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Mammutprozess gegen Litauer-Bande beginnt

300 Straftaten Mammutprozess gegen Litauer-Bande beginnt

Gut zwei Monate nach dem Urteil gegen die Juwelenräuber beginnt vor dem Landgericht Kiel ein weiterer Mammutprozess. Erneut wird das Verfahren wegen seines Umfangs in Schleswig verhandelt. Die neun Angeklagten aus Litauen sollen für über 300 Straftaten in mehreren Bundesländern verantwortlich sein.

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Die Bande soll Autos, Navigationsgeräte, Schmuck und Wertgegenstände im Wert von mehreren 100000 Euro erbeutet haben.

Quelle: dpa

Kiel. Seit Dezember 2013 soll die international agierende Bande Autos, Navigationsgeräte, Schmuck und Wertgegenstände im Wert von mehreren 100000 Euro erbeutet haben.

 Im Oktober 2015 schnappte die Falle zu: Im Rahmen einer von langer Hand geplanten Razzia wurde die Bande gesprengt, die Verdächtigen festgenommen. Ein großer Erfolg für die Fahnder – niemals zuvor hatten Kripo, Staatsanwaltschaften und Bundespolizei länderübergreifend so eng zusammengearbeitet. Mehr als 150 deutsche und 30 litauische Polizisten waren an der Aufklärung der Serie beteiligt. Federführend: Ermittler der Polizei in Norderstedt und eine Kieler Staatsanwältin. „Die Kollegin hatte den Biss und die Beharrlichkeit, die dieses Riesenverfahren erforderlich machte“, sagt der Kieler Oberstaatsanwalt Axel Bieler. Dass der Prozess überhaupt in Schleswig-Holstein stattfindet, sei angesichts der Dimensionen nicht selbstverständlich: „Die meisten Taten sind außerhalb des Landes begangen worden, insgesamt waren elf Bundesländer betroffen. Es wäre allerdings nicht zielführend gewesen, das Verfahren zu zerhacken und auf verschiedene Gerichte aufzusplittern“, so Bieler.

Ermittler sammelten Hinweise

 Und so wird der „gemischten Bande von Erlangungs- und Verwertungstätern“ der Prozess in Schleswig-Holstein gemacht – dort, wo die Diebestour begonnen hat. „Ausgangspunkt waren im Herbst 2013 Wohnungseinbruchsdiebstähle und Fahrzeugaufbrüche im Bereich der Kripo Norderstedt“, sagt Bieler. Den Ermittlern gelang es, erste Hinweise auf litauische Verdächtige zu sammeln. Ein gestohlenes Handy brachte sie auf die Spur eines 36-Jährigen, möglicherweise der Chef der Bande. Ihm gefiel ein bei einem Einbruch in Henstedt-Ulzburg entwendetes Smartphone so gut, dass er es behalten hatte. Die Ermittler orteten das Handy und konnten Bewegungsprofile erstellen.

 Nach und nach setzte sich aus einzelnen Puzzleteilen ein immer größeres Bild zusammen: „Es konnte nachvollzogen werden, dass es sich um eine strukturierte Gruppierung handelt, die in wechselnder Beteiligung agierte“, berichtet der Oberstaatsanwalt. Demnach schlugen die Diebe nicht nur in Norderstedt zu: Die Gruppe reiste quer durch Deutschland – von Schleswig-Holstein nach Bremen, dann ins Ruhrgebiet bis nach Baden-Württemberg. Professionelle Transporteure schafften die Beute – zumeist hochwertige Fahrzeuge, Bargeld, Schmuck – nach Litauen. Die Bande soll sogar abgestellte Züge, auf denen Neuwagen für den Transport geladen waren, geplündert und wertvolle Fahrzeugteile wie Airbags und Navigationsgeräte gestohlen haben.

Sonderkommission "Sonnenuntergang" schlug 2015 zu

 Nach jahrelangen Ermittlungen schlug die Sonderkommission „Sonnenuntergang“ zu: Am 20. Oktober 2015 nahm die Polizei in vier Bundesländern und in Litauen zeitgleich mutmaßliche Bandenmitglieder fest, durchsuchte Wohnungen, stellte Diebesgut und Beweismaterial sicher. Jetzt startet der Prozess: Das Landgericht Kiel hat die Verhandlungen ins Oberlandesgericht nach Schleswig verlagern lassen. Dort ist mehr Platz, die Sicherheitsstandards sind höher. Wie viele Verhandlungstage notwendig werden, ist noch ungewiss. Allerdings haben laut Staatsanwaltschaft Kiel die Beschuldigten angekündigt, vor Gericht aussagen zu wollen. Die Angeklagten erwarten hohe Strafen: Allein ein 23-Jähriger soll für 109 Diebstähle verantwortlich sein. Zwei weiteren Männern werden mindestens 80 Straftaten vorgeworfen.

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