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Kämpfe am Kieler Himmel

Möwen Kämpfe am Kieler Himmel

Das sieht gefährlich aus: Mit ihrem kräftigen Schnabel hat die Silbermöwe in Kiel einen Artgenossen fest im Würgegriff. Es scheint so, als ginge es um Leben und Tod. Doch der Schein trügt, und nach langem Gezerre kann die obere Möwe ihren Hals aus der Schlinge ziehen.

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Nach langem Kampf flog der Eindringling schließlich davon.

Quelle: Volker Rebehn

Kiel. „Es handelt sich dabei um typische Revierkämpfe bei Silbermöwen“, sagt Prof. Stefan Garthe, Leiter der Arbeitsgruppe „Ökologie mariner Tiere“ am Forschungs- und Technologiezentrum Westküste in Büsum. Tiere, die nicht miteinander verpaart sind, würden sich beziehungsweise ihr Territorium verteidigen, wenn sie einander zu nahe kommen. Dies gelte besonders, wenn sie ein Nest besitzen und noch nicht flugfähige Jungvögel aufziehen. Dieses Revierverhalten könne von einfachem Drohen bis hin zu aggressiven Interaktionen (Attacken) reichen. Es soll letztlich nur den nicht dort wohnenden Artgenossen vertreiben.

 „Für uns Menschen sieht das gefährlich aus“, erläutert Prof. Garthe weiter. Durch diesen typischen Katalog an Verhaltensweisen würden die Tiere vermeiden, sich „unnötig“ zu töten. Ein Kampf auf Leben und Tod innerhalb einer Möwenart passiere so gut wie nie. In der Regel gebe eines der Individuen – in der Regel das schwächere beziehungsweise der Eindringling – dann auf. So erging es wohl auch dem Eindringling auf dem Foto, der nach einer Weile das Weite suchte.

 Möglich, dass er nicht weit entfernt erneut bei einem Artgenossen „angeeckt“ ist. Denn auch für Möwen scheint es in den Städten eng zu werden. Nach Schätzungen der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Schleswig-Holstein leben derzeit allein in Kiel bis zu 1000 Möwenpaare fünf verschiedener Arten vor allem auf Flachdächern. In der Stadt ist das Nahrungsangebot für die Tiere größer als auf den intensiver genutzten landwirtschaftlichen Flächen.

 Der Müll der Großstadt und das Füttern garantieren hier einen reichlich gedeckten Tisch. Allerdings bereitet der „Schiet“ der Möwen auch Ärgernisse. Die Strandabschnitte der Kieler Förde, die Brutgebiete früherer Jahre, fliegen die Möwen heute kaum noch an.

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Möwen in Kiel
Foto: Es werden tatsächlich immer mehr: So wie hier am Bootshafen haben Möwen die Lufthoheit über Kiel. Die Beschwerden häufen sich.

Sie sind fliegende Wahrzeichen des Nordens, aber jetzt fühlen sich vor allem Innenstadtkaufleute und Gastronomen von den vielen Möwen mächtig genervt. Sie klagen über Belästigungen von Gästen durch gierige Schnäbel oder den fast aussichtslosen Kampf gegen den Möwenschiet auf Fensterscheiben oder Gehwegen. Die Stadt kann den Ärger zwar verstehen, aber aus ihrer Sicht kaum etwas gegen den Möwenalarm unternehmen.

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