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Lieber keine schmutzigen Hände

Ausbildungsmesse „Nordjob“ Lieber keine schmutzigen Hände

Eigentlich könnte alles gut sein beim Thema Ausbildung. Den fast 16.000 nach Lehrstellen suchenden Jugendlichen stehen nahezu ebenso viele gemeldete offene Ausbildungsplätze im Norden zur Verfügung. Trotzdem wird etwa ein Drittel der Stellen nach Schätzung der Kieler Industrie- und Handelskammer (IHK) nicht besetzt werden.

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Flemming Steffen (links), Friedhofsgärtner-Azubi, und Hendrik Klenk, Landschaftsgärtner im ersten Lehrjahr, schätzen ihre abwechslungsreiche Ausbildung. Doch die Branche plagen große Nachwuchsprobleme. Denn Jugendliche zieht es vorwiegend in „Weiße-Kragen“-Jobs.

Quelle: Sven Janssen

Kiel. Die am Dienstag in Kiel gestartete Ausbildungsmesse „Nordjob“ versucht gegenzusteuern und Jugendliche für betriebliche Ausbildung zu interessieren. Der Druck auf die Betriebe ist hoch. Laut IHK-Prognose werden 2030 rund 85.000 Fachkräfte allein in Schleswig-Holstein fehlen. Als Grund dafür sieht der Kieler IHK-Hauptgeschäftsführer Jörg Orlemann nicht nur den demografisch bedingten Rückgang von Schulabgängern in den kommenden Jahren. Hinzu käme der nach wie vor ungebrochene Trend zu höheren Schulabschlüssen sowie der Zulauf zu schulischen Vollzeit-Berufsausbildungen.

 Für den Umstand, dass so viele betriebliche Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben, macht Orlemann noch eine weitere Entwicklung verantwortlich: „Wir beobachten, dass viele Jugendliche nach wie vor an ihrem Wunschberuf festhalten. Selbst wenn die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt dafür gar nicht so rosig sind.“ Insofern sei eine Messe wie die „Nordjob“ ein „großartiges Format“, um dieser Entwicklung durch Informationen über berufliche Alternativen entgegenzusteuern.

 Ganz oben auf der Wunschliste von Schulabgängern stehen dabei offenbar nach wie vor die „Weiße-Kragen“-Jobs wie kaufmännische Berufe, medizinische Fachangestellte, Erzieher oder technische Ausbildungsgänge wie der zum Kfz-Mechatroniker. So ist es auch bei Jonas, der beim Messe-Rundgang sein Ausbildungsziel schon lange vor seinem mittleren Bildungsabschluss an der Gettorfer Isarnwohld Schule fest im Blick hat: Elektroniker für Systeme und Geräte. Etwas anderes kommt für den 16-Jährigen nicht in Frage: „Schwere Sachen von A nach B schleppen, ist überhaupt nicht mein Ding. Für mich kommt es in einem Job vor allem aufs Denken an.“

 Für Adonis Andresen greift so eine Einstellung aber zu kurz. Denn auch im Garten- und Landschaftsbau, deren Landesverband er bei der Messe als Referent vertritt, bleibe es schon längst nicht mehr nur bei körperlicher Arbeit wie Unkraut jäten oder Rasen mähen. Die Ausbildung beinhalte auch Technik oder Konstruktion. Trotzdem suche die Branche händeringend Nachwuchs. „Das geht so weit, dass Betriebe mittlerweile Jugendliche bei der Konkurrenz abwerben.“

 Dichtes Gedränge herrscht hingegen am Stand der Uni Greifswald. „Vor allem im Norden haben sich die guten Studienbedingungen bei uns offenbar herumgesprochen“, freut sich Studienberaterin Karen Kornow. Eines der „Renner“ im Hochschulangebot ist das Fach Psychologie, für das sich im vergangenen Jahr rund 1400 Abiturienten auf nur 63 Studienplätze bewarben. Messe-Organisator Roderich Stintzing hat noch einen weiteren Trend bei den rund 100 Ausstellern ausgemacht: „Immer stärker gefragt sind Work&Travel-Angebote für Jugendliche, die nach der Schule erst einmal für längere Zeit ins Ausland wollen.“

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Ein Artikel von
Jürgen Küppers
Lokalredaktion Kiel/SH

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