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Den Wundern des Alltags auf der Spur

Hebbelschule Kiel Den Wundern des Alltags auf der Spur

Besondere Ehre für Dr. Daniela Efler-Mikat, Chemie- und Biologielehrerin an der Hebbelschule in Kiel: Die 46-Jährige erhält einen Preis als besonders engagierte Projektbetreuerin bei „Jugend forscht“.

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Hebbelschul-Lehrerin Dr. Daniela Efler-Mikat (Mitte) wurde für ihr Engagement ausgezeichnet.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Im Kopf von Dr. Daniela Efler-Mikat müssen die Synapsen Hochleistung bringen. Da poppen im Sekundentakt die verrücktesten Ideen auf, da werden in Nullkommanichts bestehende Annahmen über den Haufen geworfen, da machen die Gedanken Kapriolen. Langweilig kann es mit der Chemie- und Biologielehrerin an der Kieler Hebbelschule eigentlich nicht werden.

 Gerade bereiten ihre Schüler in der Naturwissenschafts-AG ein Experiment vor. Aus Gummibärchen und Marshmallows wollen sie Klebstoff herstellen. Eine andere Schülerin tüftelt an einem Rezept für zuckerfreie Nuss-Nougat-Creme. Eine Gruppe möchte verstehen, wie Sandknete funktioniert. Gerade wurde die 46-Jährige mit dem deutschlandweiten Helmholtz-Lehrerpreis für besonders engagierte Projektbetreuer bei „Jugend forscht“ ausgezeichnet. In Kürze wird sie den Preis in einer Feierstunde überreicht bekommen.

 „Eigentlich bin ich vier Lehrer“, sagt Daniela Efler-Mikat. So im Mittelpunkt zu stehen, behagt der gebürtigen Stuttgarterin nicht wirklich. „Ohne meine Kollegen Christoph Holtiegel, Heike Kannenberg und Jan Uttecht könnte ich an der Schule nicht so tolle Sachen machen“, schiebt sie erklärend hinterher. Aber nicht nur in der gemeinsamen AG kann sie sich mit ihrer Neugier und ihrem Wissensdurst austoben, sondern auch im Wahlpflichtfach „Angewandte Naturwissenschaft und Technik“ (ANT). Gemeinsam mit den Kollegen kümmert sie sich hier im Wechsel um projektorientierten Unterricht an ihrer Schule. „Die Schüler sollen selbst forschen, Erfahrungen sammeln und eigene Wege gehen“, sagt sie. „Der Trick ist dabei, dass man die Schülerideen nicht kleinreden darf.“

 Als Daniela Efler-Mikat etwa fünf Jahre alt war, sah sie durch Zufall im Fernsehen das „Telekolleg Chemie“. In der Serie erzählt ein alter, gediegener Herr von den Wundern in unserem Alltag. „Da lernte ich das erste Mal, dass man Fett mit kaltem Wasser und Seife besser weg bekommt, als mit warmem Wasser“, sagt sie. „Von da an wollte ich immer mehr wissen.“

 Mit ihrer Mutter, einer Handarbeitslehrerin, guckte sie sich im Wald aus dem Nest gefallene tote Vogelembryos an. Lernte, dass einmal flüssig gewordenes und dann wieder erkaltetes Wachs nur schlecht aus den Fugen der Küchenfliesen abzubekommen ist. „Da ist mir mal beim Kerzengießen leider etwas umgekippt.“ Und sie sah beim Papa, was man für verschiedene Dinge herstellen kann. Der gelernte Feinmechaniker hatte nämlich eine Druckerei, einen kleinen Verlag und entwarf zudem Plakate.

 Bei Efler-Mikat herrscht auch zu Hause das kreative Chaos einer Wissenschaftlerin. Ihr Mann Jürgen Mikat ist promovierter Physiker und Physik- und Mathematiklehrer. Ihre Söhne Leander (11), Gideon (9) und Dorian (5) – drei blondgelockte Wildfänge – mischen zudem den Haushalt noch ordentlich auf. Gerade haben sie Einfrier-Experimente gemacht und im gesamten Haus findet sich keine Schüssel mehr. Dazu kommen die vielen tierischen Mitbewohner: Degus, Mäuse, japanische Mövchen und Fische. Auch die beiden Katzen sorgen immer wieder für Aha-Erlebnisse, wenn sie tote Maulwürfe und Mäuse anschleppen. „Kürzlich bin ich im Dunkeln auf eine Maus getreten“, erzählt die Lehrerin. „Die Jungs sagten am Morgen nur: Oh, guckt mal, da ist die Niere.“ Aber schon als Kind hat Daniela Efler-Mikat ja gelernt: Es gibt nichts Ekliges in der Natur, nur Sachen, die spannend sind.

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Ein Artikel von
Kristiane Backheuer
Lokalredaktion Kiel/SH

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