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Jugendamt: Haben viel Energie reingesteckt

Mädchen-Gang vom Hauptbahnhof Jugendamt: Haben viel Energie reingesteckt

Wochenlang randalierte eine Mädchen-Gang am Hauptbahnhof Kiel. Jugendamtsleiterin Marion Muerköster weist im Interview mit den Kieler Nachrichten die Kritik des Vaters zurück.

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 Marion Muerköster, Leiterin des Kieler Jugendamts.

Quelle: hfr

Jennifers Vater schildert, wie ihm seine Tochter entgleist ist. Er beschuldigt das Jugendamt, ihn nicht genügend unterstützt zu haben. Trifft das zu?

Wir betreuen das Mädchen seit zwei Jahren und sind in engem Kontakt. Es gibt kaum eine Familie, in die wir so viel Energie gesteckt haben. Dennoch haben wir Verständnis für den Vater: Er ist in großer Sorge, er ist ratlos und verzweifelt; daher fühlt er sich vielleicht auch allein gelassen. Wir schätzen die Zusammenarbeit mit ihm als offen ein. Es ist im Sinne des Kindes, dass es so bleibt.

Welche Probleme stecken hinter dem Verhalten des Mädchens?

Aus Datenschutzgründen dürfen wir uns gar nicht zu dem Fall äußern. Fakt ist aber, dass sich Probleme in der Pubertät verstärken können.

Was haben Sie unternommen?

Wir haben gemeinsam ein Konzept erarbeitet. Die Familie wird ständig durch Sozialarbeiter eines Jugendhilfeträgers und Mitarbeiter des Jugendamtes betreut. Jennifer war schon in mehreren stationären Einrichtungen, aus denen sie weggelaufen ist. Daher haben wir Unterstützungen zu Hause organisiert; aber leider hat sich die Situation dadurch auch nicht verbessert. Letztlich haben wir uns auf die schwierige Suche nach einer speziellen stationären Einrichtung begeben und haben jetzt eine in Aussicht.

Ein Kritikpunkt des Vaters betrifft die Schulsituation.

Wir werden mit der jetzt angestrebten Unterbringung auch einen Schulbesuch ermöglichen. Es hätte keinen Sinn gemacht, eine Schule zu suchen, wenn sie bald den Wohnort wechselt.

Was ist mit Jennifers Freundinnen aus der Mädchen-Gang?

Wir sind uns mit der Polizei einig, dass es sich um keine Mädchen-Gang handelt. Es sind immer zwei, drei Mädchen, die lose unterwegs sind, und die wir alle betreuen. Eine Anführerin ist nicht wahrzunehmen.

Wie viele Jugendliche wie Jennifer betreuen Sie in Kiel?

Alle Jugendlichen, die wir betreuen, bringen ihre individuellen Schwierigkeiten mit. Jennifer zeigt allerdings außergewöhnlich auffälliges Verhalten. Sie sucht eine „Bühne“. Die Konfrontation mit der Polizei ist dabei eine Art Kontaktaufnahme. Dennoch wissen wir, dass sie genügend Ressourcen hat, die Schwierigkeiten zu überwinden. Insgesamt betreuen wir zurzeit 1000 Kinder im Alter von Null bis 18 Jahren. Oft wenden sich die Eltern an uns, weil sie Sorge haben, ihrem Kind nicht gerecht zu werden.

Gerade in der Pubertät beobachten ja viele Eltern extremes Verhalten bei ihren Kindern. Wann sollten Sie bei Ihnen um Hilfe fragen?

Es gibt ein paar Hinweise: Das Kind geht nicht mehr regelmäßig zur Schule, es ritzt sich, trinkt übermäßig Alkohol oder nimmt Drogen. Aber auch schon bevor es dazu kommt, sollten sich besorgte Eltern Rat holen. Das kann im Jugendamt sein oder bei anderen Beratungsstellen. Infos gibt es unter www.kiel.de/Jugendliche  im Bereich „Hilfe und Schutz für Kinder und Jugendliche".

Interview: Karen Schwenke

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Mädchen-Gang am Hauptbahnhof
Foto: Polizeioberkommissar Stefan Bildt (re.) und Kommissaranwärter Lukas Michaelsen von der Bundespolizei im Kieler Bahnhof.

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