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„Wie in Spanien vor 40 Jahren“

Müllprobleme in Gaarden „Wie in Spanien vor 40 Jahren“

Eigentlich wollte der Ortsbeirat nur kurz darüber reden, wann man sich unter dem Motto „Sauberes Gaarden“ trifft, um im Stadtteil Abfall an Wegesrändern und in öffentlichen Grünflächen zu sammeln. Doch dann wurde daraus eine einstündige Grundsatzdiskussion über die allgegenwärtige Verschmutzung.

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Behelfsweise angebrachter Müllsack in der Nähe des Kinderhauses am Mühlenteich. Teils scheinen auch fehlende Abfallkörbe das Problem zu sein.

Quelle: Martin Geist

Gaarden. Gerade Kinder auf dem Weg zur Schule oder zum Kindergarten wurden offenbar mit dem Problem konfrontiert. „Viel zu viel“ des Mülls liege am Steinmarderweg herum, klagte Reinhild Gotsch, die Leiterin des dortigen Kinderhauses der Arbeiterwohlfahrt (Awo). Kaum besser sieht es nach ihrer Darstellung im Umfeld des städtischen Kindergartens neben der Schwimmhalle aus, und erst recht traurig sei das Bild am Mühlenteich, wo die Awo ebenfalls ein Kinderhaus betreibt.

Dessen Leiterin Inge Wölwer bestätigte das und machte aus ihrer Betroffenheit keinen Hehl. Kinder mit der Erfahrung aufwachsen zu lassen, dass auf Schritt und Tritt Müll herumliegt, das allein ist auch nach Meinung ihrer Kollegin Gotsch schon ein Unding. Und außerdem: „Wie sollen wir den Kleinen beibringen, dass man Abfall nicht einfach wegwirft, wenn es doch die Erwachsenen immer wieder tun?“

Unschöne Bilder bieten sich auch entlang des Fußwegs zwischen der Helmholtzstraße und der Hans-Christian-Andersen-Stadtteilschule. Das Problem dort ist, dass sich das betreffende Grundstück in Privatbesitz befindet und die Freiwilligen der Aktion „Sauberes Gaarden“ gar nicht tätig werden dürfen. Ebenfalls in den Unmut mit ein stimmte Ortsbeirat Rolf Schrem (Linke). Unterhalb der Gaardener Brücke, so befand er, „sieht es aus wie in Spanien vor 30 oder 40 Jahren“.

Zugehört hat bei dieser Sitzung auch Marion Voß vom Abfallwirtschaftsbetrieb Kiel (ABK). Sie betonte, dass ihr Unternehmen schon jetzt an vielen Stellen des Stadtteils weit häufiger sauber macht als eigentlich vorgesehen. Dies gehe allerdings zu Lasten aller Gebührenzahler und könne nicht endlos ausgeweitet werden. Beim Ortsbeirat stößt das Argument auf Verständnis, zugleich beharrt er aber darauf, dass das Problem mit größerer Entschlossenheit angegangen werden muss. Man müsse Wege finden, um den Müllsündern die „nötige Nachsozialisation“ zukommen zu lassen, sagte Edina Dickhoff (Grüne) und gab zu, selber keine entsprechende Lösung aus dem Hut zaubern zu können.

SPD-Ratsherr Michael Schmalz forderte derweil, die Vermieter von im Außenbereich besonders vermüllten Häusern finanziell in die Pflicht zu nehmen. Irgend etwas jedenfalls müsse passieren, denn „durch Nichtstun wird auch nichts besser“. Einig war man sich am Ende, dass weiter Gesprächsbedarf besteht. Stadträtin Renate Treutel, eigentlich für Jugend, Bildung und Kreative Stadt zuständig, sicherte zu, die ungute Situation im Rathaus zur Sprache zu bringen. Zugleich sprach sie sich dafür aus, alle zuständigen Stellen an einen Tisch zu bringen, um Ideen zu entwickeln. Ziel müsse es sein, nicht immer hinterher zu räumen, sondern die Verursacher des Mülls wirksam zur Räson zu bringen.

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