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Kiels „Zukunft am Wasser“ kann beginnen

Wogen geglättet Kiels „Zukunft am Wasser“ kann beginnen

Das Wort „Historische Chance“ fiel von allen Seiten: Als alle 37 Mitglieder des Bau-, Wirtschafts- und Finanzausschusses einmütig ihre Karten zum Zeichen der Zustimmung hoben, stellten sie damit die Weichen für die Entwicklung des ehemaligen Marinefliegergeschwaders (MFG) 5.

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Die Wogen um das MFG-5-Gelände sind geglättet.

Quelle: Frank Behling

Kiel. Kiels „Zukunft am Wasser“, so lautet der Titel der Sanierungsmaßnahme, kann damit beginnen. Die Zustimmung im Rat am 21. April gilt als sicher.

 Dabei sah es nach dem Streit Anfang der Woche nicht nach einer solchen Harmonie aus. Industrie- und Handelskammer und Deutscher Gewerkschaftsbund hatten Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) und Bürgermeister Peter Todeskino (Grüne) heftig kritisiert, da sie nach der Verlegung des Tonnenhofs den Zugang zum Wasser für Gewerbe verhindert sahen. Kämpfer gelang es, in Gesprächen mit IHK und DGB die Wogen zu glätten. Man werde sich die Option einer Vorratsplanung für eine gewerbliche Umschlagfläche offenhalten, um zu reagieren, wenn Investoren die Kaikante brauchten. Auf Drängen der CDU wurde dies ins Protokoll der Vorlage aufgenommen – ebenso wie das Bekenntnis zur Mischnutzung Wohnen, Gewerbe, aber auch Dienstleitung, Sport und Freizeit. Todeskino erinnerte an die Geschichte des Projekts, das 2008 mit ersten Ideen, wie auf dem 80 Hektar großen Areal ein neuer Stadtteil entstehen könnte, begann.

 Die vorbereitenden Untersuchungen, die in diesem Jahr erfolgten, sind Voraussetzung dafür, dass die Stadt Fördermittel für das „Jahrhundertprojekt“ beantragen kann. „Wir brauchen richtig viel Geld, um die Fläche urbar zu machen“, sagte Todeskino. Von den bis zum Jahr 2020 geschätzten Ausgaben von 87,5 Millionen Euro erhofft die Stadt, Einnahmen von 44,1 Millionen Euro abziehen zu können. Durch Städtebau-Fördermittel könnte die riesige Finanzierungslücke zwar schrumpfen, doch am Ende muss die Stadt nach Todeskinos Angaben noch 26 Millionen Euro an Erschließungskosten allein schultern. Das sei aber notwendig im Sinne der „Daseinsvorsorge für Wohnen und Arbeitsplätze“, verwies er auf die Eckdaten: Im Süden sollen 1200 Wohnungen entstehen, sich im Norden eine 15,2 Hektar große reine Gewerbezone anschließen und dazwischen ein 12,5 Hektar großes Mischgebiet.

Kämpfer entwarf die Vision von Kiel des 21. Jahrhunderts. Ähnlich erging es auch den Politikern, die zudem das Zusammenrücken von Friedrichsort und Holtenau nach jahrzehntelanger Trennung feierten. Ob André Wilkens (SPD), Lutz Oschmann (Grüne), Sven Seele (SSW), Christina Musculus-Stahnke (FDP) oder Wolfgang Homeyer (CDU) – sie alle freuten sich über die Jahrhundertchance, einen ganz neuen, gut angeschlossenen Stadtteil am Wasser entwickeln zu können. Zustimmung kam auch von dem Linken Marco Höne. Nur als er „schöner Wohnen ohne den Flughafen“ forderte und Applaus von einigen Grünen erhielt, gab es einen Riss im Bild der Harmonie.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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Rat Kiel
Foto: Nach Abzug der Marineflieger stellte die Stadt an der frei gegebenen Verbindung zwischen Friedrichsort und Holtenau Info-Tafeln über ihre Entwicklungspläne auf. Der Rat verabschiedete jetzt die Vorlage zur Sanierung des 80 Hektar großen Geländes.

Das „Kieler Modell“ soll den Bürgern mehr Macht verschaffen. Bei nur einer Gegenstimme passierte der Verwaltungsvorschlag, Mitbestimmungsleitlinien in der Kommunalpolitik zu entwickeln, die Ratsversammlung. Auch die Sanierung des MFG-5-Geländes traf auf große Gegenliebe

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