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Eine Kieler Ära endet

Serie zum Marinearsenal Eine Kieler Ära endet

Die Uhr tickt: Am 31. Dezember endet offiziell die Ära des Marinearsenals der Bundeswehr in Kiel. Dann gibt es nach mehr als 150 Jahren für die deutsche Marine an der Ostsee keinen eigenständigen Instandsetzungsbetrieb mehr.

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Dieses Bild zeigt den Dockhafen mit allen Docks und Hebepontons in der ursprünglichen Zusammensetzung.

Quelle: Frank Behling

Kiel. Die Zeit der Docks endete mit dem Abtransport des letzten Schwimmdocks nach Tunesien – und damit auch die Geschichte des Dockhafens im Arsenal.

„Das waren noch Zeiten“, sagt Klaus-Peter Perschke und blättert in den alten Karteikarten. „Dock C“ steht auf der Holzkiste. Dabei geht es um das legendäre U-Bootdruckdock – jenes Bauwerk, in dem ganze U-Boote in einer Röhre unter Druck auf ihre Tauglichkeit getestet werden konnten. „Damit haben wir immer viel Arbeit gehabt“, sagt Perschke. Doch das war einmal. Das Druckdock wurde kurz nach der 1000. Dockung im Jahr 2011 ausgemustert und in die Türkei verkauft. Ein Neubau wurde aus Kostengründen gestrichen.

1979 war das noch anders. Damals fingen Perschke und sein Kollege Wolfgang Klebowski im Arsenal an. Klebowski kam aus dem U-Bootbau bei HDW. Perschke wechselte nach der Dienstzeit auf dem Zerstörer „Mölders“ in den Dockbetrieb. „Das war eine schöne und sehr fordernde Aufgabe“, sagt Klebowski. 35 Jahre lang arbeiteten die beiden zusammen. Perschke als Dockmeister, Klebowski als Bootsmann.

Die Feuerwehr für die Marine

Drei Schwimmdocks, diverse Hebepontons und ein Schwimmkran gehörten zum „Dockhafenbetrieb“. Die Männer um Klebowski und Perschke waren eine Art Feuerwehr für die Marine. Immer dann, wenn ein Minensucher, Schnellboot oder Tender einen Schaden im Unterwasserbereich hatte, musste der Dockbetrieb helfen. Die drei Docks waren stets gut gefüllt. 50 bis 60 Dockungen gab es zum Teil pro Dock und Jahr.

Sogar die „Gorch Fock“ hat das Duo mehrmals gedockt. „Sicherheit wurde bei uns immer großgeschrieben“, sagt Perschke. „Deshalb ist bei uns auch nie ein Schiff im Dock umgekippt“, sagt Klebowski stolz. Schmunzeln müssen beide immer wieder über die Kompetenzfrage beim Eindocken. „Eigentlich hat an Bord ja der Kommandant das Sagen. Beim Eindocken ändert sich das aber. Wenn das Schiff oder ein Boot mit dem Bug im Dock ist, übernehmen wir das Kommando. Das war nicht immer jedem Kommandanten sofort klar“, erinnert sich Perschke. Die Verantwortung für die genaue Positionierung des Schiffes im Dock und die Ausrichtung der Pallen ist Sache der Dockmeister.

Nur noch ein Dock bleibt

Heute hat die Bundeswehr von den einst sechs eigenen Docks nur noch ein Dock in Wilhelmshaven. „Das war das Dock, das eigentlich von der Lindenau Werft für das Kieler Arsenal gebaut wurde“, erinnert sich Klebowski. Im Zuge der Bundeswehrreform wurde es aber nach Wilhelmshaven geschickt. Für alle anderen Dockungen muss die Marine jetzt in der Ostsee auf die Suche nach einer zivilen Werft gehen.

Mit den Docks endet auch für das Duo Perschke und Klebowski die gemeinsame Zeit. Klaus-Peter Perschke ist zwar seit einem Jahr im Ruhestand. Trotzdem hat er regelmäßig im Arsenal vorbeigeschaut. Für Wolfgang Klebowski ist die Bundeswehr-Ära mit seinem 65. Geburtstag im Januar endgültig vorbei. „Dann werden wir aber Kontakt halten. Wir haben so viel erlebt“, sagt Klebowski.

  • Am Sonnabend geht es in der Print-Ausgabe der Kieler Nachrichten um die Sehrohr-Werkstatt.

 

Aufgabe des Marinearsenals ist die Instandsetzung und technische Betreuung der Marineeinheiten in Deutschland und den Einsatzgebieten. Die Belegschaft der beiden Standorte Kiel und Wilhelmshaven besteht aus Arbeitern, Angestellten und Beamten, die meist als Techniker oder Ingenieure eingesetzt werden.

Es ist Teil des Bundesamtes für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) mit Sitz in Koblenz. Die früher als BWB bekannte Behörde vereint alle Aktivitäten der Rüstung des Verteidigungsministeriums. Zur Behörde gehört auch die Wehrtechnische Dienststelle 71 in Eckernförde. Sie wird künftig das Gelände des Kieler Marinearsenals betreiben.

Auf dem Kieler Gelände werden auch weiterhin Arbeiten für die Bundeswehr erfolgen. Das Spektrum reicht von militärischer Forschung bis zu Erprobung. Vom Arsenal in Kiel bleibt die Sehrohrwerkstatt für U-Boote bestehen. Mittelfristig sollen 400 bis 450 Menschen dort arbeiten. Der Arsenalhafen soll ebenfalls als Liegeplatz und Anlaufpunkt für Marineschiffe weiter genutzt werden.

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Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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