22 ° / 16 ° Gewitter

Navigation:
Zugang zum Seglerhafen bald möglich?

Masterplan für Alt-Ellerbek Zugang zum Seglerhafen bald möglich?

Autos ohne Zulassung am Straßenrand, Müllberge: Seit Jahren klagen Anwohner und auch der Ortsbeirat über das Aussehen von Alt-Ellerbek, also der Straßenzüge um Marien- und Friedenstraße. Von rechtslosem Raum war sogar die Rede. Ändern soll sich das mit dem Anfang 2015 beschlossenen Masterplan der Stadt Kiel.

Voriger Artikel
Eine echte Gemeinschaftsleistung
Nächster Artikel
Musikhaus Keller wird zum Ein-Mann-Betrieb

Alt-Ellerbek soll aufgewertet werden: Die Stadt setzt auf eine große Entwicklungsperspektive, sollten nach dem Wegzug des Marinearsenals Flächen freiwerden. Dort könnten nach ihren Vorstellungen bezahlbare Wohnungen und ein Park entstehen.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Die Stadt will klare Kante zeigen, auch um laut Oberbürgermeister Ulf Kämpfer die Option zu gewinnen, einen „echten Leuchtturm für das Ostufer“ mit bis zu 500 Wohnungen zu errichten

 Die geschäftliche Mitteilung, die dem Innen- und Umweltausschuss am 6. September vorliegt, beinhaltet einen ersten Schritt, ordnungsrechtliche Maßnahmen einzuleiten. So will die Stadt vernachlässigte Grundstücke in der Julienstraße und Mathildenstraße für Kosten von etwa 100000 Euro umfassend räumen lassen – im Rahmen einer sogenannten Ersatzvornahme. Dabei kann die Stadt einschreiten, wenn Eigentümer und Pächter ihre Pflichten trotz Androhung von Zwangsmitteln über einen längeren Zeitraum vernachlässigen.

 Für Kämpfer sind solche Maßnahmen sogar so etwas wie der Startschuss für den Aufbruch in die Zukunft: Nach Gesprächen mit der Wehrtechnischen Dienststelle für Schiffe und Marinewaffen, Maritime Technologie und Forschung (WTD) ist er optimistisch, in den nächsten Jahren konkrete Vorstellungen vorantreiben zu können, um den Stadtteil im Stadtteil endlich großflächig zu entwickeln. Er berichtet „positiv überrascht“ davon, wie offen sich die WTD zeigte, sich von etlichen Flächen, die sie von der Bima (Bundesanstalt für Immobilienaufgaben) gemietet hat, zu trennen. Ende des Jahres endet in Kiel die Ära des Marinearsenals der Bundeswehr offiziell, dessen Ansiedlung den Stadtteil von der Ostsee trennt.

 Von der Einrichtung selbst sei vorgeschlagen worden, die Pforte nach hinten zu verlegen und damit der Öffentlichkeit einen Zugang zum Seglerhafen zu öffnen, so Kämpfer. Ein zweiter Zugang zum Wasser sei danach mit Hilfe einer Fußgängerbrücke ebenfalls denkbar.

 Neben den dann geräumten privaten Grundstücken kämen für das Planungsgebiet zwischen Brückenstraße und Werftgelände städtische Grundstücke und von der Bundeswehr gekaufte Flächen dazu, sodass die Gebäudemanagementgesellschaft Schleswig-Holstein AöR (GMSH) Alt-Ellerbek wieder als „echten Stadtteil“ planen könnte. Im Oktober will der Verwaltungschef alle Akteure von der GMSH, der Bima und dem Bundesamt Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistung zu einem Gespräch einladen. Noch sei nichts in trockenen Tüchern, seien viele Fragen von Lärmschutz bis Altlasten zu klären und Hürden zu nehmen, räumt Kämpfer ein. Aber trotzdem ist er optimistisch, dass Ellerbek in den nächsten Jahren einen Schub nach vorn machen könnte. Um die Flächen von der Bima zu kaufen, setzt er auf die Unterstützung vom Land und Fördermittel. Denn neben den Wohnungen soll auf der Fläche über dem Wrack der 1945 gekenterten „Admiral Scheer“ ein großer Park entstehen. Reste des Panzerschiffs sind unter Trümmerhaufen begraben und bis heute nicht überbaut worden.

 Ellerbek hat eine bewegte Geschichte hinter sich: Nach dem Abbruch des alten Fischerdorfes für die Kaiserliche Werft hatten sich die Ellerbeker vor mehr als 100 Jahren in diesen Straßenzügen angesiedelt. Im Zweiten Weltkrieg wurden viele Gebäude der Arbeitersiedlung zerstört, die Baulücken sind bis heute zu sehen. Die alte Bugenhagenkirche an der Friedenstraße, eingeweiht am 16. August 1896, wurde im Sommer 1941 mitsamt Glockenturm, Pastorat und Leichenhalle abgerissen, weil das Gebäude nicht als Orientierungshilfe für feindliche Flieger dienen und das Arsenal-Gelände der Kriegsmarinewerft erweitert werden sollte. Schon 1993 gab es für Alt-Ellerbek einen Quartiersrahmenplan, der das Gebiet nach Wohn-, Misch- und Gewerbenutzung unterteilte. Die Sanierung scheiterte jedoch an fehlenden Städtebaufördermitteln. Dem neuen Masterplan für Ellerbek räumt die Stadt bessere Chancen auf Umsetzung ein.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

Mehr aus Nachrichten aus Kiel 2/3