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Unterwasser-Roboter soll Munition beseitigen helfen

Meere Unterwasser-Roboter soll Munition beseitigen helfen

Millionen Tonnen Weltkriegsmunition auf dem Meeresgrund bedeuten eine ständige Gefahr — die jahrzehntelang ignoriert wurde. Von einem „titanischen Problem“ spricht der Kieler Umweltminister. Jetzt hofft Habeck auf eine Wende. Robotertechnik soll Abhilfe schaffen.

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Der schleswig-holsteinische Umweltminister Robert Habeck (Bündnis90/Die Grünen) vor einer Karte, auf der die Lagerorte von 1,6 Millionen Tonnen Weltkriegsmunition in Nord- und Ostsee verzeichnet sind.

Quelle: Markus Scholz/dpa

Kiel. Die Ladung ist explosiv und giftig, die Hülle rostet vor sich hin. Vor Heidkate wurden jahrzehntelang Grundminen, Torpedos und Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg versenkt. Immer wieder finden die sensiblen Sonargeräte der Bundesmarine Verdachtsstellen in der Kieler Bucht. Mit Hilfe eines Roboters soll künftig die Munition aus dem Meer geborgen werden. „Das markiert einen Wendepunkt beim Umgang mit der bedrückenden Altlast, einem titanischen Problem“, sagte Umweltminister Robert Habeck (Grüne).

Wenn die Taucher, wie bisher, vom Kampfmittelräumdienst unter Wasser eine Mine unschädlich machen und umlagern, bringen sie sich in Lebensgefahr. Die ganze Aktion dauert Stunden und kostet etwa 60.000 Euro. Wenn eine 500-Kilo-Grundmine gesprengt wird, kann nach Untersuchungen das Gehör der Robben und Schweinswale schwer geschädigt werden. Etwa 1,6 Millionen Tonnen konventioneller Munition lagern vor Deutschlands Küsten. „Jahrzehntelang wurde dieses Kriegserbe im Prinzip quasi nur verwaltet und im wahrsten Sinne des Wortes nur liegengelassen. Damit können wir uns aber nicht abfinden“, sagte der Umweltminister.

Fraunhofer Institut ist Partner

In der Gas- und Ölindustrie werden bereits Roboter genutzt, die jetzt für die Beseitigung zweckentfremdet werden können. Die modifizierten oder neu entwickelten Apparate werden von einer Arbeitsplattform gesteuert. „Unter Wasser trennen sie die Mine auf, spülen den Sprengstoff heraus, der dann an Deck thermisch vernichtet wird“, erklärte Jan Kölbel, Technischer Direktor von der Heinrich Hirdes EOD Service GmbH, einer Tochterfirma des Boskalis-Konzerns. Übrig bleibt nur eine Hülle, die entsorgt wird. Das Projekt wird vom Bundeswirtschaftsministerium mit 3,2 Millionen Euro gefördert. Die Leitung hat die Firma Hirdes, die auf Unterwasserbergung spezialisiert ist und etwa drei Millionen Euro investiert. Dahinter stehen wirtschaftliche Aspekte, denn Hirdes will den Apparat auch für eigene Aufträge einsetzen – der Altlasten-Räumung des Meeresgrundes vor dem Bau von Windparks.

Ein Partner ist das Fraunhofer Institut, das auf dem Gebiet der Sprengstoff-Chemie langjährige Erfahrungen hat. Die Firma Automatic Klein entwickelt die Fernsteuerung, und die Uni-Leipzig verantwortet das Zulassungsverfahren. „Wir haben einen sehr konkreten Plan entwickelt, wie wir die versenkte Munition ressourcenschonend beseitigen können“, sagte Kölbel. Ein Prototyp soll 2017 fertig sein und im Testbecken des Landesbetriebs Küstenschutz in Husum an realen Dummies getestet werden. Verlaufen die Versuche Erfolg versprechend, steht einer Serienproduktion nichts mehr im Weg. Der Roboter entschärft dann 24 Stunden am Tag Minen im Meer. Heute sprengen Taucher bis zu zwei oder drei Wasserbomben am Tag.

Ein anderes Projekt, das damit verbunden ist, entwickelt das Kieler Geomar. Die Forscher wollen die Arbeit des Automaten begleiten, Wasserproben nehmen und mit Strömungsdaten analysieren, inwieweit sich der Sprengstoff TNT schon jetzt nachweisen lässt oder bei der späteren Entschärfung entweicht.

Allein in der Kieler Bucht liegen auf dem Meeresboden tausende Minen; nur ein Bruchteil wurde beseitigt. Erst im vergangenen Jahr mussten Taucher wieder Weltkriegsmunition aus dem Schifffahrtsweg räumen. Er habe großen Respekt vor dieser Leistung, sagte Habeck. „Ich hoffe aber auch, dass wir diese lebensgefährliche Arbeit künftig einem Roboter überlassen können.“

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