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Ein Sahnestück für die Stadtplaner

MFG-5-Gelände Ein Sahnestück für die Stadtplaner

Seit einem Jahr ist das ehemals rein militärisch genutzte MFG-5-Gelände zwischen Kiel-Holtenau und Friedrichsort wieder geöffnet. Auf einem Rundgang zeigen sich die Chancen für die Zukunft dieses Areals. Der Spatenstich wird aber frühestens 2020 erfolgen.

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Unmittelbar am Wasser gelegen mit vielen Grünflächen: Aus Sicht von Stadtplanern ist das 80 Hektar große ehemalige Marineflieger-Areal ein Glücksfall.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Konstanze Meißner steckt den Schlüssel in das Schloss. Das Tor klemmt, die 41-Jährige rüttelt daran und drückt es auf. Hinter dem Zaun liegt ein Wald. Meißner geht zügig den Weg entlang, Äste knacken unter ihren Füßen, ab und zu muss sie sich unter einem Zweig wegducken oder über eine Brombeerranke steigen. Aber die zierliche Frau kennt den Weg. Sie ist hier schon oft entlanggegangen oder hatte den Plan des Geländes auf ihrem Schreibtisch liegen.

 „Das ist das Tolle an dem Gebiet: diese Vielfalt“, sagt Konstanze Meißner. Den Wald hat sie inzwischen im Rücken und schaut auf das alte Backsteingebäude vor sich, dahinter ist die Förde zu erkennen. „Das alles ist ja nicht gerade das, was man sich unter einem ehemaligen Militärgelände vorstellt“, sagt Meißner. Die 41-Jährige ist Mitarbeiterin des Stadtplanungsamtes und Projektleiterin für die Umgestaltung des MFG-5-Geländes. Beim Rundgang über das ehemalige Areal des Marinefliegergeschwaders merkt man ihr die Begeisterung über die rund 80 Hektar große Fläche in Kiels Norden an. „Aus stadtplanerischer Sicht ist das ein Sahnestück“, sagt sie lachend.

 Vor gut drei Jahren haben sich die Marineflieger aus Kiel-Holtenau zurückgezogen. Im August 2014 öffnete die Stadt das Gelände für die Öffentlichkeit und stellte so die Verbindung zwischen Friedrichsort und Holtenau entlang der Förde wieder her. Aber schon seit 2008, kurz nach Bekanntwerden der Abzugspläne, macht sich die Verwaltung der Landeshauptstadt Gedanken um die Nachnutzung des Geländes. „Das ist eine einmalige Chance, eine so große Fläche direkt am Wasser zu entwickeln“, sagt Meißner. Solche Flächen seien zuvor dem Militär oder Häfen vorbehalten gewesen. Nach den Plänen der Stadt soll auf dem Gebiet ein urbanes Mischquartier entstehen, rund 1400 Wohnungen und Gewerbeeinheiten direkt an der Förde. „Die Identität der Fläche soll erhalten bleiben. Das ist das Spannende an der Aufgabe“, sagt Meißner.

 Zwischen Flugplatz Holtenau und Plüschowhafen sollen die Gewerbeflächen entstehen. „Wegen der Lärmemission des Flughafens ist hier ausschließlich die Ansiedlung von Gewerbe möglich“, sagt Meißner. Im Südosten des Geländes sollen Wohnungen gebaut werden, in unmittelbarer Nähe zum Wasser. Zuvor muss allerdings der Tonnenhof, der derzeit hier ansässig ist, verlegt werden. „Die Arbeiten auf dem Tonnenhof sind mit viel Lärm verbunden, zu viel für ein Wohngebiet“, erläutert Meißner. Der vom Wasser- und Schifffahrtsamt Holtenau betriebene Gewerbehof, der die Tonnen zur Markierung der Wasserwege verteilt und wartet, soll ebenfalls an den Plüschowhafen ziehen. Auch Bürogebäude, Cafés und kleinere Geschäfte sollen sich nach den Vorstellungen der Stadtplaner auf dem Gebiet ansiedeln.

Gebäude stehen unter Denkmalschutz

 „Das Waldgebiet rund um das ehemalige Offiziersheim soll als Naherholungsgebiet erhalten bleiben“, erklärt Meißner. Viele Gebäude, die auf dem Gelände stehen, dürfen nicht abgerissen werden, sie stehen unter Denkmalschutz. „Der Erhalt der Gebäude und der Grünflächen sind die Bedingungen für den städtebaulichen Wettbewerb.“

 EU-weit plant die Stadt einen Wettbewerb für die Gestaltung des Geländes auszuschreiben. Voraussichtlich Ende 2017 soll dieser dann beendet sein. Danach werden die Planungen in der Verwaltung in die nächste Runde gehen. Mit einem Spatenstich auf dem MFG-5-Gelände ist folglich nicht vor 2020 zu rechnen.

 „Wir haben hier die Chance, all unsere Werte zu verwirklichen in Bezug auf Klimagerechtigkeit, Energiegerechtigkeit und auch sozialer Gerechtigkeit“, sagt Konstanze Meißner. Im Wettbewerb werde großer Wert auf die Verwirklichung der Klimaschutzziele der Stadt und eine energieeffiziente Bauweise gelegt. Außerdem werden 30 Prozent des hier geschaffenen Wohnraums sozialer Wohnungsbau sein. Um die Pläne auf dem ehemaligen Marineflieger-Gelände umsetzen zu können, erhält die Stadt Fördermittel aus dem Städtebauförderprogramm des Bundes in Höhe von rund 27 Millionen Euro.„Das Gelände wird Kiels neue Visitenkarte. Es gehört zu den ersten Dingen, die Ankommende vom Wasser von Kiel sehen werden“, sagt Meißner. Man merkt ihr an, dass sie sich schon darauf freut.

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Ein Artikel von
Anne-Kathrin Steinmetz
Lokalredaktion Kiel/SH

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