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Der Chirurg macht einen klaren Schnitt

Lubinus Clinicum Der Chirurg macht einen klaren Schnitt

Auch wenn Dr. Philipp Lubinus seinen Rückzug bereits vor zwei Jahren eingeläutet hat, kommt sein Ausscheiden als Chirurg überraschend: Der 59-Jährige, Spross der Ärzte-Dynastie, die in vierter Generation das 120 Jahre alte Lubinus Clinicum in Kiel prägt, hört diese Woche nach 31 Jahren endgültig auf.

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Abschied vom Operationstisch: Im Ärztekittel ist Philipp Lubinus nur noch diese Woche zu sehen.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Aus gesundheitlichen Gründen zieht Lubinus die Notbremse, bleibt aber der Klinik noch als Kurator erhalten. Die Familientradition geht weiter: Nachfolgen soll ihm Sohn Johann Georg Philipp, der aber noch mitten in der Facharztausbildung und Promotion an der Berliner Charité steckt.

Rund um die Uhr im Einsatz

Philipp Lubinus fällt es zwar schwer, sein geliebtes „Handwerk“ aufzugeben, doch angesichts der derzeitigen „Gefechtslage“, wie er es ausdrückt, mit Stents, Bypass und nach einem Herzinfarkt habe er nicht mehr abwarten wollen. Zehn Jahre war er ärztlicher Direktor, bis er ab 1. Januar 2004 von seinem in diesem April verstorbenen Vater Hans Hermann Lubinus die Leitung der Klinik mit der landesweit größten Notfallchirurgie übernahm. Seit 2010 war er im Vorstand der Stiftung, in die er und sein Vater große Teile des Vermögens übertragen hatten, um Standort und Innovationsfähigkeit des Unternehmens zu sichern. Aus all diesen Funktionen hat sich der Mediziner Schritt für Schritt zurückgezogen und halbierte seine Arztstelle im vergangenen Jahr. Trotzdem war er rund um die Uhr im Einsatz als überaus pflichtbewusster und disziplinierter Mensch, der sich zu einem Laster bekennt: dem Rauchen. „Ich habe das Boot in der gesamten Saison nicht aus der Halle herausgeholt“, bedauert der leidenschaftliche Segler, der übrigens 1972 als letzter Staffel-Läufer das olympische Feuer in Kiel anzündete. Für ihn war das eines der Zeichen, die ihm klarmachten, dass ein klarer Schnitt nötig ist, aus dem sich „immer schneller drehenden Hamsterrad“ zu befreien. Was ihn dabei besonders ärgert, ist, wie stark sich die Konditionen für Ärzte durch „absurde Bürokratie und Gängelung durch die Politik“ verschlechtert haben.

Der Beruf war ihm in die Wiege gelegt

Als Urenkel des Klinikgründers Johann Hermann Lubinus schien ihm der Mediziner-Beruf in die Wiege gelegt. Eine Zeitlang überlegte Philipp Lubinus, Schiffbauer zu werden. Doch als kühler Kopf und Realist hielt er die Chance, einer der „zehn Jachtbauer auf der Welt zu sein, die davon gut leben können“, für zu klein, um den Wunsch in die Tat umzusetzen. Die Freude, mit Werkzeugen zu hantieren und zusammen mit seinem Vater Implantate zu entwickeln, blieb ihm während seiner Arztlaufbahn. „Ich habe diese Entscheidung nie bereut. Wir haben viele zufriedene Patienten, denen wir helfen konnten, mobil zu bleiben“, sagt er. Eine mehrfach überarbeitete Version des Gelenks, die Hüftprothese SP II, gilt nach Klinikangaben auch heute noch als weltweit gültiger Qualitätsstandard. Etwa 3000 Prothesen hat der Unfallchirurg, Orthopäde und Endoprothetiker eingesetzt, eine Knochenarbeit, für die der Operateur oft „Kräfte wie ein Pferd braucht.“ Deshalb sei das „kein Job für Mädchen“, findet Lubinus, der selbst drei Töchter und zwei Enkelinnen hat. Er persönlich hält sich an die 100-Prozent-Regel: Wiegt ein Patient doppelt so viel wie er selbst mit knapp 70 Kilo, lässt er einen Kollegen mit mehr Muskelkraft operieren.

Was für ein Leben führt ein Ruheständler, der sichtlich in seinem Arztberuf aufging? Philipp Lubinus wird zwar die Klinik weiterhin beraten und das Familienvermögen verwalten, doch vor allem freut er sich auf sein Leben als Landwirt in einem einsam gelegenen Haus am Fuß der französischen Pyrenäen. Als Freund der Energieeinsparung, wie sich der Besitzer eines Elektroautos selbst nennt, versah er das 300 Jahre alte Gebäude mit Photovoltaik und Photothermie. Dort erwartet ihn ein Vollzeitjob: mit dem Füttern von 30 Alpakas, Holzhacken und Selberkochen.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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