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Ringen um das Goldstück

MFG-5-Areal Ringen um das Goldstück

Frust und Hoffnung, Wut und Euphorie – zwei Themen sorgten am Dienstagabend für Emotionen in Holtenau. Die beiden Ortsbeiräte Holtenau und Pries/Friedrichsort sollten in einer gemeinsamen Sitzung über die Planungen der Stadt zum Gelände des Marinefliegergeschwaders 5 (MFG 5) abstimmen.

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Wohnen und Gewerbe am Wasser: Die Entwicklung des MFG-5-Geländes gilt als ein Schlüsselprojekt in der Landeshauptstadt.

Quelle: Frank Behling

Kiel. Zudem standen die Ausbauprobleme in der Strandstraße in Holtenau auf der Tagesordnung.

 Die Stimmung bei den knapp 100 Bürgern, die zu der Doppelsitzung erschienen waren, konnte unterschiedlicher nicht sein. Bei einigen herrschte euphorische Vorfreude auf den neuen Stadtteil, bei anderen tiefe Skepsis. Bürgermeister Peter Todeskino (Grüne) gab gleich zu Beginn einen Überblick über die Zukunftsplanungen fürs MFG-5-Gelände. Im Süden sollen etwa 1200 Wohnungen entstehen, dann käme ein 12,5 Hektar großes Mischgebiet und im Norden sei eine 15,2 Hektar große reine Gewerbezone geplant. Ein Schätzgutachten gehe von Kosten in Höhe von 87,5 Millionen Euro aus, wovon die Stadt Kiel rund 26 Millionen Euro zu schultern habe, so Todeskino.

 „Das MFG-5-Gelände ist ein Goldstück. Das dürfen wir uns nicht durch Hafenwirtschaft kaputt machen lassen“, meldete sich der Holtenauer Claus Hadler zu Wort. Mit Schrecken hätten viele die Kritik der Industrie- und Handelskammer (IHK) in dieser Zeitung gelesen. IHK-Präsident Klaus-Hinrich Vater hatte der Stadt vorgeworfen, industriefeindlich zu planen. Hauptkritikpunkt ist die Verlegung des Tonnenhofes der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) in den Plüschowhafen, was maritimer Industrie den Zugang zum Wasser verbaue. „Wir sind heilfroh, dass die WSV mit der Verlegung einverstanden ist. Die könnten auch auf stur stellen und am bisherigen Standort bleiben. Dann wäre im Süden des Geländes keine Wohnbebauung möglich“, so Todeskino.

 Wann Baubeginn sei, wollte eine Zuhörerin wissen. „Vor 2020/21 werden die ersten Häuser wohl nicht stehen“, so Todeskino. „Wir brauchen mindestens zwei Jahre, um Planungsrecht zu schaffen. Dann können wir erst mit den Ausschreibungen für den Straßenbau beginnen.“ Ob dann das Asylantenquartier bis 2020 bleibe, fragte ein Bürger. „Wir wollen das Quartier so schnell wie möglich auflösen“, sagte Peter Todeskino. „Dazu müssen wir in absehbarer Zeit ordentlichen Wohnraum bauen, auch nach dem Kieler Modell.“ Warum das Gelände der Lindenauwerft nicht in die Planungen mit einbezogen werde? „Leider ist dort die Kaikante marode. Da wären große Summen nötig, um das wieder hinzubekommen“, stellte der Bürgermeister klar.

 Eine Bürgerin wies auf die Besucherströme seit Öffnung des Geländes hin. „Das Wort Naherholungsgebiet kommt mir bei Ihnen zu kurz“, kritisierte sie. „Wenn ich als grüner Bürgermeister diesen Aspekt nicht sehen würde, wäre ich am falschen Platz“, antwortete Todeskino. Bei der anschließenden Abstimmung nickten beide Ortsbeiräte mit einer Gegenstimme aus Pries/Friedrichsort die Planungsabsichten der Stadt für das MFG-5-Gelände ab. Das sei eine große Chance für Kiel. Endlich würden die beiden Ortsteile zusammenwachsen, hieß es.

 Beim Thema Strandstraße ging es weniger einvernehmlich zu. Seit Jahren warten die Bewohner der Wohnanlage Fördeterrassen auf den Ausbau ihrer Straße. „Die zuständige Firma ist noch nicht insolvent, steckt aber in finanziellen Schwierigkeiten. Jetzt werden wir versuchen, die Straße fertig zu bauen“, so der Kieler Bürgermeister. Die Maßnahme würde 500000 Euro kosten. 173000 Euro kämen aus der Bürgschaft des Erschließungsträgers. Zudem müssten sich die Anwohner mit Ausbaubeiträgen beteiligen. Eine Aussage, die im Saal für gewaltigen Unmut sorgte. „Wir sind verpflichtet, Beiträge zu erheben“, schob Peter Todeskino erklärend hinterher, „sonst machen wir uns der Untreue strafbar.“ Das Insolvenzrisiko trage immer der Eigentümer, nicht die Stadt.

 „Hätte die Stadt den Vertrag mit der Firma durchgesetzt, die unsere Straße schon 2010 fertig bauen sollte, dann hätten wir jetzt nicht das Problem“, kritisierte ein Strandstraßen-Bewohner. „Das ist eine Unverfrorenheit, uns jetzt die Zusatzkosten aufzudrücken. Die Erschließungskosten waren schon Bestandteil unseres Kaufpreises.“ Ein weiterer Bewohner meldete sich erbost zu Wort: „Ich fühle mich arglistig getäuscht.“ Von groben Pflichtverletzungen von Seiten der Stadt war die Rede. Denn bereits 2008 sei eine Steinmetzfirma vor Ort gewesen, aber von der Stadt gestoppt worden, weil noch ein Landschaftsarchitekt eingebunden werden sollte, wurde kritisiert. Todeskino: „Unsere Juristen werden den Fall prüfen. Erstmal ist aber wichtig, dass wir die Straße gebaut kriegen.“ Für viele nahm die Sitzung ein unbefriedigendes Ende. Etliche Anwohner kündigten an, sich einen Anwalt zu nehmen.

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Ein Artikel von
Kristiane Backheuer
Lokalredaktion Kiel/SH

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