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Traumschiff wird schwimmende Uni

Lindenau Werft Traumschiff wird schwimmende Uni

Mitte September starten 600 Studenten der Universität von Virginia mit dem einstigen Fernseh-Traumschiff „Deutschland“ zu einem Trip um die Welt, bei der der gediegene Luxus an Bord zwar gerne genossen werden darf, das Büffeln jedoch klar im Vordergrund steht. Denn für ein halbes Jahr wird die „Deutschland“ zur schwimmenden Universität. Die Fitnesskur für diesen Einsatz absolviert das 175 Meter lange Schiff bei Lindenau in Kiel.

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Noch bis zum 7. September liegt die „Deutschland“ an der Lindenau-Pier. Für die komplett auf Reparaturen spezialisierte Werft ist der Auftrag sehr bedeutend.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Man mag es ahnen: Wer im musealen Charme der 20er-Jahre, umgeben von Gemälden und Büsten, viel Kristall und edlen Hölzern studieren will, zwischen Swimmingpool und Fitnessraum, Lido-Bar und „Kaisersaal“, der muss schon aus betuchtem Hause kommen oder ein gutes Stipendium ergattert haben. Ohne staatliche oder private Unterstützung kostet die 220 Tage lange Reise umgerechnet 70000 Euro. Sorge, dass das Interieur unter dem Einfluss ausschweifenden Partylebens leiden könnte, hat Robert Lambert nicht: „Die Studenten der University of Virginia kommen aus gutem Hause“, sagt der Präsident der American Cruise Line, die die „Deutschland“ im März aus der Insolvenz heraus übernommen hatte. Unter dem Namen „World Odyssey“ startet das 1998 bei HDW in Kiel gebaute Schiff von Southampton aus zu einem Bildungstrip rund um die Welt. Dazu hat die einem texanischen Milliardär gehörende US-Reederei das Schiff zunächst für ein halbes Jahr an die Organisation „Semester at Sea“ verchartert, die vor mehr als 50 Jahren das Konzept des schwimmenden Campus’ ins Leben rief.

Nein, einen regelrechten Umbau des Schiffes bei Lindenau werde es nicht geben, sagt Lambert: „Für uns ist es enorm wichtig, den typischen Charme der ,Deutschland’ zu erhalten.“ Lediglich die Nutzung einiger Räumlichkeiten wird sich natürlich verändern. So wird aus dem „Kaisersaal“ – in der ZDF-Serie schlicht als „Theater“ bezeichnet – ein Vorlesungssaal, die Lounge „Zum alten Fritz“, bei älteren Kreuzfahrtsemestern als geselliger Treff am späten Abend beliebt, wird zum Klassenraum umfunktioniert. Lernen im bequemen Ledersessel, mit der Bar in Reichweite – auch nicht schlecht.

Am ehesten nach Umbau, zumindest bei der Inneneinrichtung, sieht es in einigen der insgesamt 315 Kabinen aus. Weil zwei Studenten nicht unbedingt gleich im Doppelbett zu übernachten pflegen, werden viele Pärchen-Schlafgelegenheiten durch Hochbetten ersetzt.

Knapp 100 Menschen – Crew plus Handwerker – sind noch an Bord, um alle Arbeiten und Sicherheitschecks zu erledigen, bis das Schiff am 7. August Richtung England aufbricht. Das Team des Werftenverbundes German Naval Yards, zu der die Lindenau Werft mit ihren einst fast 400 und aktuell nur noch 20 festen Mitarbeitern seit Anfang 2013 gehört, hat im Auftrag der Amerikaner zwar extrem wichtige, jedoch vergleichsweise unspektakuläre Arbeiten zu erledigen. So wird in Kiel das komplette Rohrleitungssystem auf dem Schiff gecheckt und teilweise erneuert, und es werden die Rettungsboote überprüft. „Für uns ist dieser Auftrag ein deutliches Signal, dass Lindenau wieder erfolgreich unterwegs ist“, sagt Bernd Wittorf, der das Reparaturgeschäft für alle drei Standorte im Verbund verantwortet: neben Lindenau auch German Naval Yards Kiel (der frühere Überwasserschiffbau von HDW) und den auf Luxusjachten spezialisierten Standort Nobiskrug in Rendsburg.

Was ist, wenn die „World Odyssee“ ihre Studenten-Weltreise beendet hat? Lambert lächelt, denn natürlich weiß er, dass dieses schwimmende Grand Hotel auch für große Gefühle steht: „Wir werden alles tun, um mit diesem tollen Schiff im Sommer wieder auf den deutschen Kreuzfahrtmarkt zurückzukehren.“ Klar, dass das Ex-Traumschiff dann auch wieder „Deutschland“ heißt. In welchem Hafen die Kreuzfahrten dann beginnen werden, steht noch nicht fest. Doch Kiel hat gute Karten.

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Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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