22 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Marzipan-Erpresser fordert von Coop Millionen

Hintergründe unklar Marzipan-Erpresser fordert von Coop Millionen

Ein Erpresser, der nach Informationen der Kieler Nachrichten von der Handelskette Coop mehrere Millionen Euro verlangt, verbreitet in Kiel Angst und Schrecken. Für seine Forderungen nutzt er stets die selbe E-Mail-Adresse. Die Hintergründe sind jedoch unklar.

Voriger Artikel
Sie machen Kiel bunter und schöner
Nächster Artikel
C1 – der Schlüssel zum Studium

Ein Kampfmittelräumungsexperte der Polizei wird auf seinen Einsatz vorbereitet: Wegen Bombendrohungen werden am Freitag drei Schulen in Kiel gesperrt und durchsucht, hier die Muhliusschule.

Quelle: Christian Charisius/dpa

Kiel. Um seinen Forderungen Nachdruck zu verleihen, hat er in der Nacht zum Freitag drei Schulen bedroht, die daraufhin am Morgen auf Anweisung der Polizei geräumt wurden. Betroffen waren die Hebbelschule, das Käthe-Kollwitz-Gymnasium und die Muhliusschule. Hunderte Schülerinnen und Schüler mussten zum Teil ohne ihre Sachen blitzschnell die Klassenräume verlassen. Der Unterricht wurde gar nicht erst begonnen oder vorzeitig beendet. Nach Informationen der Kieler Nachrichten hatte der Erpresser am Freitagmorgen in einer Mail gedroht, Bomben an Schulen platziert zu haben.

 Die Polizei durchsuchte mit Spürhunden und Sprengstoffexperten daraufhin die Gebäude und sicherte mehrere verdächtige Gegenstände, die später vom Kampfmittelräumdienst überprüft wurden. Am Nachmittag folgte dann die Entwarnung: „Wir haben nichts gefunden“, sagte Torge Stelck, Sprecher des Landespolizeiamts. Bei den untersuchten Gegenständen habe es sich um Alltagsgegenstände wie eine Seltersflasche und eine Thermoskanne gehandelt, die nicht manipuliert waren. Bildungsstaatssekretär Dirk Loßack äußerte sich über den Ablauf des Einsatzes und die Reaktionen an den Schulen erleichtert. „Die Evakuierung der Schulen hat gut geklappt.“ Die Zusammenarbeit mit den Eltern sei gut gewesen.

Absender der Nachrichten lautet stets "coopwillpay"

 Ein Coop-Vorstandsmitglied bestätigte am Nachmittag den Kieler Nachrichten, dass sein Unternehmen seit Dienstag erpresst werde. Dabei habe der Täter in seinen Mails, die stets unter dem Absender „coopwillpay“ verschickt wurden, für die Geldübergabe einen Weg verlangt, der schon rein technisch nicht möglich sei. Coop wisse nicht, was den Erpresser zu seiner Tat veranlasst habe. Nähere Angaben machte das Unternehmen mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen nicht.

Hier sehen Sie Bilder vom Polizeiansatz an Kieler Schulen.

Zur Bildergalerie

 Kiels Bildungsdezernentin Renate Treutel betonte am Freitag, dass die Stadt die Lage „sehr ernst“ nehme. „Wir bitten Eltern um erhöhte Aufmerksamkeit und Kinder darum, herumliegende Lebensmittel nicht anzufassen oder zu probieren.“

  Wie berichtet hatte der Täter bereits in der Nacht zum Dienstag die Kieler Reventlouschule vor vergifteten Süßigkeiten gewarnt. Tatsächlich fand ein Mitarbeiter der Schule am Dienstagmorgen Marzipanherzen im Eingangsbereich. Das toxikologische Gutachten ergab, dass das Marzipan mit giftigen Substanzen angereichert war, die „zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen“ hätten führen können, wie eine Sprecherin des Landeskriminalamts (LKA) bestätigte. Die Ermittler gehen aber davon aus, dass niemand die Süßigkeiten verzehrt habe. Schleswig-Holsteins stellvertretender Landespolizeidirektor Joachim Gutt, der den Einsatz am Freitag persönlich leitete, hatte bereits am Donnerstag die außergewöhnliche Dimension des Falles betont. „Es handelt sich um einen Fall von schwerer Erpressung.“

Über 100 Polizisten im Einsatz

 „Wir haben mit einem sehr starken Kräfteeinsatz operiert“, sagte Torge Stelck, Sprecher des Landespolizeiamtes in einer ersten Bilanz des Einsatzes am Freitagvormittag. Eine genaue Zahl wollte er nicht nennen – nach Schätzung von Augenzeugen waren mehr als 100 Beamte im Einsatz. Die Polizisten wurden aus der Polizeidirektion Kiel, anderen Direktionen im Land, dem LKA sowie dem Landespolizeiamt zusammengezogen.

Beteiligt waren sechs Hundeführer mit ihren Sprengstoffhunden. Abends teilte die Polizei mit, dass „keine konkreten weiteren Drohungen gegen Schulen oder andere Einrichtungen“ vorliegen. Aber natürlich könne sich die Situation am Wochenende ändern, sagte Stelck. Das Bürgertelefon der Polizei, das am Freitag freigeschaltet worden war, ist am Wochenende nicht mehr besetzt. Hinweise nimmt die Polizei in Kiel unter dem Polizeiruf 110 entgegen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Kristian Blasel
Ressortleiter Lokalredaktion/Kiel

Kieler Förde

Schiffspositionen in
der Kieler Förde, dem
NOK und der Ostsee.

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie Frau
Marion N.-Neurode

Anzeige
Mehr zum Artikel
Pastoralpsychologin im Intreview
Foto: Viele Schüler ließen am Freitag ihre Ranzen in den Schulen zurück.

Kaum zwei Wochen besuchen die Erstklässler der Muhliusschule den Unterricht. Aber nicht nur die Schulanfänger sind durch die Drohungen des Erpressers und die Polizeidurchsuchung verunsichert, auch ältere Schüler und die Eltern. Renate Ebeling ist Pastorin und Pastoralpsychologin und möchte mit ihrem Rat helfen.

  • Kommentare
Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Nachrichten aus Kiel 2/3