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Neuer Anlauf gegen Wohnungslosigkeit

Modellprojekt Neuer Anlauf gegen Wohnungslosigkeit

Für etwa 700 Männer und Frauen persönliche Probleme dazu, dass sie ihre Wohnungen verloren, nachdem sie ihre Mieten nicht mehr gezahlt hatten. Um ihre Chancen auf dem Mietwohnungsmarkt zu erhöhen, starteten der Eigentümerverein Haus&Grund und die Stadtmission ein bundesweit beachtetes Modellprojekt.

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Sönke Bergemann, Geschäftsführer von Haus & Grund, Karin Helmer, Geschäftsführerin der Stadtmission, und Reiner Braungard, Projektmanager (v.li.), bei der Unterzeichnung des Kooperationsvertrages.

Quelle: Sven Janssen

Kiel. Das Projekt fördert das Innenministerium mit 60000 Euro.

 Die Einrichtung einer Wohn-Kontakt-Stelle sehen Sönke Bergemann, Geschäftsführer von Haus&Grund, Karin Helmer, Geschäftsführerin der Stadtmission, und Projektleiter Reiner Braungard von der Stadtmission als Gewinn für beide Seiten: Der Eigentümerverein (derzeit 11300 Mitglieder) wirbt bei privaten Vermietern, sich auch für solche oft als schwierig empfundenen Mieter zu öffnen. In dem in dieser Woche abgeschlossenen Kooperationsvertrag sichert die Stadtmission nicht nur zu, die entsprechenden Wohnungen anzumieten, sodass die Vermieter kein finanzielles Risiko eingehen, sondern auch die Mieter zu begleiten. „Hotels und Übergangseinrichtungen dürfen nicht zu Dauereinrichtungen werden“, formuliert Helmer als langfristiges Ziel. Wohnungslose sollen wieder Fuß auf dem Wohnungsmarkt fassen.

 Wie das Projekt unter dem Titel „Halt finden – ein Zuhause braucht jeder“ funktioniert, erklärt Braungard: Haus&Grund nennt freie Wohnungen von interessierten Privatvermietern, die Stadtmission wiederum schlägt Mieter vor, um die sie sich kümmert, auch wenn sich Nachbarschaftskonflikte anbahnen. „Wir vermitteln die passenden Mieter und sorgen anschließend für ein stabiles Mietverhältnis“, verspricht die Stadtmission. Die Wohn-Kontakt-Stelle sei mit allen relevanten sozialen Diensten in Kiel vernetzt und so in der Lage, bei jeder Schwierigkeit die passenden Hilfen zu finden. Auch die Prävention spielt demnach eine wichtige Rolle. „Wir wollen mit unserer Fachkompetenz möglichst frühzeitig eingreifen, noch vor Räumungsverfahren, und kümmern uns um die Menschen, bis sich das Mietverhältnis stabilisiert“, so Braungard.

 Bergemann lobt die Idee der Kooperation, örtliche Netzwerke zu bilden: Dem Projekt steht ein Beirat zur Seite, dem neben Haus&Grund und der Stadtmission auch die Stadt, das Innenministerium, das Diakonische Werk und ein Wissenschaftler angehören. Da sich die Stadtmission um alleinstehende Männer und Frauen kümmert, sucht sie in der Regel kleine Ein- bis Zwei-Zimmer-Wohnungen zwischen 30 und 40 Quadratmetern. „Wir freuen uns aber auch über Vermieter, die uns größere Wohnungen für Wohngemeinschaften anbieten“, betont Helmer.

 Dass dieser Weg, den die Bundesverbände von Haus&Grund und der Wohnungslosenhilfe als modellhaft propagieren, Wohnungslosigkeit mildern und die seit fünf Jahren sprunghaft angestiegenen Zahlen senken kann, davon sind alle überzeugt. Seinen Optimismus erklärt Bergemann mit den bisher positiven Erfahrungen, die der Eigentümerverein bereits mit Mietverträgen für Flüchtlinge gemacht hat. Etwa 2000 anerkannte Asylbewerber fanden so eine dauerhafte Bleibe. Mehr als 6000-mal wurde der entsprechende Mietvertrag bereits online heruntergeladen. Erste konkrete Angebote von Kieler Vermietern gibt es bereits.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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