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Ein Schiff ohne Kindheit?

Mahé Ein Schiff ohne Kindheit?

Manchmal ist die Welt ganz klein. Plötzlich steht Leonard Fisher aus Australien bei uns in der Redaktion. Er hat sich auf den weiten Weg in den kalten Norden gemacht, um etwas mehr über sein Segelschiff „Mahé“ zu erfahren. Rund 100 Jahre ist es alt, 20 Meter ist es lang, und es soll einst in Kiel gebaut worden sein.

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Zwei Jahre lang arbeitete Leonard Fisher an der Restaurierung der „Mahé“. Im Hafen von Hobart, Tasmanien, ist sie ein wunderschöner Hingucker.

Quelle: Leonhard Fisher

Kiel. Der letztere Punkt ließ dem 65-Jährigen keine Ruhe. Also buchte er einen Flug und hofft nun über unsere Zeitung, Kieler zu finden, die ihm mehr über den Stammbaum seines Bootes erzählen können.

Rund 16560 Kilometer Luftlinie liegen zwischen Kiel und Hobart, der Hauptstadt der australischen Insel Tasmanien. Dort liegt das Segelschiff von Leonard Fisher. Die „Mahé“ kennt fast alle Meere dieser Welt. Der schöne Zweimaster wiegt rund 40 Tonnen, da sein Rumpf aus Eisen ist. „Es ist auf eine seltene Art genietet“, erzählt Leonard Fisher auf Englisch. „Eine Art, die auch die Arbeiter beim Rüstungshersteller Krupp beherrschten.“ Eine weitere Spur führte den gelernten Bootsbauer zu Generaladmiral Erich Raeder, der 1960 in Kiel starb. Ab 1935 war der gebürtige Hamburger der Oberbefehlshaber von Hitlers Kriegsmarine. „Ich habe Hinweise darauf, dass Raeder in seiner früheren Karriere die ,Mahé’ als Segelschulschiff genutzt hat. Vielleicht wurde sie auch bei Vorkriegsrennen zwischen Deutschen, Briten und Amerikanern eingesetzt, um die Besatzungen zu trainieren.“ Einst soll sie beim Kieler Yacht-Club gelegen haben, doch auch da konnte man dem Australier bisher nicht weiterhelfen.

Nach dem Krieg aus Kiel abgefahren

„Nach dem Krieg wurden viele Yachten aus Kiel von den Briten als Kriegspreis genommen“, sagt Leonard Fisher. Und in England findet sich auch die nächste Spur. 1976 kaufte ein britisches Ehepaar, Peter und Mary See, das Schiff im West-Country-Hafen von Penzance in Cornwall. Da war die „Mahé“ schon ziemlich heruntergekommen. Das Paar baute den Gaffelschoner zu einer sogenannten Ketsch um und machte sich auf zu einer Weltreise auf den Spuren von Captain James Cook. Die beiden segelten über die Kanarischen Inseln und das Kap der Guten Hoffnung bis nach Australien. „Doch auf halber Strecke erlitt der Mann einen Herzinfarkt und starb“, berichtet Fisher.

Ein Sammler in Australien, ein Seeschnecken-Taucher, habe das Schiff gekauft. Er ließ dann jedoch in seinem Garten verrotten – sieben Jahre lang, bis Fisher es 1993 durch einen Zufall entdeckte und sich sofort in die „Mahé“ verliebte. „Als Bootsbauer sah ich das Potenzial in ihr“, erzählt er. 65000 Euro zahlte er. Weitere zigtausend Euro steckte er in die Restaurierung. Auch Witwe Mary See konnte er noch Kontakt aufnehmen, bevor auch sie starb. „Leider wusste sie nichts über die Geschichte des Schiffes vor 1976.“

Einzigartigkeit der "Mahé"

Dennoch blieb seine Liebe zur „Mahé“ ungebrochen: „Wie sie gebaut ist, ist einzigartig. Da steckt so viel Können drin“, schwärmt Fisher. Zwei Jahre brauchte er, bis sie in neuem Glanz erstrahlte. Nun lebt er Tag und Nacht auf der eleganten Schönheit. Anfangs noch mit seinen Kindern Melissa und Tarn, die inzwischen aber ihre eigenen Wege gehen.

In sternenklaren Nächten fängt er jetzt oft das Grübeln an. „Die dunklen Flecken in der Vergangenheit meines Schiffes lassen mich einfach nicht los“, sagt er. Wurde die „Mahé“ wirklich in Deutschland gebaut? Hat sie Admiral Raeder gehört? Wer hat beim Bau mitgewirkt?

Kurz nach unserem Gespräch startet Leonard Fisher wieder in Richtung Heimat. Eine Woche zuvor hatte er noch einen Zwischenstopp in England eingelegt – Spurensuche in Penzance und beim Britischen Yacht-Club. „Doch da wurde ich mit meinem Anliegen gar nicht ernst genommen. Da zählen nur moderne Boote mit Plastikrumpf.“

Aber vielleicht können nun die Kieler helfen. Wer mehr zur „Mahé“ weiß, kann sich an unsere Zeitung wenden, per E-Mail an lokalredaktion@kieler-nachrichten.de

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Ein Artikel von
Kristiane Backheuer
Lokalredaktion Kiel/SH

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