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Freispruch für Ex-Olympia-Trainer bestätigt

Missbrauchsprozess Freispruch für Ex-Olympia-Trainer bestätigt

Auch in zweiter Instanz ist ein ehemaliger Schwimmtrainer (44) der Kieler SV Neptun vom Vorwurf des sexuellen Missbrauchs einer jungen Schwimmerin freigesprochen worden. Bereits vor drei Jahren sprach ihn ein Schöffengericht frei. Die Staatsanwaltschaft und die Nebenklägerin legten damals Berufung ein.

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Es ist bereits der dritte Prozess gegen den Mann. Der erste Anlauf war Ende 2012 geplatzt.

Quelle: Angelika Warmuth/dpa (Archiv)

Kiel. Am Donnerstag hat das Kieler Landgericht das Rechtsmittel als unbegründet verworfen.

Der promovierte Sportwissenschaftler, der 2012 als Olympia-Schwimmtrainer in London eingesetzt wurde, habe zwischen August 2004 und März 2006 zweifellos sexuelle Kontakte zu der anfangs 16-jährigen Schülerin gehabt, stellte der Vorsitzende Gunther Döhring in der Urteilsbegründung fest. Dies möge moralisch verwerflich sein, strafbar sei es in diesem Fall aber nicht.

Setzte der Trainer bewusst die Abhängigkeit einer Schutzbefohlenen als Mittel ein, um sie sich gefügig zu machen? Dies habe die sechstägige Beweisaufnahme nicht mit der erforderlichen Sicherheit ergeben, sagte der Vorsitzende. Das Gericht könne ein Liebesverhältnis als Grundlage nicht ausschließen und folge damit dem Gutachten eines psychologischen Sachverständigen.

Als Beleg zitierte der Richter mehrere E-Mails, die die junge Frau dem Angeklagten im Sommer 2007 geschickt hatte. „Ich freue mich schon so auf dich“, hatte die 19-Jährige geschrieben. Er habe sie „seit dreieinhalb Jahren unsagbar glücklich gemacht“. Laut Urteil berichtete ihr Vater als Zeuge, die damals 16-Jährige sei 2004 „euphorisch“ aus einem gemeinsamen Kreta-Urlaub mit dem Trainer zurückgekehrt.

Laut Anklage hatte der Trainer sich dort erstmals im Hotel an dem alkoholisierten Mädchen vergangen, während seine ebenfalls anwesende Freundin sich am Waschbecken übergeben musste. Staatsanwältin Barbara Gradl-Matusek forderte wie in erster Instanz zwei Jahre Freiheitsstrafe auf Bewährung wegen sexuellen Missbrauchs einer Schutzbefohlenen in 18 Fällen. Sie will jetzt eine Revision beim Bundesgerichtshof prüfen.

Die Rechtsanwältin der Nebenklägerin, Charlotte Spieler, kritisierte das Urteil: Die Kammer habe zur Entlastung des Trainers spätere Äußerungen ihrer Mandantin vom Sommer 2007 herangezogen. Da sei die junge Frau längst volljährig gewesen. Nachdem der Trainer 2008 die Beziehung beendet habe, sei sie in eine tiefe Krise gestürzt. 2009 erstattete sie Anzeige wegen Missbrauchs.

Mit Sicherheit sei sie früher abhängig gewesen, sagt Rechtsanwältin Spieler. Der Mann habe sie trainiert und angeleitet, seit sie zwölf Jahre alt war – auch außerhalb des Schwimmbetriebes. So habe er Essenspläne erstellt und Einfluss auf Freizeitverhalten, Freundeskreis, Bekleidung und Frisur genommen – und die strenge Geheimhaltung ihrer Beziehung verlangt. Stets habe sie seine Forderungen erfüllt.

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Missbrauchsprozess
Foto: Ein Ex-Olympia-Schwimmtrainer steht in Kiel vor Gericht.

Im Missbrauchsprozess gegen einen früheren Olympia-Schwimmtrainer werden am Donnerstag vor dem Kieler Landgericht die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung erwartet. Ob am Nachmittag auch schon das Urteil verkündet wird, ist nach Angaben eines Gerichtssprechers offen.

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