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Langes Warten auf den Krankenrücktransport

UKSH Langes Warten auf den Krankenrücktransport

Zweieinhalb Stunden musste Hertha Grapengeter auf den Krankenrücktransport warten. Zu lange, meint die 74-Jährige. Das UKSH in Kiel weist die Vorwürfe der Patientin zurück. Mitarbeiter dagegen bestätigen das Transportproblem.

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Wollte auf die Transport-Missstände am UKSH aufmerksam machen: Hertha Grapengeter.

Quelle: Sonja Paar

Kiel. Hertha Grapengeter ist sauer. Nicht darüber, dass sie sich vor einem Jahr „fit wie ein Turnschuh“ fühlte, nun aber geschwächt von einer Tumorerkrankung. Auch nicht über die Therapie im UKSH, Campus Kiel: „Die haben mich toll wieder hingekriegt. Alle dort geben sich so viel Mühe, das ist hervorragend und einmalig.“ Die 74-Jährige ist sauer über ein Transportproblem, das es nach Darstellung des UKSH nicht gibt.

 Während ihrer stationären Therapie im Juni suchte Hertha Grapengeter mehrere UKSH-Kliniken auf. „Allein über die Straße und zu Fuß dorthin gehen, das darf man nicht. Ich wurde mit einem Transporter von der Klinik für Strahlentherapie in der Feldstraße 21 abgeholt. Klappte prima. Aber der Rücktransport war eine Katastrophe. Zweieinhalb Stunden musste ich einmal warten. Und ich bin ja noch einigermaßen fit. Aber die alten Leute, die da zusammengekauert saßen und sich nicht artikulieren konnten, mussten zum Teil noch länger warten. So ein Transport muss besser organisiert werden!“

 Grapengeter ist eine hochgewachsene, resolute Frau, eine, die stark sein musste, und die Dinge, die sie ändern kann, nicht so hinnimmt wie ihre Krebserkrankung. Im UKSH fragte sie nach, „und überall hörte ich, das sei ein Missstand, der in allen Kliniken auf dem Gelände bekannt ist“. Sie telefonierte mit der KN-Leseranwältin und schrieb einen Brief an den UKSH-Vorstandsvorsitzenden Prof. Jens Scholz. Die Handschrift ist schwungvoll und energisch. Sie sei gerne zu einem persönlichen Gespräch bereit, schrieb sie.

 Noch im UKSH bekam sie einen Anruf „von der Sekretärin von Professor Scholz. Man würde sich darum kümmern, wurde mir gesagt. Also letztlich: bla bla.“ Diese Art, ein Problem abzutun, erzürnt die frühere Chefin von Volvo Grapengeter in Raisdorf. „Wir waren 22 Jahre selbstständig, und der Laden lief“, sagt sie. Der Betrieb, fünfmal ausgezeichnet, gehörte mit zwei Berliner Volvo-Vertragshändlern zu den drei besten in Deutschland. 1998 starb ihr Mann. Bis 2002 führte sie die Geschäfte, unterstützt von einem Kfz-Meister, unter manchmal großem Druck, wie sie ohne Wehleidigkeit betont.

 UKSH-Pressesprecher Oliver Grieve erklärt: „Das UKSH hat mit seiner hundertprozentigen Tochtergesellschaft Service Stern Nord ein Service Level Agreement, das besagt, dass die Transporte innerhalb einer halben Stunde zu erledigen sind.“ Laut Juni-Auswertung betrage die durchschnittliche Wartezeit aller auf dem UKSH-Gelände transportierten Patienten etwa 15 Minuten. Wenn der behandelnde Arzt den Transport für notwendig halte, ordere die entsprechende Station über die Software Logbuch ein Fahrzeug. Die Zeiten – Bestellung, Abholung, Ablieferung – würden protokolliert. Nur bei einem der insgesamt 13 Transporte einer Patientin, die sich aktuell beschwere, sei mit 37 Minuten Wartezeit der vereinbarte Rahmen leicht überschritten worden.

 Hertha Grapengeter, konfrontiert mit diesen offiziellen Daten, bleibt bei ihrer Darstellung: „Zweieinhalb Stunden reine Wartezeit waren es. Nachdem ich fertig war. Mich hat ja noch eine Angestellte der Klinik angesprochen: ’Sitzen Sie immer noch hier?’ Ja, hab’ ich gesagt, was soll ich denn machen, ich darf ja nicht allein gehen.“

 Sechs Mitarbeiterinnen von vier UKSH-Kliniken haben auf Nachfrage bestätigt, dass Patienten nicht immer, aber oft erst nach Wartezeiten von anderthalb Stunden rücktransportiert würden. Eine von ihnen, die nicht genannt werden wollen: „Ich habe schon Patienten im Rollstuhl zur nächsten Klinik geschoben, weil mir die alten Leute leid taten.“

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Ein Artikel von
Christian Trutschel
Lokalredaktion Kiel/SH

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