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Gleiche Arbeit, unterschiedlicher Lohn

Lehrkräfte für Deutsch als Zweitsprache Gleiche Arbeit, unterschiedlicher Lohn

Unruhe an der Volkshochschule (VHS) in Kiel: Die Lehrkräfte für Deutsch als Zweitsprache (Daz) fordern von der Stadt faire Arbeitsbedingungen. Sie kritisieren die unterschiedliche Bezahlung für die verschiedenen Deutsch-Kurse an der Förde-VHS.

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Ohne Sprache geht es nicht: Gut besucht ist der Deutsch-Kursus von Barbara Wildhagen-Culik.

Quelle: Frank Peter

Kiel. „Wir erfüllen einen staatlichen Auftrag und wollen deshalb auch angemessen bezahlt werden“, sagt Barbara Wildhagen-Culik. Die 55-Jährige ist seit 20 Jahren an der VHS tätig und aufgebracht wegen der derzeitigen Situation. „Es geht auch um Wertschätzung. Das, was wir leisten, soll auch gesehen und gewürdigt werden.“

 Grund für die Unzufriedenheit der Daz-Lehrer, die als Honorarkräfte an der VHS tätig sind, ist das im August in Kraft getretene Integrationsgesetz der Bundesregierung. Flüchtlinge sind danach verpflichtet, Deutsch zu lernen und an Integrationskursen teilzunehmen. Das Honorar der Lehrkräfte für die Integrationskurse zahlt das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) – 35 Euro pro Stunde. Integrationskurse sind Kurse bis zum Sprachniveau B2, also fortgeschrittene Deutschkenntnisse (selbstständige Sprachverwendung). „Wenn man aber etwa in Deutschland studieren will, reicht das nicht. Dann braucht man mindestens C1-Niveau“, erläutert Wildhagen-Culik. Diese Kurse werden allerdings nicht vom Bund bezahlt, sondern von der Volkshochschule. 23 Euro zahlt sie den Lehrkräften pro Stunde.

 „Die Arbeit ist die gleiche, und alle Lehrer haben die gleiche Qualifikation. Es ist einfach ungerecht, dass wir unterschiedlich bezahlt werden“, sagt Wildhagen-Culik. Das findet auch ihre Kollegin Olga Kühl. Seit einem Jahr gibt die 34-Jährige Daz-Kurse an der Förde-VHS, aus finanziellen Gründen sind das in diesem Schuljahr nur vom Bamf finanzierte Integrationskurse. „Ich hätte gerne auch andere Kurse gegeben, weil mir das Spaß macht. Aber das hätte ich mir nicht erlauben können“, sagt Kühl.

 Kühl unterrichtet 27 Stunden in der Woche, hinzu kommt noch die Vor- und Nachbereitung der Stunden. Von ihrem Gehalt muss sie als Honorarkraft noch den Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil der Renten- und Arbeitslosenversicherung und die Krankenversicherung bezahlen. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat errechnet, dass eine Daz-Lehrkraft mit einem Deputat von 23 Unterrichtsstunden pro Woche, was einer Vollzeitstelle an bayrischen Gymnasien entspricht, vor Steuern monatlich rund 1600 Euro verdient. Im Urlaub oder bei Krankheit wird kein Lohn bezahlt. „Wenn die VHS in den Ferien geschlossen hat, verdienen wir nichts. Wir müssen also für diese Zeit zurücklegen“, sagt Kühl. Auch deshalb fordert die GEW, die Daz-Lehrer fest anzustellen: „Wenn diese staatliche Aufgabe dauerhaft besteht, sollte den Lehrkräften eine Festanstellung zumindest angeboten werden“, sagt Josef Mikschl von der GEW. Die Lohnerhöhung hält er für lange überfällig. „Auch 35 Euro sind nicht mehr als Mindeststandard. Das muss aber wenigstens für alle Kurse gezahlt werden“, so Mikschl. Nur so könne Kontinuität und Qualität gesichert werden.

 Bei der VHS sieht man den GEW-Vorstoß kritisch. „Es sind insgesamt 500 Lehrkräfte an der VHS tätig, davon etwa 50 im Deutsch-Bereich“, sagt Helga Jones, Leiterin der Förde-VHS. Sie wisse nicht, wie die übrigen Lehrkräfte darauf reagieren, wenn die Deutschlehrer plötzlich anders behandelt werden.

 „Wir wollen niemanden degradieren, aber aus unserer Sicht ist es schon etwas anderes, ob man an der VHS nebenberuflich ein Weinseminar oder Yoga-Kurse anbietet oder wie wir akademisch ausgebildet ist und hier in Vollzeit unterrichtet“, sagt Wildhagen-Culik. Alle Daz-Lehrer an der VHS haben ein abgeschlossenes Studium, außerdem zusätzlich ein Zertifikat des Bamf, um Integrationskurse unterrichten zu können.

 Von der Kieler Politik und Verwaltung kommt Unterstützung für die Daz-Lehrer: „Es darf keine Unterschiede bei der Entlohnung der Lehrkräfte geben. Gleiche Arbeit muss auch gleich bezahlt werden“, sagt Ratsherr Çetin Yildirim von Pickardt (CDU). Das sieht die SPD ähnlich. „Die Lehrkräften erfüllen einen öffentlichen Auftrag. Dafür müssen angemessene Bedingungen geschaffen werden“, sagt Ratsherr Falk Stadelmann. Aus seiner Sicht sei die Frage der Entlohnung auch ein integrationspolitisches und kein volkshochschulpolitisches Thema.

 Stadtkämmerer Wolfgang Röttgers prüft nun, wie die gleiche Bezahlung für alle Daz-Kräfte umsetzbar ist. Absehbar sei schon jetzt, dass die Förde-VHS Mehrkosten nicht aus den zur Verfügung stehenden Mitteln tragen könne, heißt es von der Verwaltung.

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Ein Artikel von
Anne-Kathrin Steinmetz
Lokalredaktion Kiel/SH

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