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„Für Demokratie muss man kämpfen“

Luise Amtsberg in Gelehrtenschule „Für Demokratie muss man kämpfen“

Manchmal gibt es im Leben ganz einfache Lösungen. Was macht man, wenn man als Klasse den Bundestag in Berlin besuchen will und die Kieler Abgeordnete der Grünen ist nicht da? Man lädt sie kurzerhand in die Schule ein. Die Kieler Gelehrtenschüler hatten Glück, und Luise Amtsberg sagte prompt zu.

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Hat Spaß am Gespräch mit der Jugend: Luise Amtsberg (3. von rechts) von den Grünen tauscht sich mit Umut Yesilyurt, Jonathan Schwerdtfeger, Zahira Essaboni, Caspar von Villebois, Celina Kalwa und Henriette Nebendahl (von links) aus.

Quelle: Kristiane Backheuer

Kiel. Hellwach und vergnügt sitzt Luise Amtsberg in der Aula und wird von den beiden Moderatoren, Myria Schröder (15) und Johann Tammen (16), begrüßt. Eine Stunde will sich die 31-Jährige Zeit nehmen, um die Fragen der Oberstufenschüler zu beantworten. Eine Stunde zuvor war sie bereits beim Regionalen Bildungszentrum (RBZ) Soziales im Königsweg und musste ausgiebig Antworten zu ihrem acht Monate alten Sohn Piet geben und zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Ihr Mann kümmert sich zu Hause in Berlin Vollzeit um den Nachwuchs. Hier in der Gelehrtenschule geht es aber vor allem um ihre Arbeit, um Flüchtlinge und die politische Partizipation von Jugendlichen.

 „Ich repräsentiere gerne Schleswig-Holstein in Berlin“, sagt sie. „Und auch wenn ich erst seit zwölf Jahren Kielerin bin, würde ich mich als Kielerin bezeichnen. Ich fühle mich hier sehr zu Hause.“ An der Kieler Uni hat die gebürtige Ostberlinerin Islamwissenschaft, Politikwissenschaft und Theologie studiert. 2009 zog sie als jüngste Frau in den Landtag ein. Seit 2013 ist sie Abgeordnete im Bundestag und sitzt unter anderem im Innenausschuss. „Müssen Sie im Bundestag Ihre persönliche Meinung in den Hintergrund stellen?“, will ein Schüler wissen. „Das versuche ich nie zu tun“, sagt Luise Amtsberg. „Dennoch gibt es Themen, bei denen wir geschlossen als Partei auftreten.“ Als es darum ging, den Westbalkan in die Liste der sicheren Herkunftsländer aufzunehmen, sei sie dagegen gewesen. „Ich muss jedoch darstellen können, wie andere Parteikollegen das sehen.“

 Was sie von einem Wahlrecht ab 16 Jahren halte? „Dagegen spricht nichts. Dafür ganz viel.“ Als sie nach der Drogenpolitik der Grünen gefragt wird, muss sie lachen. „Gibt es dafür einen konkreten Anlass?“, fragt sie schmunzelnd zurück. Natürlich: Grünenpolitiker Volker Beck wurde gerade mit der Droge Crystal Meth erwischt. „Grundlegend ist uns nicht daran gelegen, dass die Leute Drogen konsumieren“, sagt sie. „Aber die krasse Kriminalisierung, die damit einhergeht, muss gelöst werden.“

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Ein Artikel von
Kristiane Backheuer
Lokalredaktion Kiel/SH

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