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Die Wut des Vaters dauert an

Missbrauchsfälle in Gaarden Die Wut des Vaters dauert an

Der sexuelle Missbrauch von zwei kleinen Mädchen in Kiel-Gaarden hat Menschen in ganz Deutschland schockiert, die Rolle von Staatsanwaltschaft, Polizei und städtischem Gesundheitsamt viele Fragen aufgeworfen. Jetzt äußert sich der Vater zu dem Fall.

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„Warum reicht es nicht aus, dass er ein Kind missbraucht, um ihn wegzusperren?“ Thorsten K., dessen Tochter am 31. Januar Opfer eines Sexualverbrechens wurde, kann die Erklärungen der Behörden nicht nachvollziehen.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Am Sonntag sind seit dem Vorfall drei Wochen vergangen. Der 31. Januar 2015 hat das Leben der kleinen Melanie (Name geändert), das Leben ihrer Eltern für immer verändert.  Während Kinderpsychologen versuchen, den traumatischen Übergriff mit der Siebenjährigen aufzuarbeiten und das Erlebte erträglich zu machen, haben sich die Ereignisse tief in das Bewusstsein des Vaters eingebrannt. „Es war ein ganz normaler Sonntag“, sagt Thorsten K. „Wir haben gemeinsam mit der Familie gefrühstückt, danach wollte meine Kleine mit ihrer Cousine, die gerade zu Besuch war, auf den Spielplatz. Warum auch nicht, es ist ja gleich um die Ecke.“ Gegen halb 12 seien die beiden Mädchen losgelaufen – nicht einmal 45 Minuten später kommt die Cousine allein zurück. „Sie sagte, ein fremder Mann sei auf dem Spielplatz aufgetaucht und habe Melanie eine Puppe versprochen, wenn sie ihm folge.“

Die Siebenjährige kannte den Mann

Die Siebenjährige folgte. „Der 30-Jährige war kein Unbekannter für meine Tochter“, berichtet Thorsten K.. Melanie kannte den Mann: „Er wohnte doch früher fast Tür an Tür mit uns, er war mit seinen Kindern immer auf demselben Spielplatz, wir alle kannten seine Familie, im Sommer haben wir sogar zusammen gegrillt. Meine Schwester war damals auf seiner Hochzeit eingeladen.“ Der Vater hätte sich nie vorstellen können, dass der 30-Jährige dazu in der Lage ist, ein Kind sexuell zu missbrauchen. Wie hätte es seine kleine Tochter können...

Thorsten K.’s Frau alarmiert die Polizei. „Drei bis vier Streifenwagen sind sofort los, haben nach meiner Kleinen gesucht – und sie schnell gefunden. Sie war wie in Trance, als hätte sie drei Promille Alkohol im Blut“, sagt der Vater. Benommen und verwirrt sei sein Kind gewesen. „Die Beamten haben sie sofort in die Klinik gebracht, wo Melanie notoperiert wurde. Am nächsten Tag hat sie den Täter beschreiben können, der wenig später auch festgenommen wurde.“

Drei Wochen später geht es Melanie schon etwas besser. „Sie spielt schon wieder mit Freunden, lacht auch mal wieder“, sagt Thorsten K.. Körperlich werden die Wunden heilen. „Sie wird irgendwann ganz normal Kinder bekommen können.“ Dennoch ist an Alltag nicht zu denken: „Bestimmte Straßen und Plätze müssen wir meiden, dann will sie nicht weitergehen, bekommt Angstzustände, beginnt zu weinen.“ Und auch andere Kinder machen es der Erstklässlerin nicht leicht. „Sie wird gefragt, was denn genau und wie es passiert sei“, berichtet der Vater.

"Man kann ihm keine Vorwürfe machen"

Thorsten K. ist wütend, in seinen Grundfesten erschüttert, seitdem er von den Hintergründen weiß. Von der ersten Tat im Kindergarten Anfang Januar, von den verzweifelten Versuchen der Mutter des Tatverdächtigen, Hilfe bei den Behörden zu bekommen. „Wo bleibt unser Rechtsstaat? Warum reicht es nicht aus, dass er ein Kind missbraucht, um ihn wegzusperren? Wie kann eine Staatsanwaltschaft sagen, diese Tat würde als Beweis nicht ausreichen? Und warum hat man es nicht wenigstens versucht?“ Fragen, die im Hinterkopf des Mannes während seines Arbeitstages kreisen. „Ich finde nur keine Antworten.“ Was in ihm wächst, sei die Wut, gemischt mit Resignation, wie der 46-Jährige selbst sagt. „Streng genommen kann man dem Täter gar keine Vorwürfe machen. Er ist krank – und man hat ihm die Chance gelassen, noch einmal zuzuschlagen.“

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Ein Artikel von
Bastian Modrow
Lokalredaktion Kiel/SH

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Foto: Der mutmaßliche Täter wurde in die Psychatrie eingewiesen.

Der 30-Jährige, der zwei Mädchen in Gaarden missbraucht haben soll, ist in die forensische Psychiatrie in Neustadt (Kreis Ostholstein) eingewiesen worden. Das teilte am Donnerstag die Oberstaatsanwältin Birgit Hess den Kieler Nachrichten mit. Grund sei das Verhalten des Mannes in der Untersuchungshaft gewesen.

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