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Sie macht Kunst auf Schallplatten

Mimi Lynn aus Kiel Sie macht Kunst auf Schallplatten

Bei Mimi Lynn im Wohnzimmer treffen sich die Beatles mit Pippi Langstrumpf und Bob Marley. Charlie Chaplin ist auch dabei. Eigentlich heißt Mimi Lynn Carolin Lörper. Die 28-Jährige wuchs in der Nähe von Schleswig auf, zog zum Studium nach Kiel und entwickelte hier ihre ganz eigene Kunstform: Stencil-Art auf Schallplatten.

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Mimi Lynn macht Kunst aus Schallplatten. Das Aufwändigste sei das Anfertigen der Schablone. Einige Vorlagen druckt sie aus, andere gestaltet sie selbst und fertigt daraus Schablonen aus Fotopapier an.

Quelle: Frank Peter

Gaarden. Normalerweise werden Stencils (englisch für Schablone) von Graffiti-Sprayern der Street-Art-Szene eingesetzt. „Mir geht es darum, diese Kunst von der Straße ins Wohnzimmer zu holen“, sagt sie. Am kommenden Sonntag stellt sie ihre Kunst auf der Messe „Deine Eigenart“ in der Kieler Halle 400 vor. „Ich möchte wissen, was die Menschen davon halten“, sagt sie.

 Die Idee kam ihr im September vergangenen Jahres auf einem Festival, wo sie ähnliche Kunstwerke sah wie sie jetzt selbst herstellt. „Ich dachte, das müsste auch irgendwie selbst gehen“, erzählt sie. Neben ihrer Arbeit als Bundesfreiwilligendienstlerin in einer Behindertenwerkstatt in Flintbek sammelt die gelernte Tischlerin seitdem stets neue Motiv-Ideen. Dabei lässt sie sich von Stencils der britischen Streetart-Größe Banksy ebenso inspirieren wie von Wünschen aus dem Freundeskreis.

Jedes Exemplar ein Unikat

 Das Aufwändigste am Weg von der Schallplatte zum Kunstwerk sei das Anfertigen der Schablone, sagt Mimi. Einige Vorlagen druckt sie aus, andere gestaltet sie selbst und fertigt daraus Schablonen aus Fotopapier an. Dann geht’s zum Sprayen auf den heimischen Dachboden. Dort lagern Graffiti-Faben und ein Plattenspieler. „Der Hintergrund wird gleichmäßiger, wenn die Platte sich beim Sprühen dreht“, sagt sie. Zuerst gestaltet sie den Hintergrund mit Kreisen oder Spritzeffekten. „Meist mache ich gleich zehn Hintergründe an einem Tag.“ Denn anschließend müssen die Platten ein bis zwei Tage trocknen, bevor mit den Schablonen das Motiv aufgetragen werden kann. Wenn es fertig ist, ist jedes Exemplar ein Unikat, auch wenn Mimi so manche Schablone mehrfach verwendet. „Auch wenn ich eine Platte supertoll finde, bekomme ich sie nie wieder genauso hin“, erzählt sie. Die Ideen gehen ihr nie aus. So experimentiert sie mit nachtleuchtender Farbe, einige Schallplatten funktioniert sie mittels Uhrwerk und Zeigern zur Wanduhr um. „Und ich möchte ausprobieren, ob ich die Platten mit einer Dekupiersäge zuschneiden kann.“

 Das Grundmaterial für ihre Kunst bekam Mimi mit einer Kleinanzeige zusammen. „Zwei Menschen meldeten sich, einer hatte einen ganzen Wäschekorb voller Platten abzugeben“, erinnert sie sich. Bevor sie besprüht werden, sortiert Mimi die Bestände aber gründlich. „Manchmal sind richtige Schätze dabei. Von ACDC oder Pink Floyd. Die bespraye ich natürlich nicht, sondern höre sie lieber selbst.“ Die meisten ihrer Kunstwerke waren einst Schlagermusikträger. Aber auch auf ihnen geht die Musik nicht ganz verloren, denn Mimi färbt stets nur eine Seite ein. „Es hat auch schon jemand ausprobiert, ob die andere Seite noch funktioniert. Das soll klappen.“

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