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„Ihr erarbeitet den Wohlstand“

Mai-Kundgebung in Kiel „Ihr erarbeitet den Wohlstand“

Zur traditionellen Maikundgebung kamen in Kiel am Freitag etwa 1500 Teilnehmer zusammen. Gemeinsam gingen sie am 125. Tag der Arbeit für bessere Arbeitsbedingungen und gerechtere Löhne auf die Straße. Angeführt wurde der Demonstrationszug von Gewerkschaftsfunktionären, Oberbürgermeister Ulf Kämpfer und Ministerpräsident Torsten Albig (beide SPD).

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1500 Menschen zogen am Freitag durch Kiel. Neben Gewerkschaftsfunktionären zeigten sich an der Spitze des Zuges auch OB Ulf Kämpfer und Ministerpräsident Torsten Albig (beide SPD).

Quelle: Frank Peter

Kiel. Vor dem Kieler Gewerkschaftshaus in der Legienstraße sprachen sich die Redner für die Stärkung der Arbeitnehmerrechte aus. „Der 125-jährige Kampf war nicht vergeblich“, sagte Ulf Kämpfer. „Aber er ist weiter bitter nötig.“ Der Kieler Oberbürgermeister kündigte an, bereits am kommenden Montag die laufende Initiative von Gewerkschaften und Wirtschaft zur Stärkung der Industriearbeitsplätze in der Region mit einer Gesprächsrunde fortzusetzen.

Unterdessen zeichneten die Gewerkschaften ein düsteres Bild des Kieler Arbeitsmarktes. In weiten Bereichen sei die Lage für Arbeiter und Angestellte dramatisch. Aktuell seien in der Landeshauptstadt 59 Prozent aller Arbeitsplätze in Minijobs, der Leiharbeit oder in Teilzeit zu finden. „Befristete Stellen kommen noch dazu“, unterstrich der Kieler DGB-Chef Frank Hornschuh. Daher auch sein Appell: „Die Gewerkschaftsbewegung bleibt unverzichtbar in diesen marktradikalen Zeiten. Der soziale Zusammenhalt steht auf Messers Schneide.“ Hornschuh erinnerte an die Anfänge der Arbeiterbewegung vor 125 Jahren in Amerika und daran, dass es zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts in Deutschland sehr gefährlich war, als Gewerkschaftler auf die Straßen zu gehen. Dies habe sich glücklicherweise geändert. „Ihr erarbeitet den Wohlstand. Ihr seid die Macher“, rief er den Teilnehmern zu.

 Hauptrednerin des Tages war Marlis Tepe, Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Sie forderte eine bessere Bezahlung der Erzieherinnen. Dieser Beruf sei ein Knochenjob, sagte Tepe. Sämtliche Berufe im Sozial- und Erziehungsdienst müssten deshalb deutlich aufgewertet werden. Denn die gesellschaftlichen Erwartungen an diese Berufsgruppe seien enorm gewachsen. Die Arbeitgeber dürften nicht glauben, sie könnten Frauen mit viel weniger Geld und etwas mehr Anerkennung abspeisen, sagte die GEW-Chefin. Die Politik habe Milliardenpakete geschnürt, um Kitas zu bauen und den Rechtsanspruch auf Bildung und Betreuung für jedes Kind zu verwirklichen. „Aber sie hat eines vergessen: Unsere Kinder werden nicht von Beton, Stahl und Glas betreut.“ Die Rednerin bekräftigte die Streikbereitschaft vieler Betreuer. Schon in den kommenden Tagen drohen daher Schließungen von Kindergärten. In einem zähen Tarifkonflikt fordern die Gewerkschaften eine Höhergruppierung der Erzieherinnen. Nachdem sie die Verhandlungen nach fünf Runden für gescheitert erklärt hatten, stimmen die Mitglieder jetzt in einer Urabstimmung über unbefristete Streiks ab.

 Tepe richtete ihren Blick aber auch auf ein aktuelles Dilemma der Gewerkschaften. Trotz einer Rekordbeschäftigung von mehr als 40 Millionen Menschen in Deutschland zählten die Gewerkschaften nur noch etwas mehr als vier Millionen Mitglieder. „Wir müssen wieder mehr werden“, appellierte Tepe. „Das ist eine Aufgabe für uns alle in den Betrieben.“

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Ein Artikel von
Paul Wagner
Redaktion Lokales Kiel/SH

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