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„Tiefer verankert in der Gesellschaft“

Lutz Kipp im Interview „Tiefer verankert in der Gesellschaft“

Ein Jahr lang hat die Universität Kiel, an der knapp 25000 Frauen und Männer studieren, ihren 350. Geburtstag gefeiert. Drei Ziele hatte sich Präsident Prof. Lutz Kipp für das Jubliäum gesteckt: Die Universität mit der Stadt und der Region stärker zu verbinden, zu zeigen, was sie alles leistet und sich der eigenen Geschichte zu stellen. Hat er sie erreicht?

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Nicht nur für ihn war der Festakt in der Nikolaikirche Höhepunkt der Feiern zum 350-jährigen Bestehen der Kieler Universität: CAU-Präsident Prof. Lutz Kipp.

Quelle: sp

Kiel. Hinter Ihnen liegt ein Feierjahr mit 2000 Veranstaltungen. Zufrieden?

Ja, ich finde, wir können eine schöne positive Gesamtbilanz des Jubiläumsjahres ziehen. Wir haben mit vielen Partnern zusammengearbeitet, ohne die das alles nicht geklappt hätte – von dem Ministerpräsidenten als Schirmherren über Oberbürgermeister Ulf Kämpfer als Botschafter bis hin zu den vielen Sponsoren mit ihren Jubiläumsprodukten und nicht zuletzt den zahlreichen engagierten CAU-Mitgliedern. Ich kann ihnen allen nur ein großes Dankeschön sagen. Das Jahr hat mir große Freude bereitet, zumal es uns gelungen ist, dass wir tiefer verankert und vernetzter in der Gesellschaft sind als vorher. Das war mein Ziel. Wir konnten zeigen, was die Universität leistet und wie bunt und vielfältig sie ist. Nach den vielen Terminen bin ich aber froh, mich wieder mehr auf meine normale Arbeit konzentrieren zu können.

Woran machen Sie die größere Verbindung der Universität in die Stadt hinein konkret fest?

Ich wurde immer wieder auf verschiedene Jubläumsaktivitäten von vielen begeisterten Menschen angesprochen, etwa zum Festakt in der Nikolaikirche, sicher einer der Höhepunkte des Jahres, von dem die Menschen, die ihn vor Ort oder bei der Übertragung im Audimax erlebt haben, ganz begeistert waren. Die dänische Prinzessin war dabei, unsere Darsteller von Herzog Christian Albrecht und Christine zogen an der Spitze der Ehrengäste.

War der Festakt aus Ihrer Sicht der Höhepunkt?

Es gab zwar einige Höhepunkte, aber für mich war der Festakt zur Gründung der Universität vor 350 Jahren der bedeutendste. Es war eine tolle Stimmung, wenn man gesehen hat, wie die ganze Kirche lila ausgeleuchtet wurde. Ein weiteres wunderbares Erlebnis war für mich die „Purple Night“ in der Holtenauer Straße. Die meisten Besucher haben das Motiv Lila und Weiß, die Universitätsfarben, in der Kleidung aufgenommen, das war fantastisch.

Dabei haben Sie uns einmal erzählt, dass Sie die Farbe Lila gar nicht so gern mögen ...

Das stimmt. Mir gefiel die Farbe Lila anfangs nicht so gut und ich habe gedacht, sie als Universitätspräsident ändern zu können. Dann habe ich aber schnell erfahren, dass die Farben Lila und Weiß bis zur Zeit von Zarin Katharina der Großen zurückreichen. Mittlerweile finde ich die einzigartige Farbkombination sogar ganz schön. Lila und Weiß werden auch die nächsten 350 Jahre bestehen bleiben.

Was retten Sie ins nächste Jahr?

Ich hoffe, dass sich das Gemeinschaftsgefühl, das durch die Zusammenarbeit bei vielfältigen Projekten zwischen Hochschulangehörigen entstanden ist, weiterträgt. Drachenboot- und Kiellauf-Teams, studentische Jubiläumsprojekte – wir haben auch viele kleine Dinge gemeinsam auf die Beine gestellt, die uns zusammenschweißten. Auch das Campusfest wollen wir wieder feiern, vielleicht im Zwei- oder Dreijahres-Rhythmus. Es ist wunderbar angekommen. Der Hochhauslauf wird sicher wieder kommen. Im Landtag hatten wir den ersten Zukunftskongress, wo wir zeigen konnten, was unsere Forscher für die Zukunft der Gesellschaft leisten. Die „kieler uni live“ zur Kieler Woche oder die Night of the Profs sind feste Termine für uns und werden auch weiterhin angeboten.

Was lief denn nicht so gut?

Der Besucherandrang beim Campus-Fest mitten im Semester am Freitagnachmittag vor Pfingsten war nicht so groß wie erwartet. Wir müssen auch aufpassen, dass der Termin nicht zu nah an dem von „kieler uni live“ liegt, da es sich oft um dieselben Mitwirkenden handelt. Die Kinder-Universität oder die Night of the Profs zeigen aber, wie begeistert die Besucher von Klein bis Groß über verständlich aufbereitete Wissenschaft sind. Wir sind deutlich bekannter geworden und näher an die Stadt herangerückt.

Liegt es nur an der Randlage, dass die Universität, wie ein Spruch in Kiel sagt, keine Universitätsstadt, sondern nur eine Stadt mit einer Universität ist?

Die Randlage ist sicher ein wichtiger Grund dafür. Gehen Sie nach Göttingen und fragen die Passanten in der Innenstadt, wo die Universität ist. Dort liegt sie nur wenige Meter mittendrin in der Stadt. Stellen Sie die Frage in der Holstenstraße, werden Sie vielleicht die Antwort bekommen, welche Universität? Das ist mit dem Jubiläum deutlich besser geworden. In der Nähe der Universität haben sich kleine Läden und Kneipen entwickelt. Was ich aber immer noch nicht geschafft habe, ist, den Oberbürgermeister davon zu überzeugen, auf die Ortseingangsschilder Hochschulstadt Kiel schreiben zu lassen. Die Stadt hat uns aber im Jubiläumsjahr unglaublich unterstützt, durch Räume etwa oder durch das Anlegen von Beeten in Lila und Weiß. Das Verhältnis zur Stadt hat sich weiter intensiviert.

Bekanntheitsgrad stärken, eine Leistungsschau bieten, aber auch sich der eigenen Geschichte stellen: Diese Ziele wollten Sie erreichen, indem die NS-Zeit an der CAU in den Fokus rückt. Was haben Sie erreicht?

Das Präsidium hat gerade erst beschlossen, das Kieler Gelehrtenverzeichnis sechs Jahre lang als Projekt mit dem Schwerpunkt Nationalsozialismus fortzuführen. Der Regionalhistoriker Prof. Oliver Auge wird personell unterstützt, die Geschichte der Kieler Professorenschaft aufzuarbeiten. Das ist bisher noch zu wenig passiert. Wir bekommen auch immer wieder Anfragen zur Einordnung von Wissenschaftlern. Dabei sollten wir auskunftsfähig sein über die Haltung unserer früheren Professoren.

Was haben Sie für einen Wunsch für das Jahr nach dem Jubiläum?

Ich wünsche mir, dass wir die Verbundenheit zur Gesellschaft, die wir gewonnen haben, auch halten können. Wir konnten zeigen, dass wir für die Zukunftsentwicklung des Landes forschen. Wir wünschen uns die politische Unterstützung des Landes, um die Weichen für die nächste Phase der Exzellenzinitiative zu stellen, und gemeinsam mit allen Hochschulen den Schwerpunkt Energiewende aufbauen und Fördermittel beantragen zu können. Zum Glück haben wir deutlich mehr Mittel für die Grundfinanzierung bekommen, so dass wir etwa 200 zusätzliche Stellen für die Lehre einrichten und zusätzliche Studienplätze für den doppelten Abiturjahrgang schaffen können. Ein Großprojekt werden auch unsere Gebäude sein, die für 14000 Studierende ausgelegt sind und ab nächstem Jahr nach und nach saniert werden.


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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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