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Schwimmende Stadt wird getauft

Mein Schiff 4 Schwimmende Stadt wird getauft

„Wir sind bereit. Die Taufe in Kiel kann beginnen“, sagt Kjell Holm. Der 65-jährige Finne ist eine Legende unter den Kapitänen. In diesem Jahr feiert Holm sein 50-jähriges Berufsjubiläum. Sein Handwerk hat er ab 1965 bei der Silja Line im Fährverkehr auf der Ostsee erlernt. Seit 2009 ist er der Chef-Kapitän der Tui Cruises und hat alle vier Schiffe nach Kiel geführt. Am Freitag, 5. Juni, wird er zum vierten Mal eine Taufpatin begleiten.

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Kapitän Kjell Holm auf der Brücke von „Mein Schiff 4“: Für ihn ist die Taufe ein Höhepunkt seiner Karriere. „Dieses Schiff ist sehr gut geworden“, sagt er.

Quelle: Frank Behling

Kiel. Auf die „Mein Schiff 4“ ist er besonders stolz. „Dieses Schiff ist sehr gut geworden“, sagt der Finne. Als er vor einem Jahr von der Werft in Finnland die „Mein Schiff 3“ übernahm, gab es noch über 1000 Punkte, die die Werft nacharbeiten musste. Bei der „Mein Schiff 4“ sind die Mängelpunkte auf 150 geschrumpft.

 Die Daten der „Mein Schiff 4“ sind beeindruckend: Elf Restaurants, 13 Bars und 15 Decks auf 293 Meter Länge verteilt. Wenn alle 1253 Kabinen belegt sind, befinden sich bis zu 3600 Menschen an Bord. Für 1000 Menschen aus 40 Nationen ist die „Mein Schiff 4“ der Arbeitsplatz. Etwa 80 Prozent des Personals arbeiten in den Küchen, Restaurants und beim Kabinenservice.

 Die größte der fünf Kabinenkategorien sind die 957 Balkonkabinen. Die Zahl der Innenkabinen beträgt nur 123. Eine Besonderheit ist die Suite 10001. Es ist die Franziska-van-Almsick-Suite, die sich an der Backbordseite direkt hinter der Kommandobrücke befindet. Fast 5000 Quadratmeter Fläche nehmen die elf Restaurants ein. Das Angebot reicht vom klassischen Restaurant Atlantik bis hin zum japanischen Hanami. Für den Hunger auf Pizza, Currywurst und Salat gibt es das „Tag & Nacht“-Restaurant. Mit Platz wurde nicht gespart. Das 99526 BRZ große Schiff ist bei voller Kabinenbelegung mit rund 2600 Passagieren unterwegs. Vergleichbare Kreuzfahrtschiffe haben mehr als 3000 Passagiere an Bord.

 An Bord gibt es einen 25 Meter langen Außenpool für Schwimmer. Auf Wasserrutschen wurde verzichtet. Für kühlere Tage steht ein überdachter Innenpool bereit. Der Bereich über der Kommandobrücke gehört dem Wellness- und Spa-Bereich. Über drei Decks erstrecken sich Saunen, Anwendungskabinen und Wellness-Suiten. Unter dem Reich von Kapitän Holm befindet sich das große Theater mit Platz für 1000 Passagiere. Mittschiffs gibt es eine Waterkant-Lounge mit Bibliothek und einem Klanghaus für Konzerte und Lesungen.

 Drei Millionen der rund 400 Millionen Euro wurden in 6000 Kunstwerke investiert, die über das ganze Schiff verteilt sind. Die größte Investition ging aber in die Technik. Zwei Propeller und fünf Querstrahlruder sorgen dafür, dass sich das Schiff auch bei Wind ohne Schlepper bewegen kann. Angetrieben wird der Neubau von zwei Elektromotoren. Der Strom wird über vier große Wärtsilä-Dieselmotoren erzeugt. Die Antriebsleistung der Motoren der „Mein Schiff 4“ liegt bei nur noch 28000 Kilowatt. Zum Vergleich: Die 1996 auf der Meyer Werft gebaute „Mein Schiff 1“ benötigt vier Dieselmotoren mit 36000 Kilowatt Leistung und ist auch noch 30 Prozent kleiner.

 Die „Mein Schiff 4“ liegt beim Energieverbrauch 30 Prozent unter dem der anderen Schiffe dieser Größenordnung. Durch die Optimierung des Energiemanagements werden fast zehn Tonnen Treibstoff pro Tag eingespart. LED-Technik und die Nutzung der Abgaswärme reduzieren außerdem den Strombedarf. Allein durch den Verzicht der Minibars in den Kabinen wird ein Einsparpotenzial von 300 Litern Kraftstoff pro Tag erreicht.

 Ein sehr effizientes System ist die Wärme-Rückgewinnung aus der Abgasluft der Motoren. Bevor die Abgase in den Scrubbern mit Seewasser gewaschen werden, wird ihre Ablufthitze für die Heizung der Pools genutzt. Aber auch bei der Sicherheit setzt die „Mein Schiff 4“ neue Maßstäbe. „Dieses Schiff ist besonders sicher. Wir haben eine Doppelhülle und mehr Abteilungen“, sagt Holm. Der Rumpf ist in 18 wasserdichte Abteilungen unterteilt. „Vier davon können voll Wasser laufen. Bislang war es so, dass höchstens zwei Abteilungen voll laufen durften. Dann sank ein Schiff“, sagt Holm.

 Von etwas muss sich Holm jetzt im 50. Berufsjahr aber verabschieden. „Nach der Taufe kommen die Seekarten aus Papier weg. Damit endet für mich eine Ära“, sagt Holm. Navigiert wird dann nur noch mit elektronischen Seekarten an den Bildschirmen.

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Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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