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Weitere Frauen fühlten sich belästigt

Sophienhof Kiel Weitere Frauen fühlten sich belästigt

Die Polizei hatte damit gerechnet: Nach der Massenbelästigung im Sophienhof in Kiel berichten weitere Frauen von ähnlichen Erfahrungen. Dass sich viele nicht sofort an die Polizei wenden, sei „ganz typisch für diese Art von von Scham geprägten Delikten“, sagte Polizeisprecher Oliver Pohl am Sonnabend.

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Nach der Berichterstattung über die Belästigung im Sophienhof melden sich immer mehr Frauen, die sich auch belästigt gefühlt haben.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. Die Massenbelästigung im Sophienhof in Kiel hält die Polizei weiter auf Trab. Beamte sichten derzeit das Videomaterial und suchen Zeugen. „Eine spezialisierte Einheit der Kriminalpolizei unterstützt die Ermittler der Polizei bei den Auswertungen“, sagte Polizeisprecher Oliver Pohl am Sonnabend. Vor Montag könne nicht mit Ergebnissen gerechnet werden. Die Ermittlungen gegen weitere mutmaßliche Täter hätten zudem Vorrang.

Über 20 Männer mit Migrationshintergrund sollen am Donnerstagabend im Einkaufszentrum Sophienhof die Mädchen im Alter von 15, 16 und 17 Jahren massiv belästigt und verfolgt haben. Als mutmaßliche Haupttäter gelten nach Angaben der Polizei zwei Asylbewerber aus Afghanistan. Die Hauptverdächtigen im Alter von 19 und 26 Jahren sollen zuerst die Mädchen beobachtet, verfolgt und mit Mobiltelefonen gefilmt und fotografiert haben. Nach und nach sei die Zahl der Männer, die die Mädchen belästigt haben sollen, auf 20 bis 30 gestiegen.

Die beiden Afghanen und zwei weitere Verdächtige wurden vorläufig festgenommen, sind mittlerweile aber wieder auf freiem Fuß. Bei ihrer Festnahme leisteten die Beschuldigten laut Polizei heftigen Widerstand. Dabei seien auch Beamte verletzt worden.

Weitere Frauen fühlten sich belästigt

Nach der Berichterstattung am Freitag haben sich mittlerweile weitere Frauen bei der Polizei gemeldet und von ähnlichen Erfahrungen im Sophienhof“ berichtet. Nach der umfangreichen Berichterstattung sei dies aber auch zu erwarten gewesen. Dass sich viele nicht sofort an die Polizei wenden, sei „ganz typisch für diese Art von von Scham geprägten Delikten“, sagte er. Der Centermanagerin vom Sophienhof, Sophie Dukat, sind weitere Belästigungsfälle in der Größenordnung nicht bekannt. Im Interview mit den Kieler Nachrichten sagte sie: "Das ist der erste Vorfall dieser Art. Und unser Sicherheitsteam hat vorbildlich gearbeitet."

Die Polizei zeigt mehr Präsenz im Sophienhof Kiel.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Die Geschäftsleute im Sophienhof in Kiel klagen indes über eine deutliche Zunahme an Diebstählen und Belästigungen. Vor allem vor Geschäftsschluss spitze sich die Lage zu. Die Polizei kündigte für die nächsten Tage eine verstärkte Präsenz an dem Einkaufszentrum an. Wer sich bedroht fühle, solle sofort den Polizeiruf 110 wählen.

Politik reagierte betroffen auf Vorfälle im Sophienhof

Innenminister Stefan Studt zeigte sich betroffen. Es sei nicht hinnehmbar, an einem öffentlichen Ort so belästigt zu werden, sagte der SPD-Politiker. Sein ganzes Mitgefühl gelte den Mädchen. Der Vorfall müsse mit aller Kraft des Rechtsstaates aufgeklärt werden. Die Polizei habe gut und richtig reagiert.

Die Vorfälle zeigten, dass sich der Rechtsstaat zu jeder Zeit die notwendige Geltung verschaffen müsse, sagte FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki im Interview mit den Kieler Nachrichten. „Falsch verstandene Rücksichtnahme ist das Gegenteil von Integration und wäre das vollkommen falsche Signal sowohl in Richtung der Täter als auch in Richtung der Opfer.“

Auch nach Ansicht des CDU-Innenpolitikers Axel Bernstein darf es kein Zweifel an der Fähigkeit des Rechtsstaates geben, für die Sicherheit seiner Bürger zu sorgen. „Deshalb waren sowohl das schnelle und konsequente Eingreifen als auch die Ankündigung einer verstärkten Polizeipräsenz in den kommenden Tagen, richtige Maßnahmen.“

Grünen-Fraktionschefin Eka von Kalben bekundete Vertrauen in die Funktionsfähigkeit des Rechtsstaates. „Um solche Vorfälle wie im Kieler Sophienhof zu verhindern, sind Integration, funktionierende Sicherheitskonzepte und der Kampf gegen Sexismus die Punkte, die es zu stärken gilt.“

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Foto: 25 Männer sollen drei Frauen am Sophienhof in Kiel massiv bedrängt haben.

Großeinsatz der Polizei am Sophienhof in Kiel: Zwei Asylbewerber aus Afghanistan haben am Donnerstagnachmittag drei junge Frauen im Alter von 15, 16 und 17 Jahren belästigt. Als die Jugendlichen flüchten wollten, wurden sie von knapp 30 Männern verfolgt. Innenminister Stefan Studt äußerte sich dazu vor der Presse.

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