschmer, sagt: „Das gab’s schon immer. Aber es ist mehr geworden.“

Von jedem Grab nur ein paar Pflanzen

Blumen, Kupfer, Grabgegenstände – alles, was nicht befestigt ist, werde mitgenommen, berichtet Spitz-Fischer. „Es passiert sogar, dass Friedhofsbesucher ihren Blumengruß kurz auf dem Grab ablegen, dann Wasser holen, und wenn sie wieder kommen, sind die Blumen verschwunden.“ Aber in den meisten Fällen sei es eher so, wie bei Sabine Krause und ihrem Vater: Die Hornveilchen wurden in ihrer Abwesenheit ausgegraben, aber ein Teil der Pflanzen stehen gelassen. Nicht nur auf dem Urnengrab von Heinke Wagner auch ein paar Gänge weiter sieht man ein ähnliches Bild: Vor einem gelben Stiefmütterchen ist ein blaues Hornveilchen gepflanzt und daneben sind fünf kleine Erdlöcher. „So hinterlässt doch kein Angehöriger das Beet“, befindet Klaus Wagner. Vor einigen Tagen habe er beobachtet, wie sich ein Radfahrer hier auffällig verhielt und an mehreren Gräbern zu schaffen machte. Als der Rentner später nachschaute, waren an zwei Gräbern ganz offensichtlich Pflanzen ausgebuddelt, wahrscheinlich Veilchen. Wahrscheinlich in blau und gelb – wie die verbliebenen. „Die Diebe lassen einiges stehen, sie nehmen von jedem Grab nur ein paar Pflanzen und hinterlassen meist Löcher“, berichtet auch Gärtner Ralf Kretschmer. Er vermutet, dass die geklauten Pflanzen anschließend einfach auf ein anderes Grab gepflanzt werden. Friedhofsleiter Spitz-Fischer nimmt an: „Die Diebe nutzen das für ihren Eigenbedarf. Vielleicht sogar um ihre Lieben zu beschenken.“

„Grundsätzlich vergreift man sich nicht am Eigentum anderer, schon gar nicht auf Gräbern“, ist sich Sabine Krause mit ihrem Vater einig. Nicht nur die Hornveilchen seien schon von dem Grab entwendet worden, auch ein großer Blumenstrauß und eine üppig bepflanzte Schale. Erst vor einigen Tagen sei außerdem ein kleines Vogelhäuschen zur Dekoration, wie seine Frau es so gern gemocht habe, verschwunden, berichtet Klaus Wagner. „Wer tut so etwas Schlimmes? Es macht mich wirklich traurig und wütend.“ Dabei gehe es ihm ausdrücklich nicht um den monetären Wert, betont er.

"Helfen kann ich leider nicht"

„Das ist pietätlos. Die Täter haben kein Gewissen“, urteilt Friedhofsleiter Spitz-Fischer. „Ich kann den Schmerz der Menschen verstehen, helfen kann ich leider nicht.“ Die Friedhöfe seien zu groß, um sie zu überwachen. Die Tore nachts zu schließen bringe nichts, weil die Zäune leicht zu überklettern seien. Zudem kämen die Täter meist tagsüber und seien dann von anderen Besuchern nicht zu unterscheiden. Einmal jedoch hätten sie einen erwischt: „Wir hatten einen Verdacht und haben uns auf die Lauer gelegt. Der Mann hatte aber kein Unrechtsbewusstsein.“

Den Kieler Polizeirevieren liegen aktuell keine Anzeigen in dem Bereich vor, sagte ein Sprecher auf Anfrage. Doch Kretschmer wünscht sich, dass die Polizei auf dem Friedhof mehr Präsenz zeige. Klaus Wagner und Tochter Sabine Kraus setzen allerdings nicht auf die Ordnungshüter, sondern hoffen darauf, dass viele Leute diesen Zeitungsbericht lesen: „Wir wollen an das Gewissen der Täter appellieren und erreichen, dass andere Besucher künftig aufmerksamer über den Friedhof gehen.“

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