22 ° / 14 ° Regenschauer

Navigation:
Kritik an Vorgehen der Polizei

Vorfälle im Kieler Sophienhof Kritik an Vorgehen der Polizei

Die Belästigung von drei jungen Frauen im Kieler Einkaufszentrum Sophienhof am Donnerstag und das Vorgehen der Polizei werfen immer mehr Fragen auf. Augenzeugen kritisieren die Behörden für das offensive Vorgehen und ziehen die Angaben der Behörde in Zweifel. Nach Angaben der Polizei sollen rund 30 Männer den Minderjährigen nachgestellt haben.

Voriger Artikel
Ehemaliger pädagogischer Leiter verteidigt Einrichtung
Nächster Artikel
Chefin der Tourismusagentur fristlos gekündigt

Nach den Vorfällen im Sophienhhof werden jetzt Angaben der Polizei kritisiert.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. „Das war keine Massenbelästigung“, sagen Augenzeugen und widersprechen den Ausführungen der Polizei. Mitarbeiter von Restaurants im Sophienhof hatten das Geschehen aus ihrer Sicht geschildert und das Ausmaß der Übergriffe relativiert. Ein Mitarbeiter eines Orient-Restaurants widerspricht der Polizei: „Das ist direkt vor meiner Nase passiert. Aber das war keine Massenbelästigung.“ Es seien nur die beiden Afghanen gewesen, die „einen auf dicke Hose“ gemacht hätten. „Wenn ich gesehen hätte, dass die Mädchen Angst gehabt hätten oder dass die Situation eskaliert, wäre ich sofort über den Tresen gesprungen und hätte eingegriffen.“ Bei den anderen Beteiligten habe es sich um Neugierige gehandelt. Eine andere Frau, die bei einem Italiener arbeitet, sagt, sie verstehe die ganze Aufregung nicht.

Auf Nachfrage von KN-Online sagt der Kieler Polizeisprecher Matthias Arends am Montagmittag, dass es tatsächlich widersprüchliche Angaben gebe. „Um Klarheit zu bekommen, werden zurzeit zahlreiche Zeugen befragt und Videoaufnahmen aus dem Sophienhof ausgewertet“, so Arends.

Für Verwirrung hatte am Montagvormittag die Aussage seines Kollegen Oliver Pohl gesorgt. Gegenüber mehreren Medien hatte dieser gesagt, dass auf den Mobiltelefonen der beiden 19 und 26 Jahre alten Hauptverdächtigen weder Videos, noch Fotos gefunden worden seien. Arends widersprach den Aussagen seines Polizeisprecher-Kollegen. Diese seien offenbar „aufgrund eines Missverständnisses“ gemacht worden. Fakt sei, dass die Sachbearbeiter die beiden beschlagnahmten Smartphones zurzeit auswerten würden. Nach Informationen von KN-Online befinden sich allein auf einem der Handys mehr als 3000 Video-Clips und Fotos.

Die drei Mädchen im Alter zwischen 15 und 17 Jahren hatten angegeben, von mehreren Männern belästigt, gefilmt und fotografiert worden zu sein. Diese Dateien sollen von den Verdächtigen umgehend an weitere Männer verschickt worden sein, die anschließend hinzugekommen seien.

Kritik am Vorgehen der Kieler Polizei weist der Behördensprecher zurück: „Der Einsatz war angemessen. Vier Kollegen waren vor Ort, nachdem der Notruf bei uns eingegangen war, zwei Kollegen sind von den jungen Männern massiv angegriffen worden, von einer Überreaktion kann keinerlei Rede sein.“ Vier Männer im Alter zwischen 19 und 27 Jahren waren nach dem Zwischenfall am Donnerstag vergangener Woche vorläufig festgenommen worden. Bei allen handelt es sich um Asylbewerber aus Afghanistan, die seit 2015 in Kiel leben.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Bastian Modrow
Lokalredaktion Kiel/SH

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Kieler Förde

Schiffspositionen in
der Kieler Förde, dem
NOK und der Ostsee.

Anzeige
Mehr zum Artikel
Belästigung im Sophienhof
Kiels Polizeichef Thomas Bauchrowitz (rechts) und Sprecher Oliver Pohl.

Die Polizei hat am Montag ihre eigene Darstellung einer massiven Belästigung von drei jungen Mädchen im Kieler Sophienhof abgeschwächt. Demnach sind bislang auf den Handys der Verdächtigen weder Beweisfotos sichergestellt worden, noch sei klar, wie viele Männer überhaupt an dem Vorfall in dem Einkaufszentrum beteiligt waren.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Nachrichten aus Kiel 2/3