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Bilder sollen Erinnerungen wachrufen

Munitionsdepot Hasselfelde Bilder sollen Erinnerungen wachrufen

Bernd Jüttner zeigt Fotos vom ehemaligen Munitionsdepot in Hasselfelde. Er kämpft damit für eine Öffnung des Areals, das erst seit zehn Jahren für die Öffentlichkeit zugänglich ist – und seit einiger Zeit vom Fördewanderweg durchschnitten wird.

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Bernd Jüttner (67), gebürtiger Neumühlen-Dietrichsdorfer und freischaffender Architekt, hat Spundwandfragmente des ehemaligen Munitionsdepots am Ufer von Hasselfelde fotografiert und stellt die Bilder bis Sonntag, 26. Juni, im Industriemuseum Howaldtsche Metallgießerei aus.

Quelle: Volker Rebehn

Kiel. Über ein Jahrhundert war das Gebiet Hasselfelde an Neumühlen-Dietrichsdorfs Küste für die Öffentlichkeit gesperrt. Seit zehn Jahren ist der Strand wieder für alle frei, und auch der Fördewanderweg führt seit einiger Zeit von dort weiter am Ufer entlang Richtung Mönkeberg. Abgeriegelt blieb aber das weitläufige Uferareal vor dem Gemeinschaftskraftwerk Kiel (GKK), wo einst ein Munitionsdepot angesiedelt war. Der für 2018 vorgesehene Abbruch des Kraftwerks könnte eine große Gelegenheit bieten, zumindest eine Teilfläche dieses Areals wieder für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das regt Bernd Jüttner, freischaffender Architekt und geborener Neumühlen-Dietrichsdorfer, an.

„Jetzt ist der Zeitpunkt ideal, sich darüber konkret Gedanken zu machen“, sagt Bernd Jüttner. Seine Idee: Wenn das 1970 in Betrieb genommene Kohlekraftkraftwerk bis Ende 2018 wie geplant durch ein Gasmotorenkraftwerk ersetzt worden ist, sollte zumindest eine kleine Fläche des insgesamt 14 Hektar großen Grundstücks öffentlich genutzt werden. Seiner Meinung nach könnte dann die Lücke des Fördewanderweges zwischen Hasselfelde und der Schwentinemündung geschlossen werden.

Betonkolosse als Kletterwände

Zudem kann sich Jüttner vorstellen, zwei gut sieben Meter hohe und im Grundriss etwa vier mal vier Meter messende Betonkolosse als Kletterwände herzurichten. Das würde den Strandbesuch noch attraktiver machen. Die Kolosse waren einst Zementanker, die schon vor dem Ersten Weltkrieg auf den Grund des Kieler Hafens, etwa in Höhe der Reventlou- und Blücherbrücke, versenkt wurden. Diese waren über Stahlketten mit auf der Wasseroberfläche schwimmenden Bojen verbunden. Vor allem Kriegsschiffe haben dort festgemacht. Mit dem Bau der großen Werftdocks wurden die Anker gehoben und an Land gehievt.

Eine Fahrradtour an die Hasselfelder Küste vor zwei Jahren weckte bei Bernd Jüttner Kindheitserlebnisse. Der 67-Jährige erinnert sich, wie er und andere Stadtteilkinder das im Zweiten Weltkrieg völlig zerbombte, mit Munition und Blindgängern verseuchte Gelände als Abenteuerspielplatz entdeckten. Das Gebiet war eingezäunt, das Betreten verboten. Doch die Kinder fanden Schlupflöcher und entdeckten das Trümmerparadies mit Tümpeln (Bombentrichter) und Kletterruinen für sich. „An den Krieg haben wir damals natürlich nicht gedacht“, sagt Bernd Jüttner.

Fahrradtour als Inspiration

Bei der Fahrradtour war das anders. „Die Farben der Spundwandfragmente des ehemaligen Munitionsdepots leuchteten mich an“, sagt Bernd Jüttner. Er fotografierte diese Momente und entschloss sich, die Bilder in einer Ausstellung zu zeigen. Die läuft noch bis Sonntag, 26. Juni, von 14 bis 16 Uhr im Industriemuseum Howaldtsche Metallgießerei und endet mit einer Finissage (Beginn 20 Uhr) bis zum Kieler-Woche-Abschlussfeuerwerk. Der Eintritt ist frei.

Seine Bilder sollen zum einen eine Erinnerungskultur wachrufen. In der historischen Aufarbeitung der Neumühlen-Dietrichsdorfer Stadtteilgeschichte gebe es seiner Meinung nach vor allem in der Zeit von 1864 bis 1945 Defizite. Die Spundwandfragmente und die beiden Betonkolosse könnten dabei als „Erinnerungsmahnmale“ dienen. Zum anderen könnte eine stadtplanerische Diskussion angeregt werden, die das Gebiet des ehemaligen Munitionsdepots einschließlich Spundwand und Strand einbezieht. Ein guter Rahmen sei für Bernd Jüttner das Städtebauförderprogramm Soziale Stadt. Darin wird zurzeit untersucht, ob und wenn ja wie, Neumühlen-Dietrichsdorf nachhaltig positiv entwickelt werden kann (wir berichteten). Das Fördergebiet umfasst im Kern das Ober- und Unterdorf sowie den Bereich zwischen Masurenring und Poggendörper Weg. „Der Küstenbereich Hasselfelde gehört unbedingt dazu“, plädiert Bernd Jüttner für eine Erweiterung des Fördergebietes.

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