18 ° / 13 ° Regenschauer

Navigation:
Kiel schreibt Inklusionsgeschichte

Modellprojekt an der Universität Kiel schreibt Inklusionsgeschichte

Ein bundesweit beispielhaftes „Kieler Modellprojekt“ macht weiter Karriere: Fünf junge Menschen mit einer Behinderung halten Vorlesungen und Seminare an Hochschulen. Für diese Aufgabe sind sie nun am Institut für Inklusive Bildung fest angestellt.

Voriger Artikel
Stadtpolitiker wollen nachbessern
Nächster Artikel
Ringen um den Plüschowhafen

Großer Auftritt vor großem Auditorium: Im Januar 2016 hielten Marco Reschat und Isabell Veronese an der Kieler Universität ihre erste Vorlesung vor fast 300 Lehramtsstudierenden zum Thema Inklusion.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Jetzt wird die einstige gemeinnützige GmbH der Stiftung Drachensee akademisch „geadelt“: Sie fungiert künftig offiziell als angegliedertes Institut der Kieler Universität. Wie berichtet, fand das in Kiel entwickelte Projekt sogar international Beachtung von Wien bis Manchester (siehe zusätzlicher Text). Das Besondere daran: Menschen mit körperlichen oder psychischen Handicaps wurden zunächst drei Jahre lang als Inklusionsexperten ausgebildet. Schon während ihrer Ausbildung gaben sie ihr Wissen und ihre Erfahrungen in mehr als 70 Veranstaltungen – zum Beispiel in Form von Seminaren oder Vorlesungen – an Studierende (Lehramt, Pädagogik) weiter.

Es handelt sich nicht um ein Sozialprojekt

Das Ziel dabei: Angehende Pädagogen sollen von ihnen aus erster Hand erfahren können, was menschlich oder auch rechtlich wichtig ist, um eine möglichst selbstverständliche Augenhöhe von Menschen mit und ohne Handicap zu erreichen. Diese Arbeit der Bildungsfachkräfte wird nun durch sozialversicherungspflichtige Jobs am Institut für Inklusive Bildung mit seiner engen Anbindung an die Universität stark aufgewertet. „Dabei handelt es sich nicht um ein Sozialprojekt. Unsere Mitarbeiter sind jetzt Teil des Wissenschaftsbetriebs“, betonte der Mitinitiator des Projekts Dr. Jan Wulf-Schnabel.

Uni-Vizepräsidentin Prof. Ilka Parchmann sah das genauso: „Durch das neue An-Institut rückt das Thema Inklusion bei uns erstmals in den Fokus von Lehre und Forschung.“ Zunächst gelte dies für Pädagogik- und Lehramtsstudiengänge, später könnten aber auch Studierende andere Fächer vom Wissen der Bildungsfachkräfte profitieren. Finanziert wird das Institut mit seinen derzeit fünf Mitarbeitern vom Land, das rund 1,25 Millionen Euro für die kommenden drei Jahre zur Verfügung stellt. Wissenschafts-Staatsekretär Rolf Fischer kündigte eine Anschlussfinanzierung über die Dreijahresfrist hinaus an: „Denn wir wollen die Arbeit der Bildungsfachkräfte zum Thema Inklusion auch langfristig sicherstellen.“

Ein "echter Meilenstein"

Nach Fischers Einschätzung bedeute dies einen „echten Meilenstein“ sowohl für die Hochschullandschaft als auch für die Menschen mit einer Behinderung. „Meiner Kenntnis nach ist dies in Deutschland bislang beispiellos. Insofern schreiben wir jetzt Hochschul- und Inklusionsgeschichte gleichermaßen.“

Auch Jan Wulf-Schnabel hielt den Karrieresprung seiner Bildungsfachkräfte von den Drachensee-Werkstätten in den ersten Arbeitsmarkt für eine Erfolgsgeschichte. Mit dem Institut etabliere sich nun ein völlig neues Bildungsverständnis. „Es wird nun institutionalisiert, dass Menschen mit Behinderungen selbst-kompetent zu Wort kommen, statt nur über sie zu reden.“ Dass das Institut nun offiziell zur Kieler Universität gehört, hätte Wulf-Schnabel nie für möglich gehalten: „Es ist eine große Ehre und viel mehr als das Sahnehäubchen zum Abschluss.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Jürgen Küppers
Lokalredaktion Kiel/SH

Kieler Förde

Schiffspositionen in
der Kieler Förde, dem
NOK und der Ostsee.

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Kiel 2/3