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Folgen von Hitzeschocks

Kiel: Versuchsreihe gestartet Folgen von Hitzeschocks

Wie reagieren Lebensgemeinschaften in der Ostsee auf den Klimawandel? In Kiel haben Meeresforscher 2011 die erste Versuchsreihe an der Kiellinie gestartet, um mehr darüber zu erfahren, welche Folgen etwa der Kohlendioxid-Anstieg auf Blasentang, Miesmuscheln und Krebse haben könnte. Jetzt beginnt ein neues Pilotprojekt.

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Projektleiter Martin Wahl koordiniert den fünfmonatigen Pilotversuch in den Versuchsanlagen an der Kiellinie.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Was wächst und wuselt im Jahr 2030, 2060 oder 2100 auf dem Meeresboden? Dann, so lauten Prognosen, hat der Klimawandel die Ostsee deutlich wärmer, salzärmer, nahrhafter, aber auch saurer und sauerstoffärmer werden lassen. Vor drei Jahren stellten Meeresforscher um den Ökologen Prof. Martin Wahl (Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung) die zwölf Versuchsbecken auf, um einen Blick in die Zukunft von Ozeanen werfen zu können. In den mit Fördewasser gefüllten Tanks erfassen Sensoren die Messergebnisse für Temperaturen, Sauerstoff, Lichteinstrahlung, PH-Werte und Salzgehalt – Parameter, die die Forscher für die Studie in den verschiedenen Jahreszeiten verändern können. Die Behälter sind mit Benthokosmen, Organismen vom Meeresboden, befüllt. Bis zum Oktober werden jetzt die Folgen kurzfristiger Hitzewellen – vier Tage im Monat erwärmen Strahler in den Becken das Wasser um fünf Grad – auf Lebensgemeinschaften wie Algen, Stichlinge, Schnecken, Seegras und Muscheln dokumentiert.

Dass die Wissenschaftler der Uni und von Geomar sich jetzt der prognostizierten Erwärmung der Ostsee zuwenden, ist eine Folge der ersten Versuchsreihe: Die Simulationen und Daten ergaben, dass sich die Organismen in der Förde an eine zunehmende Versauerung anpassten, berichtete Projektleiter Wahl. Nicht so jedoch an eine Erwärmung, vor allem, wenn sie wie im Sommer 2014 einige Tage extrem ausfalle: „Das System kippt dann um.“ Die Arbeitsthese der Forscher lautet daher: Die Meeresbewohner werden durch Hitzeschocks krankheitsanfälliger. Keine gute Nachricht für den Norden, dem der Klimawandel extreme Regenschauer, stärkere Stürme, aber auch Hitzewellen bescheren soll.

 Der Kieler Ansatz hat auch Forscher im Ausland überzeugt. Im israelischen Haifa läuft zeitgleich eine Vergleichsstudie mit dem Mittelmeer. In Nordjapan und Südaustralien werden ähnliche Anlagen aufgebaut. Das über drei Jahre laufende Projekt wurde in Kiel mit etwa 1,3 Millionen Euro gefördert. mad

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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