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Brandbeschleuniger im Treppenhaus

Lornsenstraße Brandbeschleuniger im Treppenhaus

Das Piepen eines Rauchmelders weckt am Freitag um 1.38 Uhr die Mieterin des Hauses an der Lornsenstraße 24. Qualm dringt bereits durch den Türschlitz in die Wohnung im zweiten Stock. Als ihr Freund die Tür öffnet, steht er vor einer Wand aus schwarzem Rauch.

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Die brennende Fußmatte hat die Tür schwarz gefärbt. Die Flammen drohten schon, durch die Tür zu schlagen.

Quelle: Uwe Paesler

Brunswik. Die Feuerwehr rettet das Paar und ihren zweijährigen Sohn mit der Drehleiter aus dem Fenster. Das Feuer wurde offenbar gezielt gelegt – im ersten Geschoss brannte eine Fußmatte vor der Wohnungstür. Die Kripo ermittelt.

Es dauerte nur wenige Minuten, bis die Feuerwehrmänner die junge Familie aus der Wohnung holten – doch Mutter und Vater kam es vor, als wären es Stunden. Sie möchten ihren Namen nicht nennen, denn sie haben Angst, dass sie auch von dem Brandstifter heimgesucht werden. Der Mann schilderte die Situation: „Der Qualm zog durch die geschlossene Tür in die Wohnung, und unser Rauchmelder fing an zu piepen.“ Er rief sofort die Feuerwehr, doch die war schon alarmiert und auf dem Weg. „Uns wurde gesagt, wir sollten uns ans Fenster stellen“, sagte die junge Mutter. Mit ihrem Sohn auf dem Arm beobachteten die drei, wie die Feuerwehr ankam, die Drehleiter ausfuhr. „Wir sind dann durch das Fenster in den Korb gestiegen und in Sicherheit gebracht worden“, sagte die Frau, die den Schrecken in der Nacht mittlerweile ein bisschen verarbeitet hat – und wieder lächeln kann. Ihrem Sohn, so sagt sie, habe die Aktion glücklicherweise Spaß gemacht: „Er wollte gleich nochmal mit der Drehleiter fahren.“ Die Familie kam sofort in einen Rettungswagen. Vorsorglich fuhren Sanitäter sie ins Krankenhaus, denn alle hatten eine gehörige Portion Rauch inhaliert.

Die brennende Fußmatte hat die Tür schwarz verfärbt. „Die Flammen drohten schon, durch die Tür zu schlagen“, sagte der Leitungsdienst der Feuerwehr am Morgen danach. Ein Trupp unter Atemschutz löschte den Brand schnell. Doch offen bleibt die Frage, wie eine Fußmatte im ersten Stock eines Mehrfamilienhauses brennen kann, wenn nachts die Eingangstüren abgeschlossen sind. Die Feuerwehr spricht von Brandstiftung und Brandbeschleuniger, das zuständige Kommissariat der Kieler Kripo ermittelt in alle Richtungen – hat aber nach Angaben von Polizeisprecher Finn-Ole Henning noch keine Spur. Die junge Familie ist noch nicht von der Polizei befragt worden und auch verunsichert, weil sie erst seit etwa einem Monat in dem Haus lebt. Jetzt wollen sie erst einmal alles genau beobachten, was hier um sie herum geschieht – und ein mulmiges Gefühl bleibt.

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Günter Schellhase
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