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Martin Rütter: Belehren gefällt keinem

Live-Programm „nachSITZen“ Martin Rütter: Belehren gefällt keinem

Er ist der selbsternannte Dogfather der Hundeerziehung und besitzt die „Kernkompetenz“ für die Vierbeiner. Doch, wer hört schon gerne auf den Lehrer? Zum Beispiel rund 5000 Zuschauer, die Martin Rütter in der Sparkassenarena in seinem Live-Programm „nachSITZen“ ließ.

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Nach der Show holte sich die elfjährige Ida bei Martin Rütter ein Autogramm.

Quelle: Karina Dreyer

Kiel. Auf der Bühne ist ein Klassenzimmer, mit übergroßen Schülern mit Fell und Schnauze am Tisch sitzend aufgebaut, beides Abbilder seiner eigenen Hunde. Für ihn steht an diesem Abend das Abc der Probleme mit dem Hund und häufige Fragen der Hundehalter auf dem Programm. Kaum ein anderer versteht es wie Rütter, Hunde so menschlich darzustellen, dass man als Hundehalter schnell begreift, welche tierischen Fehler sich doch bei der Erziehung eingeschlichen haben könnten. „Bei manchen Fehlern ist man selber zu stur sie zuzugeben, aber er macht es so gut, dass man über sich selber lachen kann. Auch, weil er seine eigenen Fehler offen zugibt“, beschreibt Milena Demuth aus Neustadt.

Denn eins mögen Hundehalter genauso wenig wie Eltern: in Sachen Erziehung belehrt zu werden. Und genau da setzt Rütter mit seinem Wissen aus 20 Jahren Hundetraining gekonnt an. Er führt „die größte Kieler Selbsthilfegruppe“ vor, ohne vorzuführen.

Ganz nebenbei bezieht er Stellung, lässt das Publikum wissen, dass er nichts von überteuerten Preisen bei Designerhunden wie Labradoodle (Labrador und Pudel) hält. „Die gab es früher auch schon, da hießen sie einfach Mischlinge“, sagt er. Auch mit vegetarischer Hundekost, verfeinert mit Kräutern de Provence, kann Rütter nichts anfangen: Hunde seien nun mal Fleischfresser. Auch „die Hirnkranken von Pegida“ bleiben nicht unerwähnt und dienen als Einleitung zum Thema Rasselisten.  Da müsse wohl eine Ministerin nach dem Verzehr einer Flasche Rotwein beschlossen haben, dass die Bordeaux-Dogge auf die Rasseliste kommt. „Kein Hund kommt problematisch zur Welt, die meisten Probleme sind erworben und menschengemacht“, betont er.

Rütter maßregelt mit Humor, „er hält den Haltern den Spiegel vor“, findet Sabine Scholz, die seine Shows auch im Fernsehen verfolgt und schon viel dabei gelernt hat.

Martin Rütters Stärke ist die Kunst, die Spielchen der Vierbeiner zu durchschauen und die Schwächen der Zweibeiner zu erkennen. Und so kann er sich nur wundern, dass Herrchen lieber seinen Rücken behandeln lässt, als seinem Hund beizubringen, nicht mehr wie wild an der Leine zu ziehen. Diese Halter erkenne er sofort im Schwimmbad: „Links ein Arm wie ein Zahnstocher, rechts wie Popeye“, beschreibt er. Die Lösung beschreibt er als einfach: Der Hund findet das so langweilig, dass er  nur weg will. Also heißt es, sich als Hundehalter interessant zu machen.

Und so geht jeder Hundehalter mit der Erkenntnis nach Hause: Es ist nur menschlich Hunde zu vermenschlichen, doch es gibt viele Wege den Hund einfach Hund sein zu lassen. eye

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