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Mit Herzblut ins Handwerk

Lehrstellenrallye Mit Herzblut ins Handwerk

Für den kommenden Abschlussjahrgang ist jetzt der beste Zeitpunkt, um sich für eine Lehrstelle im Handwerk zu bemühen. In Kiel gibt es rund 1600 handwerkliche Betriebe, ungefähr die Hälfte davon bildet aus. Eine Lehrstellenrallye sollte Schüler am Freitag für das Handwerk begeistern.

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Sägen gehört beim Zimmerer zum Alltag: Auszubildender Tobias Haberland erklärt Dominic Kühl (15) von der Flex-Klasse der Theodor-Storm Schule, wie es funktioniert

Quelle: Kerstin Tietgen

Kiel. Um Jugendlichen bei der Berufswahl zu helfen, organisierten die Kreishandwerkerschaft Kiel und Handwerkskammer Lübeck am Freitag zum zweiten Mal eine Lehrstellenrallye. Auf zwei Routen, eine in der Innenstadt und eine im Gewerbegebiet Wellsee, tingelten rund 220 Schüler aus 14 Klassen durch einige der 14 beteiligten Betriebe.

 Der Wind pfeift über den kahlen Interims-ZOB an der Hörnspitze. In kleinen Grüppchen sammeln sich die Schüler an den wenigen windgeschützten Plätzen. Die fünf Reisebusse, die die Jugendlichen zu den Betrieben fahren, spiegeln Aufbruchsstimmung wider. Wenigstens ein oder zwei Jahre müssen sie noch die Schulbank drücken, dann geht es ins Berufsleben. Jetzt heißt es zunächst: reinschnuppern. Die Flex-Klasse der Theodor-Storm-Schule, in der die Achtklässler individuell in zwei oder drei Jahren zum Ersten allgemeinbildenden Schulabschluss geführt werden sollen, tritt die Route 2 in Kiel-Wellsee an. Sie sollen Bäckerei-, Parkettverleger-, Elektronik-, Tischler-, Sanitär-, Maler- sowie Zimmerer-, Maurer- und Fliesenlegerhandwerk kennenlernen.

 Kfz-Mechatroniker, Tischler und Zimmerer seien laut Ebba Brettschneider von der Kreishandwerkerschaft beliebte Ausbildungsberufe. In Kiel gibt es rund 80 Ausbildungsberufe rund ums Handwerk. „Wer sich jetzt bewirbt, hat gute Chancen in seinem Wunschberuf einen Platz zu bekommen“, sagt Brettschneider. Die Vorlaufzeit gebe dem Betrieb die Möglichkeit, die Bewerber besser kennenzulernen, beispielsweise durch ein Praktikum in den Ferien. Die Betriebe sind offen für Schüler. „Wenn interessierte Menschen kommen, sind wir stolz darauf, ihnen unser Handwerk zu zeigen“, ermutigt Sönke Stoltenberg, Leiter des Betriebs für Parkett- und Fußbodentechnik, die Achtklässler.

 In der Backstube von Bäckerei Rönnau ist es wohlig warm. Filialbetreuerin Imke Kuhlmann lässt die Jugendlichen selbst Hand an die Laugenstangen legen. Mit Körnern und groben Salzkörnern werden die Teigstücke veredelt und in den Ofen geschoben. Alles gleicht dem normalen Arbeitsablauf. Und genau so wünschen es sich und die Organisatoren. Die Schüler sollen die Betriebe vor Ort kennenlernen – und nicht bloß an einem Stand auf der Arbeitsmesse. „Hier können sie mit anfassen, spüren, wie das ist und haben das Erfolgserlebnis am Ende“, sagt Brettschneider. Alex Kalestanians (14) Interesse ist jedenfalls geweckt: „Aber ich muss das mal länger ausprobieren, um zu wissen, ob das was für mich ist.“ Genau aus diesem Grund bietet die Bäckerei Rönnau Minipraktika für einige Tage an.

 Dominic Kühl (15) fühlt sich nach dem Abstecher in die Betriebe in seiner Entscheidung bestärkt: Er will sich weiterhin bei der Bahn als Mechatroniker bewerben. Die Faszination für Züge hat er von seinem Vater. Zimmerer oder Bäcker sind keine Berufe für ihn. Trotzdem sei die Erfahrung hilfreich gewesen.

 Bei den Bewerbungen sind sich alle Betriebsleiter einig: „Die schulischen Leistungen stehen nicht im Vordergrund.“ Natürlich seien Grundkenntnisse auch für den Werdegang in der Berufsschule entscheidend. Doch mit viel Begeisterung und Engagement können die Schüler eventuelle schulische Schwächen ausgleichen. Das freut Lehrerin Petra Hensel: „Es ist gut für die Kinder, zu sehen, dass nicht der Abschluss, sondern die Motivation zählt.“

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