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Von der Ladenzeile zum Schandfleck

Masurenring Von der Ladenzeile zum Schandfleck

Nun steht es fest: Großflächige Einzelhandelsbetriebe sind in dem Wohngebiet am Masurenring nicht zulässig. Das hat der Bauausschuss mit der Verabschiedung des einfachen Bebauungsplans 1002 beschlossen.

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Hierhin verirrt sich kaum noch jemand: Die 1967 im Zuge der Bebauung des Masurenrings errichtete Ladenzeile steht heute komplett leer. Alle Schaufenster sind vernagelt. Die Zukunft der Immobilie ist offen. Am Langen Rehm, nur ein paar hundert Meter entfernt, ist ein neues Einkaufszentrum entstanden.

Quelle: Volker Rebehn

Neumühlen-Dietrichsdorf. Dadurch soll das neu entstandene Einkaufszentrum am Langen Rehm geschützt werden. Damit dürften sich auch die Planungen eines Itzehoer Wohnungsbauunternehmens zerschlagen haben, auf der Fläche des ehemaligen Einkaufszentrums an der Ecke Insterburger Straße/Masurenring einen neuen Discounter zu errichten. Dort stehen die ehemaligen Läden seit Langem leer, alle Schaufenster sind verbarrikadiert.

Einzelhandel gänzlich ausschließen wollen die Rathausfraktionen aber nicht. In dem ungefähr 27 Hektar großen Plangebiet, das vom Langen Rehm, Masurenring und der Trasse der zum Ostuferhafen führenden Industriebahn begrenzt und von mehrgeschossigen Wohngebäuden sowie Hochhäusern mit bis zu 15 Geschossen geprägt wird, sind Betriebe bis zu einer Größe von maximal 400 Quadratmetern Verkaufsfläche möglich. Ausnahmsweise können Betriebe aus den Bereichen Nahrungs- und Genussmittel, Drogerieartikel (inklusive Wasch- und Putzmittel), Kosmetika, Pharmazie und Reformwaren zugelassen werden. Anlagen zur Kinderbetreuung und Wohnbebauung, wenn sie sich in Art und Weise an der Bauweise der näheren Umgebung orientieren, sind ebenfalls möglich.

„Dagegen haben wir nichts“, sagt Gernot Starke. Der Vorsitzende des Ortsbeirates Neumühlen-Dietrichsdorf/Oppendorf weist darauf hin, dass sich das Stadtteilgremium dafür ausgesprochen hatte, Einkaufsmöglichkeiten in der Insterburger Straße zu erhalten. Eine Konkurrenz zum neuen Zentrum am Langen Rehm, das ab 2010 entstanden ist und Ende 2012 fertig wurde, wollte es aber auch nicht schaffen und sprach sich für die Festsetzungen in dem neuen Bebauungsplan 1002 aus. Den hatte der Bauausschuss am 2. Mai 2013 aufgestellt.

Nur drei Monate vorher hatte die May & Co. Wohn- und Gewerbebauten GmbH (Itzehoe) als Eigentümerin der Immobilie in der Insterburger Straße ihre Pläne für den Neubau eines über 800 Quadratmeter großen Discounters und 45 Stellplätze auf der gesamten Fläche im Ortsbeirat vorgestellt. Konkurrenz zum gerade neu entstandenen Einkaufszentrum am Langen Rehm hatte das Unternehmen nicht ausgemacht. Kiels Stadtplaner und die Fraktionen haben das offensichtlich anders beurteilt. Und wie geht es weiter in der Insterburger Straße? Auf aktuelle KN-Anfragen antwortete May & Co nicht. Die Sanierung der leerstehenden Ladenzeile, Wohnungsbau, wie es der Bebauungsplan vorsieht und es auch vom Ortsbeirat angeregt wurde, hatte das Unternehmen im vergangenen Jahr mit Blick auf den noch nicht beschlossenen Bebauungsplan offen gelassen (wir berichteten).

Mittlerweile ist die einst prosperierende Ladenzeile in der Insterburger Straße zum Schandfleck verkommen. Alle Schaufenster sind verbarrikadiert, alles ist mit Graffiti beschmiert. Nur selten verirrt sich jemand dorthin. „Das ist eine einzige Katastrophe für unseren Stadtteil“, meint eine Neumühlen-Dietrichsdorferin. Dabei hat dieses Einkaufszentrum, das im Zuge des vom Masurenring begrenzten Neubauviertels mit seinen 1400 Wohnungen seit 1963 entstanden ist, das gleiche Schicksal erlitten wie das frühere Einkaufszentrum am Langen Rehm.

Mit den Neubauten und vor allem aufgrund des vierspurigen Ausbaus des Ostrings Anfang der 1970er-Jahre, der den Stadtteil trennte, hatten sich die Einkaufsströme allmählich Richtung Insterburger Straße und Braunsberger Weg verlagert. Im Langen Rehm wurde es dagegen still. Doch das alte Zentrum erlebte in den vergangenen Jahren durch den Bau neuer Geschäfte eine Renaissance. Auf der Strecke blieb die Insterburger Straße – zum Leidwesen vieler Anwohner des Viertels.

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