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Meyer: Politik der kleinen Schritte

Oberbürgermeisterwahl Kiel Meyer: Politik der kleinen Schritte

Fünf Kandidaten wollen bei der Oberbürgermeister-Wahl am 28. Oktober das Rathaus von Kiel erobern. Susanne Gaschke (SPD), Gert Meyer (CDU), Andreas Tietze (Grüne) sowie die unabhängigen Kandidaten Jan Barg und Matthias Cravan. Wie und wo werben sie für sich und ihre Positionen? In der vierten Folge der Reihe besucht Gert Meyer nach dem Straßen-Wahlkampf das AWO-Servicehaus in Hasseldieksdamm.

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Gert Meyer im Straßenwahlkampf: „Ich stehe für Realismus, aber auch dafür, langfristige Ziele zu erreichen“, umreißt der ehemalige Kämmerer eine Politik, die nicht auf große Versprechungen setzt.

Quelle: Schaller

Kiel. Der kühle Wind bläst derart kräftig an der Rolltreppe zum Holstentörn, dass der Stehtisch samt Schirm am CDU-Wahlstand ins Wanken gerät. Doch Kandidat Gert Meyer erweist sich als standfest, ausgerüstet mit Windjacke, Pullover darunter und Müsli-Riegel in der Tasche. Hat sich als Wahlkampf-Set bereits bewährt, sagt der 41-Jährige.

Der sichtlich gut gelaunte Kandidat eilt – mit Faltblättern in der Hand – auf Passanten zu und stellt sich vor: „Ich bin Gert Meyer, Oberbürgermeister-Kandidat der CDU.“ Manche winken gleich ab, andere hasten vorbei und sagen, „wir sind keine Kieler“. Doch mit vielen kommt er ins Gespräch, darunter auch mit einigen Rathausmitarbeitern, die den früheren Stadtrat für Finanzen und Kultur herzlich begrüßen. „Mir bringt das richtig Spaß. Ich bin direkt bei den Leuten und bekomme, das ist mir wichtig, sofort Rückmeldung, meist positive“.

Das ist auch bei einem Mann so, den er am Ende überzeugen kann, zur Wahl zu gehen: Kiel brauche keinen Oberbürgermeister, zu teuer, findet dieser und außerdem kenne er die Kandidaten nicht. Das bestärkt Meyer, der mit einer eigenen Plakat-Werbung zum Wählen aufruft, sich bei Wind und Wetter auf die Straße zu stellen. Auf drei Themen wird er ständig angesprochen: Zuallererst Kiel-Kanal (Meyer lehnt ihn ab): „Da schwanken die Leute zwischen überlegenswerter Vorschlag und absolutem Schwachsinn“, dann die Stadtregionalbahn, die der frühere Kämmerer für nicht finanzierbar hält und die Ebbe in der Stadtkasse. Wer ist das, fragt eine FH-Studentin, als Meyer ihr seinen Flyer in die Hand drückt: „Das bin ich“, antwortet er fröhlich. Die Studentin will gleich wissen, warum sie ihn wählen soll. Das kann der Kandidat nach diversen Vorstellungsrunden aus dem Effeff begründen, wirbt mit seiner Politik-, Führungs- und Verwaltungserfahrung, gibt sich als ehemaliger FH-Student der Betriebswirtschaft zu erkennen.

„Ich mag die Stadt, die Menschen. Ich will gemeinsam mit der Ratsversammlung und Ihnen die Stadt vorantreiben“, ruft der Kandidat am Nachmittag beim nächsten Termin im voll besetzten Café im AWO-Servicehaus in Hasseldieksdamm. Der CDU-Ortsverband hatte zur Kandidaten-Vorstellung eingeladen. Heimleiter Dirk Schneider begrüßt Meyer als Nachbarn. Denn der Christdemokrat lebt gegenüber, sein Sohn (7) ging in die Kita nebenan. Mit 23 Jahren, erinnert er, habe er den Stadtteil für die CDU im Rathaus erobert. Die junge und ältere Generationen will er zusammenbringen, Kiel als Bildungsstandort weiterentwickeln, die Wirtschaft zur Chefsache machen, das knappe Geld als OB gezielt für Sportstätten, Schulen, Kitas ausgeben. „Ich stehe für Realismus, aber auch dafür, langfristige Ziele zu erreichen“, umreißt der ehemalige Kämmerer eine Politik der kleinen Schritte. Keine großen Visionen oder Versprechungen. Ein Mann mit „geradem Charakter“ sei er, bescheinigt ihm die frühere CDU-Oberbürgermeisterin Angelika Volquartz vor den meist älteren Besuchern und Bewohnern. Das sei in der Politik selten.

Wie er sich als Oberbürgermeister der CDU die Zusammenarbeit mit der derzeit rot-grünen Ratsversammlung vorstellt?, fragt ein Gast danach. Eine Frage, die Meyer schon oft beantworten musste: Entscheidend seien überzeugende Argumente. Als Stadtrat unter schwarz-grün und rot-grün habe er immer gute Gespräche mit allen Fraktionen geführt. Und außerdem sei ja bald Kommunalwahl. „Gehen Sie wählen“, legt er den Zuhörern eindringlich ans Herz: Nur so wisse ein Oberbürgermeister, dass viele Menschen hinter ihm stehen. „Ich würde mich natürlich besonders freuen, wenn Sie mich unterstützen“, bittet er am Ende, als die Mitarbeiterinnen beginnen, Butterkuchen zu reichen. Meyer setzt sich an einen der langen Kaffee-Tische. Für den Wahlkämpfer mittlerweile eine vertraute Situation. „Sie sorgen für den Kaffee, ich bringe den Kuchen mit“ hatte er zum Auftakt seiner Wahlkampagne Hausbesuche versprochen und bisher sechs absolviert: „Eine Frau hatte die gesamte Nachbarschaft eingeladen.“

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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