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Bau des Stadtteils war ein Experiment

Mettenhof Bau des Stadtteils war ein Experiment

„Nach Mettenhof zieh mal besser nicht hin.“ 1979, bei ihrem Studienbeginn in Kiel, wurde der Hamburgerin Stefanie Janssen noch vom Wohnen im Stadtteil abgeraten.

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Neubauten am Jütlandring und an der Odensestraße in Mettenhof. Foto: Friedrich Magnussen, Mai 1966

Quelle: Stadtarchiv Kiel

Mettenhof. Statt Mettenhof wurde es damals Gaarden. Heute würde sie sich vielleicht anders entscheiden. Mehr als ein Jahr hat die Autorin über Mettenhof recherchiert, hat Zeitzeugen befragt und Historisches, Aktuelles und viel Positives zusammen getragen. Entstanden ist daraus ein reich bebildertes Buch über „50 Jahre Mettenhof“, das sie am heutigen Mittwoch, 23. November, um 19 Uhr im Bürgerhaus Mettenhof, Vaasastraße 43a vorstellen wird.

Im Jahr 2015 wurde der 50. Jahrestag der Grundsteinlegung für die Siedlung Mettenhof gefeiert. Der erste Spatenstich für den Trabantenstadtteil mit seinen markanten Hoch-, Mehrfamilien- und Einzelhäusern erfolgte am 17. November 1964, die offizielle Grundsteinlegung fand zur Kieler Woche 1965 statt. Für 40000 Bewohner sollte auf der grünen Wiese ein neuer Stadtteil entstehen, um die Wohnungsnot in Kiel zu lindern. Heute wohnen rund 19000 Einwohner in dem bevölkerungsreichsten Stadtteil Kiels, der in seiner Art einzigartig in der Landeshauptstadt ist.

Probleme werden nicht ausgeklammert

Geplant wurde die Trabantenstadt auf dem Reißbrett, ohne tatsächlich alle Konsequenzen bedacht zu haben, erklären Autorin Stefanie Janssen, die Direktorin des Stadt- und Schifffahrtsmuseums, Doris Tillmann, und der Leiter des Kieler Stadtarchivs, Johannes Rosenplänter, in einer Vorab-Präsentation des Buches. „Der Bau des Stadtteils war ein Experiment. Vieles war für die Architekten und Bewohner anfangs nicht vorstellbar“, sagt Stefanie Janssen. Beispielsweise, wie es funktionieren soll, wenn alle Bewohner eines Hochhauses an einem Wochenende einziehen und nur ein Fahrstuhl zur Verfügung steht.“ Oder welche Probleme es machen kann, wenn die Kinder zwar groß genug sind, um alleine draußen zu spielen, aber noch zu klein sind, an die obersten Klingelschilder zu kommen, um wieder eingelassen zu werden. Oder wie es sich in einem Stadtteil leben lässt, in dem es zwar Wohnungen gibt, aber so gar keine Infrastruktur? Auch das sind Fragen, denen die Volkskundlerin im Rahmen einer Geschichtswerkstatt „50 Jahre Mettenhof“ bei ihrer Recherche und im Gespräch mit Zeitzeugen nachgegangen ist.

 Auf 196 Seiten zieht Janssen einen Bogen vom Baubeginn der Trabantenstadt bis heute. Dabei werden Probleme nicht ausgeklammert, für die zwar Lösungen gefunden wurden, die aber in der Außenwahrnehmung immer noch für ein negatives Image des Stadtteils sorgen. „Die Mettenhofer hingegen haben eine sehr positive Wahrnehmung von ihrem Stadtteil“, erklärt Janssen. „Besonders das Netzwerk an Vereinen, Institutionen und anderen Stadtteilaktiven, die sich für Mettenhof einsetzen, ist einzigartig“, lobt sie. „Mettenhof ist überwuchert von Klischees“, sagt Tillmann. „Wir wollten mit dem Buch hinter diese Klischees gucken.“ Und das ist gelungen. Sehr lebendig, sehr detailreich, mit vielen Erinnerungen der Zeitzeugen und reich bebildert präsentiert die Chronik die wechselvolle Geschichte Mettenhofs.

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