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Eine Einladung zum Gespräch

Minarett-Bau in Kiel-Gaarden Eine Einladung zum Gespräch

Freundschaftlich, gelassen, entspannt und frühlingshaft: Das Klima im Stadtteil Gaarden hätte kaum besser sein können beim offiziellen Baubeginn für das Minarett der Großen Moschee (Ulu Camii) in der Elisabethstraße. In etwa vier Monaten soll das Bauwerk fertiggestellt sein.

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Imam Abdurrahman Latiföglu, Religionsattaché Cahit Kücükyildiz, Landtagsvizepräsident Bernd Heinemann und der Moscheevereinsvorsitzende Mustafa Bayraktar (von links) bei der Fundamentlegung für das neue Minarett.

Quelle: Martin Geist

Kiel. Von einem „historischen Ereignis“ sprach Mustafa Bayraktar, der Vorsitzende des Moscheevereins. Und zugleich von unerwartet viel Interesse an dem Bauvorhaben. Eigentlich hätte nach seinen Worten erst die Einweihung groß gefeiert werden sollen, nun habe sich wegen der zahlreichen Nachfragen schon der Start des Baus zu einem beachtlichen Ereignis ausgewachsen.

 Bayraktar hob hervor, dass die Anregung, den 24 Meter hohen und voraussichtlich gut 60 000 Euro teuren Turm zu bauen, immer wieder gerade auch von deutschen Besuchern des traditionell sehr offenen islamischen Gotteshauses die Anregung kam, mit einem Turm auf den Charakter des von außen sehr schlichten ehemaligen Gewerbegebäudes am unteren Ende der Elisabethstraße hinzuweisen. Eine Moschee ohne Minarett, so habe es oft geheißen, sei wie eine Kirche ohne Kirchturm.

 Cahit Kücükkyildiz, der Religionsattaché des türkischen Generalkonsulats, würdigte derweil den Minarettbau als „ein Zeichen, dass wir hier heimisch geworden sind“. Dass einmal am Tag der Ruf zum Mittagsgebet erschallen soll, soll zudem nach seinen Worten nicht nur als Aufforderung an die Gläubigen verstanden werden. Dies sei auch eine „Einladung zum Gespräch mit unseren nichtmuslimischen Nachbarn“.

 Als Ausdruck gelebter und gewollter Vielfalt wertete Landtagsvizepräsident Bernd Heinemann das entstehende Minarett, und Stadtrat Gerwin Stöcken berichtete, dass die Ankündigung dieses Vorhabens auch Kritik und Ablehnung hervorgerufen habe. Denen, die sich im Rathaus darüber beschwerten, hielt er entgegen: „Auch Muslime sind Kielerinnen und Kieler. Wer hier lebt und sich einbringt, soll das Recht haben, seine Religion im von der Verfassung vorgegebenen Rahmen auszuüben.“

 In Gaarden selbst wird die Angelegenheit fast ohne jede Aufregung, aber sehr aufmerksam zur Kenntnis genommen. Was sich schon daran zeigte, dass gestern zahlreiche Vertreter der örtlichen Kirchengemeinden dabei waren und ebenso eine ganze Reihe von Anwohnern. Mehr als nur präsent war Mona Inzak vom Wohnungsunternehmen KIV. Sie überreichte für den ausschließlich über Spenden finanzierten Minarettbau einen Scheck über 500 Euro. Schließlich seien etwa ein Drittel der 4000 KIV-Mieter von türkischer Herkunft, da sei eine solche Geste auch als Dank für die oft schon jahrzehntelange Treue zur KIV durchaus angebracht.

 Erstmals vorgestellt wurde die Idee, in der Elisabethstraße ein zur Werftstraße hin ausgerichtetes Minarett zu bauen, schon Ende 2011. Verzögert hatte sich das Projekt dann unter anderem, weil komplett umgeplant werden musste. Aus Kostengründen wurde die ursprünglich vorgesehene Stahlbauweise fallengelassen, stattdessen gibt es eine gemauerte Version, die übrigens auch neue Ansichten auf Kiel ermöglicht: Das Minarett wird begehbar sein.

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