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Mehr als bloß gucken

Museen am Meer Mehr als bloß gucken

Das Konzept mit kindgerechten Angeboten in den acht Häusern des Verbundes Museen am Meer ging offenbar auf. Scharenweise strömten Familien am Sonntag schon kurz nach Öffnung der Museen in die Sammlungen.

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Fynn (10) aus Blickstedt ist in seinem Element: Zeichnen

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Dort gab es nicht nur teilweise exotische Exponate zu sehen. Die Organisatoren berücksichtigten auch, was Kinder am meisten fasziniert: außer gucken auch etwas machen können.

 Im Zoologischen Museum zum Beispiel durften die jungen Besucher etwas, was zu Hause meist streng verboten ist: Tiere auf die Wand malen. Zwar nicht direkt, sondern auf ein großes an der Wand befestigtes Stück Papier mit der Projektion eines Tierbildes aus dem Beamer. Aber immerhin. Fynn (10) fand’s klasse, auf diese Weise die Umrisse eines jagenden Geparden ziemlich realistisch aufs Papier zu bannen. „Ist gar nicht so schwer und sieht trotzdem toll aus.“

 Fynns Papa versuchte sich nebenan derweil an der freihändigen Zeichnung eines Eisvogels in einem kleinen Plexiglaskasten. „Ich bin sonst ja eher Grobmotoriker“, sagte Frank Wunder, der als Leiter des Nordfriedhofes beruflich bedingt zwar eine gewisse Nähe zur Natur hat. „Aber sie auf Papier zu bannen, ist gar nicht so einfach. Für die Aufnahme an der Kunstakademie wird es wohl kaum reichen.“

 Auch Anelia mag Tiere. Nicht nur zum Streicheln. Sie findet es sogar interessant, wie verschieden sie gebaut sind. Deshalb betrachtet die Fünfjährige zu Hause gerne Skelettbücher. Im Zoologischen Museum kam sie gar nicht mehr heraus aus dem Staunen über all die Tiere und Skelette, die sie nun aus nächster Nähe studieren konnte. Anelias Oma Karin Stojanov-Petkov lobte die vielen auf Kinder ausgerichteten Angebote: „Da haben sich die Organisatoren viel Mühe gegeben, die Besucher von morgen für ihre Sammlungen zu begeistern.“

 Für Ebrahim, Karim und Hamid war der Museumsbesuch eine eher melancholische Wiederbegegnung mit ihrer Heimat. Immer wieder glitten die Finger der drei aus Afghanistan geflüchteten Jugendlichen über die Erhebungen des Hindukusch auf dem Profil-Globus. „Von oben gesehen, ist Deutschland gar nicht so weit weg“, sagt Hamid leise – wohl ahnend, dass trotzdem Welten dazwischen liegen.

 An eine Wiederentdeckung aus einer anderen Welt ließ Andrea Grotzke Besucher in der Kunsthalle teilhaben. Rund 9000 Jahre alt sei das so genannte Nadelbinden unbehandelter Schurwollfäden, erklärte die Klassische Archäologin den Kursteilnehmern. „Es ist die älteste Technik der Wollverarbeitung, die wir kennen.“ Dann wurden unter Anleitung der Archäologin mit Hilfe einer Nadel Handstulpen aus den Fäden „geknotet“ und dann verfilzt, alles nach antikem Vorbild im dazu bestens passenden Ambiente der Antikensammlung.

 Ein heute kurios anmutendes Relikt längst vergangener Zeiten präsentierte die Leiterin der Medizin- und Pharmaziehistorischen Sammlung, Eva Fuhry, den Besuchern: eine Art radioaktiven Jungbrunnen. „In den 1920er-Jahren trank man aus solchen Glaszylindern Wasser mit darin aufgelösten Radium-Kristallen, die das Zellwachstum anregen sollten“, erklärte die Wissenschaftlerin.

 Geholfen habe das „Wunderwasser“ gegen den Alterungsprozess natürlich nicht. Ganz im Gegenteil. „Von den verheerenden Nebenwirkungen radioaktiver Stoffe hatten die Menschen damals allerdings keine Ahnung.“

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Ein Artikel von
Jürgen Küppers
Lokalredaktion Kiel/SH

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