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„Er hat mein Leben kaputt gemacht“

Missbrauchsprozess „Er hat mein Leben kaputt gemacht“

Mehr als fünf Jahre dauerte es, bis sich die heute 25-jährige Frau zu einer Strafanzeige gegen ihren Stiefvater wegen sexuellen Missbrauchs durchrang. Sieben Jahre alt war das Mädchen, als der neue Partner ihrer Mutter in der gemeinsamen Wohnung erstmals Hand an es legte.

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Mehr als fünf Jahre dauerte es, bis sich die heute 25-jährige Frau zu einer Strafanzeige gegen ihren Stiefvater wegen sexuellen Missbrauchs durchrang.

Quelle: Arne Dedert/dpa

Kiel. Jetzt wurde der 45-jährige Briefzusteller von einem Schöffengericht nach zweitägigem Prozess zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt.

Neben drei einfachen Fällen von sexuellem Missbrauch ahndet das Urteil auch zwei schwere Übergriffe, die mit dem Eindringen in den Körper verbunden waren. Die abgeurteilten Taten waren nur die Spitze des Eisbergs. Bis die Nebenklägerin mit 18 Jahren die elterliche Wohnung verließ, fühlte sie sich immer wieder bedrängt. Mehr als zehn Jahre lang soll sie Übergriffe erduldet haben.

 Ihre Mutter, die sie zum Gericht begleitete, will davon nichts bemerkt haben. „Mama, du hast ein Monster geheiratet!", hatte ihr die Zeugin 2009 nach ihrem Auszug in einem Brief geschrieben, den sie aus Angst lange zurückgehalten hatte. Im Prozess diente er als belastendes Indiz. Den Angeklagten bezeichnet die Nebenklägerin als unberechenbar.

Doppelter Beistands durch Anwältin und Zeugenbetreuerin

 Zunächst wollte es die Mutter nicht glauben, als sich die Tochter ihr endlich offenbarte und im Juni 2014 Anzeige erstattete. Inzwischen hat sie sich vom Angeklagten getrennt. Die Tochter litt als Zeugin vor Gericht sichtlich unter der zweitägigen Vernehmung - trotz doppelten Beistands durch ihre Anwältin und eine Zeugenbetreuerin.

 Der Angeklagte musste während ihrer Aussage den Saal verlassen und wurde anschließend von der Vorsitzenden über die Inhalte informiert. „Er hat mein Leben kaputt gemacht", sagte die Zeugin vor Gericht. „Ich werde ihn immer hassen." Immer wieder hatten die traumatischen Kindheitserlebnisse Partnerschaften der jungen Frau belastet. Mehrere Beziehungen gingen in die Brüche. Heute ist sie selbst Mutter zweier Kinder, lebt mit ihrem Lebensgefährten einen stabilen Alltag.

 Nach einem Teilgeständnis des Angeklagten, der nur drei leichte Fälle einräumte und den schweren Missbrauch vehement bestritt, plädierte sein Verteidiger auf eine Bewährungsstrafe. Doch das Gericht folgte dem Antrag der Staatsanwältin und der Nebenklage. Äußerlich emotionslos nahm der nicht vorbestrafte Mann die Urteilsbegründung entgegen. Die Verteidigung will Berufung einlegen.

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