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Steuerberater muss über vier Jahre in Haft

Laboe Steuerberater muss über vier Jahre in Haft

Seine Mandanten kannten ihn seit Jahren und überwiesen zur Altersvorsorge Hunderttausende Euros. Doch ein Laboer Steuerberater stopfte mit ihrem Geld seine Konten. Jetzt muss er ins Gefängnis.

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Ein Steuerberater aus Laboe steht in Kiel vor Gericht. Er soll Mandantengelder veruntreut haben.

Quelle: Angelika Warmuth/dpa

Kiel. Er täuschte wohlhabende Mandanten, erschlich ihr Vertrauen und sechsstellige Beträge für angeblich sichere Geldanlagen: Wegen gewerbsmäßiger Untreue in neun besonders schweren Fällen hat das Kieler Landgericht den Steuerberater aus Laboe, der 2014 die DRK-Kindertagesstätte um 175000 Euro geprellt hatte, zu vier Jahren und drei Monaten Freiheitsstrafe verurteilt.

Wegen Fluchtgefahr bleibt der 59-jährige Angeklagte, der eine Millionensumme in Risikogeschäfte mit teuren Sportwagen, bevorzugt der Marke Porsche, investierte, wegen Fluchtgefahr in Haft. Seine Ehefrau und Mitarbeiterin im Steuerbüro wurde am Dienstag wegen besonders schwerer Untreue in drei Fällen zu einem Jahr und zwei Monaten auf Bewährung verurteilt.

Die nicht vorbestrafte 47-Jährige habe auf Veranlassung ihres Mannes das Konto der Kita abgeräumt, deren Finanzen das Steuerbüro seit Jahren verwaltete, so das Urteil. Das wahre Ausmaß der wirtschaftlichen Schieflage habe die Frau erst spät erkannt. Laut Anklage hatte der Steuerberater seit 2008 hohe Summen von Mandanten erschlichen – insgesamt rund 2,3 Millionen Euro.

Den Geldgebern ging es vor allem um eine sichere Altersversorgung. Ihnen spiegelte der Berater konservative Geldanlagen mit einer Rendite zwischen 5,5 und 6 Prozent vor. Entgegen der Zusage kaufte er Liebhaberfahrzeuge, importierte hochwertige Autos aus den USA. Forderungen von Gläubigern konterte er später mit dem Hinweis, die GmbH „America & German Classical Cars“ gehöre seiner Frau.

Zwar war die Mutter von drei Kindern auf dem Papier als Geschäftsführerin gemeldet, faktisch führte aber er die Geschäfte, stellte der Vorsitzende Ulrich Lürssen fest. Einer der Autokäufer überwies vor zwei Jahren 184000 Euro für drei Porsche, die jedoch einer Bank gehörten. Von seinem Geld sah der Zeuge bis heute keinen Cent.

Am Ende belief sich der Gesamtschaden auf 1,7 Millionen Euro, so das Urteil. Weil das Strafmaß einem „Deal“ entsprach und die Angeklagten als Gegenleistung die Vorwürfe in knappen schriftlichen Erklärungen einräumten, blieben Motive und Hintergründe der Machenschaften weitgehend im Dunkeln.

„Die üblichen Wohlstandzeichen – Auto, Wohnmobil, Boot – alles war da“, skizzierte ein Verteidiger die komfortable Ausgangslage der Steuerkanzlei des Angeklagten. Die habe außerordentlich hohe Umsätze gemacht. Warum genügte dem Autosammler und ehemaligen Hobby-Rennfahrer das alles nicht?

„Steuerberater sind vielfach immer noch schlicht und einfach unsexy“, erklärt Marketing-Experte Jon Christoph Berndt im offiziellen Verbandsblatt der Schleswig-Holsteinischen Steuerberater. In derselben Ausgabe (2/2012), die den Angeklagten als neues Mitglied begrüßt, ruft der Autor zu Maßnahmen gegen das „Image-Desaster“ der „Low Interest Branche“ auf.

Der Rat des Fachmannes an die angeblich allzu graumäusig und gramgebückt daherkommende Zunft der Steuerberater: „Machen Sie sich attraktiv!“ Dazu gehöre vor allem ein imageträchtiges Auto. „Starke Marken“, schreibt Berndt weiter, „interessieren uns alle“.

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