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Rechtsstreit um den Kielfisch

Landgericht Rechtsstreit um den Kielfisch

Ist der Schleifisch eine Kopie des Kielfisches? Am Landgericht Kiel geht es zurzeit um einen Streit zwischen Schriftzug-Designern, die sich gegenseitig der Nachahmung und Verunglimpfung beschuldigen. Das Urteil wird Anfang Oktober erwartet.

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Außendienstmitarbeiter Merlin Erzfeld mit einem Kielfisch aus gelasertem Edelstahl: Vor Gericht wird um Markenrechte gestritten.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. An Schleswig-Holsteins Küsten ist ein Revierkampf der Fische entbrannt. Streng genommen sind es nur Fischgerippe, die um die Hoheit in heimischen Gewässern kämpfen. Denn beim Rechtsstreit vor dem Kieler Landgericht geht es nicht um fangfrischen Dorsch oder Hering, sondern um die Rangordnung werbewirksamer Fisch-Logos für Städte, Inseln und Urlaubsregionen. Im Mittelpunkt der juristischen Auseinandersetzung steht der Kielfisch.

 Seit 2008 erobert die Erfolgskreation des Kieler Goldschmiedemeisters Olaf Heichert (48) den regionalen Souvenirmarkt. Mit der aus Fischgräten gebildeten Buchstaben- folge K-I-E-L beansprucht sie die Position als Alphafisch. Tatsächlich kennt heute fast jeder Kieler und Tourist das markante Logo, das den Namen der Landeshauptstadt als Autoaufkleber in alle Welt trägt und sich auch auf Textilien und als Silber- oder Goldschmuck bestens verkauft.

 Vor drei Jahren meldete Heichert seinen Kielfisch europaweit als Bildmarke an. Und glaubte, seine Idee sei damit vor Nachahmern geschützt. Doch dann schwärmten in Scharen neue Fisch-Kreationen nach ähnlichem Muster auf den Markt zwischen Binnenland und Waterkant. „Spione kamen in unsere Läden, fotografierten alles und kopierten“, erklärt der Goldschmied die Fisch-Invasion im echten Norden.

 Mit der Gewissheit, die jüngeren Produkte seien doch nur Kielfisch-Plagiate, zog Heichert vor Gericht und verklagte den Schleifisch wegen Verletzung des Markenrechts. Doch dann verlor er den Prozess um unlauteren Wettbewerb. Zwischen Kiel und Schlei bestehe keine Verwechslungsgefahr, begründete das Kieler Landgericht 2014 die Abweisung der Klage.

 „Heichert war schlecht beraten“, erklärte sein neuer Rechts- und Patentanwalt Jan Tönnies. Sein Mandant habe damals mit einer aussichtslosen Klage rund 10000 Euro in den Sand gesetzt. Wohl auch aus Frust, so Tönnies, platzierte der Goldschmied auf seiner Web-Seite einen nicht böse gemeinten Flossenhieb gegen mutmaßliche Imitate. Denn die Darstellung von Buchstaben als Fischgräten, sagt Tönnies, sei nun mal Heicherts Erfindung.

 „Seitdem es ihn gibt, hat der Kielfisch viele Nachahmer gefunden“, schreibt Heichert auf seiner Web-Seite und nennt den Gettorffisch, Syltfisch, Usedomfisch, Noerfisch, Hamburgfisch, Eckernfördefisch, Strelafisch (Stralsund), Ostseefisch und Schleifisch. Letzterer habe zudem „die Idee und das Konzept einer Kielfisch Edelstahlskulptur kopiert“.

 Schmerzlich für den Kieler Goldschmied: Während seine eigene Vision, am Friedrichsorter Leuchtturm eine 17 Meter hohe Kielfisch-Skulptur aufzustellen, sich nicht realisieren lässt, muss er in der Zeitung lesen, wie ein ähnliches Großprojekt am Schlei-Ufer mit Sponsorenhilfe Gestalt annimmt.

 Gleichzeitig ist Heichert mit seiner Äußerung über „Nachahmer“, denen er „viel Erfolg und vor allem viele gute, eigene Ideen“ wünscht, selbst unter Druck geraten. Der Flensburger Grafik-Designer Rainer Hummel fordert eine Unterlassungserklärung: Der Kielfisch solle den Schleifisch nicht weiter als Nachahmer herabwürdigen, die Idee einer Edelstahlskulptur nicht als Kopie verunglimpfen. Zuwiderhandlungen seien mit bis zu 250000 Euro Ordnungsgeld oder bis zu sechsmonatiger Ordnungshaft zu ahnden.

 Im Designerfach, argumentieren Hummel und sein Rechtsanwalt Frank Markus Döring, sei der Plagiatsvorwurf durchaus ruf- und geschäftsschädigend. Seinen 2014 auf den Markt gebrachten Schleifisch will Hummel bereits zehn Jahre zuvor für einen Restaurantbetreiber entworfen haben. Seit 2004 liege er in der Schublade. „Kielfisch, das Original!“, hält Heichert dagegen.

 Eine noch frühere Geburt beansprucht jedoch der Syltfisch: Laut Webseite der Marke hat der Kieler Künstler Hans Panzer das seit 2012 vermarktete Logo bereits 2002 beim Deutschen Marken- und Patentamt angemeldet. Jede Menge Gräten also für die 16. Zivilkammer, die ihr Urteil Anfang Oktober verkünden will (Aktenzeichen 16 HKO 32/15).

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