19 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Letzte Hoffnung ist und bleibt das UKSH Kiel

Fall Michelangelo Letzte Hoffnung ist und bleibt das UKSH Kiel

Die Familie des schwerstkranken Michelangelo, die auf der Kinderintensivstation der Berliner Charité dessen siebten Geburtstag begehen wird, kämpft weiter um seine Verlegung ins UKSH Kiel. Michelangelos Mutter, 39, zurzeit krankgeschriebene Lehrerin, wacht jeden Tag am Bett des Jungen.

Voriger Artikel
Atlantic-Hotel bekommt eine kleine Schwester
Nächster Artikel
Eislauf und Sailkarting mit Fördeblick

Sein Schicksal bewegt den Norden: Michelangelo begeht heute auf der Intensivstation in Berlin seinen siebten Geburtstag.

Quelle: hfr

Kiel/Berlin. Am Mittwochabend berichtete sie: „Er hat heute Herzprobleme. Die Ärzte wollen ihm jetzt Betablocker geben. Wenn ich an morgen denke, weine ich nur. Mehr als zwei Personen dürfen nicht im Zimmer sein, also werden wir im Wartebereich zusammen sein können. Der Vater von Michelangelo war heute bei der italienischen Botschaft, er hat dort auch um Hilfe gebeten. Wir wissen einfach nicht weiter!“ Einen Tag vorher hatte sie zuversichtlich geklungen: „Seit Sonnabend bekommt er nun endlich das Medikament, dass Dr. van Baalen von Anfang an zusammen mit der Ketogenen Diät vorgeschlagen hatte. Es wirkt sehr gut. Michelangelo hat deutlich weniger Krämpfe.“

 Wie berichtet, erkrankte der bis dahin als gesund und sehr intelligent beschriebene Junge kurz vor den Sommerferien plötzlich an einer seltenen, schweren Form der Epilepsie (FIRES). Deutschlandweit anerkannter Spezialist für die Behandlung von FIRES-Kindern ist Dr. Andreas van Baalen, Oberarzt der Neurologie und stellvertretender Direktor der Kieler-UKSH-Klinik für Kinder- und Jugendmedizin II. Die Charité hat eine Verlegung des Jungen zu van Baalen befürwortet und zugesagt, den Jungen erneut aufzunehmen, falls die Therapie in Kiel nach zwei bis vier Wochen auf der Intensivstation nicht den erhofften Erfolg bringe. Die durch die lange Komatherapie gesunkenen Heilungschancen werden von den Ärzten unterschiedlich beurteilt.

 Die der UKSH-Klinik für Angeborene Herzfehler und Kinderkardiologie unterstellte Kinderintensivstation lehnt bisher ab. „Wir hatten und haben Kapazitätsengpässe, die einen fast verzweifeln lassen“, hatte Klinikdirektor Prof. Hans-Heiner Kramer im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt. Wegen eines bundesweiten Mangels an qualifizierten Pflegekräften hätten von den nominal 15 Betten der Kinderintensivstation 2016 nie mehr als zehn belegt werden können. Eine gefährliche Pflege dürfe man nicht riskieren. „Das ist unsere ethische Verpflichtung den anderen Patienten und dem Pflegepersonal gegenüber.“ Prof. Ulrich Stephani wollte im selben Gespräch „nicht ganz ausschließen, dass wir in den nächsten Wochen eine Lücke identifizieren können.“ Aber man dürfe der Mutter keine falschen Hoffnungen machen, mahnte der Dekan der Medizinischen Fakultät und Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin II.

 Michelangelos Großvater in Berlin hatte bereits am 8. November an die Berliner Vertretung des Landes Schleswig-Holstein gemailt und auch an die Nordkirche. „Geschätzte Frau Ministerin Alheit und Mitarbeiter, ich richte an Sie flehentlich bittend diesen Appell und ersuche Ihre Hilfe. Mein Enkel, Michelangelo, kann weiterleben, wenn er bei Dr. van Baalen, UKSH, Kiel, behandelt werden kann. Näheres ist seit gestern in den Kieler Nachrichten zu lesen. Bitte erwirken Sie seine Aufnahme!“ Außerdem bat er in einer Rundmail „Euch alle um solidarische Unterstützung“. Ein Freund antwortete gestern: „Kieler Nachrichten ist schon mal gut, soll ich Dich mit Berliner Zeitungen, RBB etc. vernetzen, was darf ich an wen wie weitergeben?“ Er habe, so der Freund, die Schilderungen „einer befreundeten Bundestagsabgeordneten weitergeleitet, deren Ehemann Menschenrechtsanwalt ist“.

 In den letzten Tagen haben vier Neuzugänge die UKSH-Kinderintensivstation belegt, darunter eine werdende Mutter aus Bremen, deren ungeborenes Kind an einer Herz-Fehlbildung leidet.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
UKSH-Stellungnahme
Foto: Michelangelo leidet am Febrile Infection-Related Epilepsy Syndrome.

Erstmals haben im Fall Michelangelo die Direktoren zweier UKSH-Kliniken Stellung genommen. Die Mediziner hatten sich bisher nicht geäußert, weil eine Schweigepflichtentbindung der Kindeseltern gefehlt habe.

  • Kommentare
Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Nachrichten aus Kiel 2/3