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Elfriede Gerauch schätzt das gute Miteinander

Mettenhof-Serie Elfriede Gerauch schätzt das gute Miteinander

Nach Kiel hatte sie anfangs nicht gewollt: Elfriede Gerauch war Flensburgerin mit Leib und Seele. Doch ihr Ehemann, ein Musiker, bekam nach der Kriegsgefangenschaft einen Job beim Musikkorps der Polizei in der Landeshauptstadt.

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Wohnt seit 1969 in Mettenhof – und das sehr gerne: Elfriede Gerauch (fast 95).

Quelle: Jennifer Ruske

Mettenhof. 18 Jahre wohnte die vierköpfige Familie in Gaarden und zog im Dezember 1969 nach Mettenhof um. Den Umzug hat die fast 95-Jährige bis heute nicht bereut. Und das, obwohl die ersten Tage im Stadtteil ohne Strom recht abenteuerlich waren.

 „Wir haben eine so schöne Wohnung im Göteborgring 15 bekommen, das war das erste Mehrfamilienhaus, das hier fertig war. Nur der Strom floss noch nicht.“ Die Seniorin schwärmt von den zwei Zimmern im Erdgeschoss, die sich das Paar gesucht hatte, weil die alte Wohnung in Gaarden nach dem Auszug der Kinder zu groß wurde. Mit knapp 50 Jahren waren sie die ältesten Mieter in dem Block, der für Landesbedienstete gebaut worden war. „Die Wohnungen sind fast alle an junge Familien gegangen“, sagt Elfriede Gerauch und lobt die gute Gemeinschaft. Die Kinder der Nachbarn habe sie manchmal gehütet und Fragen der Mütter beantwortet, schließlich hatte sie als Mutter von zwei Söhnen Erfahrung. Daneben blieb der Hausfrau noch Zeit für ihre Hobbys Stricken und Lesen sowie fürs Erkunden des Stadtteils: „Ich bin ganz viel Rad gefahren.“

 Viel Platz gab es damals dafür, denn auf diesem Ende des Stadtteils hatten die Bauarbeiten erst begonnen. „Wir hatten freie Sicht bis zum Heidenberger Teich, Häuser und Bäume gab es noch nicht“, erinnert sich die Seniorin ans sehr ländliche Mettenhof. „Bei uns vor der Tür lag ein Bauernhof, auf dem die Frösche jeden Abend ein Konzert gaben.“ Heute befindet sich dort die Grundschule. Auch die freie Sicht zum Teich verschwand nach und nach. Elfriede Gerauch fand es spannend, die Arbeiten zu verfolgen. „Es gab viele lustige Situationen: So kam immer der Bauwagen, der den Arbeiten warmes Essen lieferte. Bei dem konnten wir auch Dinge besorgen. Es gab ja noch nichts, wo wir einkaufen konnten.“

 Das änderte sich nach und nach. Heute ist es die gute Infrastruktur, deretwegen die fast 95-Jährige gern im Stadtteil wohnt. Von ihrer neuen Wohnung in der Vaasastraße aus geht sie jeden Tag zum Einkaufen, hat alle Ärzte in Reichweite und kennt viele Mettenhofer. „Ich treffe immer jemanden zum Schnacken.“ Ebenfalls voller Lob ist sie über die Natur: „Ich schaue vom Balkon aufs Grüne, besser geht es nicht.“ Und dann ist da noch die tolle Gemeinschaft zwischen den Mietern in ihrem Haus: „Wir spielen Bingo und Karten, treffen uns zum Frühstück und Gedächtnistraining und klönen miteinander.“ So wie früher, als man sich im Göteborgring zum Schneeschippen und Fegen vor dem Block traf. „Das waren schöne Zeiten – und schön sind sie auch heute noch.“ Nach 46 Jahren im Stadtteil steht für Elfriede Gerauch fest: „Mettenhof ist mein Zuhause, hier will ich nicht mehr weg.“ Nicht mal nach Flensburg. So sehr ihr Herz an ihrer Geburtsstadt noch hängen mag.

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Foto: Neue Freunde helfen beim Einleben: Ilona Schmidt-Maeding (vorne) und Gudrun Wegerich (von links) machen mit Faisal und Sahar Diab und ihren Töchtern Malak, Soulaf, Hala (nicht auf dem Bild) und Jana (vorne links) Ausflüge und lernen Deutsch.

Eigentlich war es ihnen egal, wo sie in Deutschland landen. Familie Diab aus Damaskus/Syrien suchte nur eine Bleibe, in der sie sicher ist – und wo vor allem die vier Kinder ohne Krieg, Bomben, Bedrohungen und Gewalt aufwachsen können.

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