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Bewährung für diebische Justizangestellte

Landgericht Kiel Bewährung für diebische Justizangestellte

Eine Justizangestellte, die rund 48000 Euro aus der Gerichtskasse auf Privatkonten von sich und drei Freundinnen leitete, muss die erschlichene Summe in monatlichen Raten an das Land zurückzahlen. Unter dieser Auflage setzte das Kieler Landgericht am Mittwoch die zweijährige Freiheitsstrafe wegen (Computer-)Betrugs in 43 besonders schweren Fällen zur Bewährung aus.

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Eine diebische Justizangestellte bekommt eine Bewährungsstrafe.

Quelle: dpa

Kiel. Die langjährige Mitarbeiterin (42) der Jugendstrafabteilung im Kieler Amtsgericht hatte nach eigenem Geständnis von Juni 2009 bis März 2012 immer wieder fiktive Aktenzeichen erstellt und Zahlungsanweisungen über Einzelbeträge bis 3550 Euro in Gang gesetzt. Dies gelang laut Urteilsbegründung des Vorsitzenden Stephan Worpenberg, obwohl in der Behörde das Vier-Augen-Prinzip befolgt worden war.

Den für Genehmigung und Buchung der fingierten Zahlungen verantwortlichen Kolleginnen sei offenbar nicht aufgefallen, dass bis zu drei Mal täglich Geldbeträge an ein und dieselbe Empfängerin flossen. Als Adressatin hatte die Angeklagte mehrfach ihren eigenen Namen eingetragen. „Dass dies Aufmerksamkeit erzielen musste, ist eigentlich klar“, stellte der Vorsitzende fest. Doch sei der Schwindel wohl in der Masse der Vorgänge nicht aufgefallen.

Die jetzt „in ein schlechtes Licht gerückten“ Kolleginnen der Serviceabteilung hatten gemutmaßt, die Angeklagte habe ihre EDV-Passwörter ausgespäht und die Überweisungen unter falschem Namen selbst am PC „überprüft, genehmigt und gebucht“. Eine solche Taktik hatte die nicht vorbestrafte Angeklagte im Prozess bestritten.

Das Gericht hielt diese Vorgehensweise für möglich, aber nicht beweisbar: Eine nachträgliche Überprüfung der Dienstpläne habe ergeben, dass sämtliche an den Vorgängen beteiligten Kolleginnen zu den betreffenden Buchungszeiten auch Dienst hatten.

Mehrere ehemalige Justizmitarbeiterinnen und Richterinnen, deren Vertrauen die Angeklagte jahrelang missbraucht hatte, verfolgten zeitweise den zweitägigen Prozess. Die Frau entschuldigte sich bei ihnen. Dass sie als Amtsträgerin gewerbsmäßig handelte, wog laut Urteil besonders schwer. Die Frage nach Hintergrund und Tatmotiv der Betrugsserie blieb weitgehend unbeantwortet.

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