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Kiels Prinz fernab vom Mainstream

Musik-Kneipe Prinz Willy Kiels Prinz fernab vom Mainstream

Prinz Willy – bei dem Namen denken die Menschen in Kiel nicht an irgendeinen Monarchen, sondern vor allem an Musik. Denn in dem kleinen Lokal in der Lutherstraße, das diesen Namen trägt, stehen pro Jahr mehr als 200 Musiker auf der Bühne. Dabei war es für seinen Inhaber zunächst eigentlich ein Kunstprojekt.

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Gemütlich hat er es hier: Jörg Wentorf ist Prinz Willy in seinem eigenen Musik-Café.

Quelle: Anne Steinmetz

Kiel. Gemütlich stehen zwei alte Sofas im Prinz Willy an den Wänden, dazu ein bunter Mix aus Polsterstühlen. An einer Wand klebt eine Tapete mit einem barocken Blumenmuster, an einer anderen hängen Schallplatten-Cover. „Die sind alle von Musikern, die hier mal gespielt haben“, sagt Willy, der Inhaber des Ladens. Er beginnt aufzuzählen, wer bereits in Kiel zu Gast war: Enno Bunger, Jeff Beadle, Tom Krimi, Sofia Härdig.

Willy ist weit weg vom Mainstream

Viele der Namen sind vor allem Insidern bekannt und weit entfernt vom Mainstream. „Wir haben hier auch Konzerte, zu denen nur eine Handvoll Leute kommen“, sagt Willy. Es waren aber auch schon Musiker zu Gast, die inzwischen deutschlandweit bekannt sind: Gisbert zu Knyphausen etwa oder Andreas Kümmert, der seit seinem Verzicht auf die Teilnahme am Eurovision Songcontest nicht nur Musik-Fans ein Begriff ist. „Der hat hier damals aber auch nur vor vier Leuten gespielt“, sagt Willy lachend.

Jörg Wentorf ist der Inhaber des Prinz Willy.

Jörg Wentorf ist der Inhaber des Prinz Willy.

Quelle: Anne Steinmetz

Willy heißt eigentlich Jörg Wentorf. Vor elf Jahren hat er das Prinz Willy in dem weißen Altbau in der Lutherstraße eröffnet. „Ich wollte ursprünglich ein Atelier haben, um zu arbeiten“, erzählt der Mittfünfziger. Deshalb habe er die Räume damals angemietet. Denn Willy ist eigentlich kein Kneipier, sondern Konzeptkünstler. Mit seinen Aktionen „Willy unterwegs“, „Willys Job“ und „Willy geht mit“ hatte er sich Anfang der 2000er Jahre nach seinem Studium an der Muthesiusschule einen Namen in der Kieler Kunstszene gemacht.

Auch im Prinz Willy wollte er das zunächst kreativ fortsetzen: „Ich brauche kein richtiges Atelier. Ich arbeite ja nicht mit Holz oder Ton oder so. Ich mache Konzeptkunst.“ Das Café sollte deshalb ein Ort werden, in dem Leute zusammenkommen, an dem etwas passiert. Willy wollte dabei zuschauen, vielleicht ein wenig die Leute beobachten und daraus neue Ideen entwickeln. „Ich habe damals die Räume gesehen und sofort an ein Café gedacht“, erzählt er. Das Eckhaus und die großen Fenster seien dafür wie gemacht gewesen, daneben hatte er seinen Kunstraum.

Auf einmal kam die Musik

Anders als heute sei die Einrichtung aber damals viel schlichter gewesen, erinnert sich Willy fast ein wenig wehmütig. „Feridun Zaimoglu, der hier nebenan wohnt, hat damals gesagt: So einen Laden haben ich ja noch nie gesehen“, erzählt er lachend. Inzwischen ist das Prinz Willy die erste Adresse in Kiel für Musik. „Als ich das Café eröffnet habe, kannte ich keinen einzigen Musiker. Künstler und Filmemacher – da hatte ich zu vielen Kontakt. Aber Musiker kannte ich gar nicht.“

Eine Freundin von Willy aber hatte Kontakt zu einigen Liedermachern und fragte, ob sie vielleicht im Prinz Willy auftreten könnten. Eine Bühne gab es schnell: „Die haben wir aus alten Bundeswehr-Tischen zusammen gezimmert.“ Und es lief. Nach den ersten Auftritten kamen immer mehr Anfragen von immer mehr Musikern, das Prinz Willy wurde in der Singer-Songwriter-Szene zu einer festen Größe. Eine Gage bekommen die Musiker allerdings bis heute nicht. Nach jedem Auftritt geht lediglich der Hut rum.

Sogar Janet Jackson hat schon angefragt

Die Popularität des Prinz Willy hängt sicherlich auch mit seinem Betreiber zusammen. Denn obwohl er für die Auftritte nichts bezahlen kann, kümmert sich Willy gut um seine Gäste und sorgt für Übernachtung und Verpflegung. So was spricht sich rum: Jeden Tag bekommt er mehr als 30 Bewerbungen per E-Mail. Darunter sind auch kuriose Anfragen, erzählt er lachend: „Mich hat schon mal die Konzertagentur von Janet Jackson angeschrieben. Die hatten wohl irgendwo die Adresse her, wussten aber nicht, wie groß das hier ist.“

Das Prinz Willy verlässt im Sommer regelmäßig seine angestammte Kneipe und gastiert auswärts.

Das Prinz Willy verlässt im Sommer regelmäßig seine angestammte Kneipe und gastiert auswärts.

Quelle: Anne Steinmetz

Bis heute standen mehr als 1000 Musiker aus aller Welt für das Prinz Willy auf der Bühne – entweder in der Lutherstraße, oder aber bei einem der Open-Air-Konzerte, mit denen das Musik-Café seit 2010 jeden Sommer selbst tourt. Im kommenden Jahr ist das Prinz Willy wahrscheinlich in der Forstbaumschule zu Gast.

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Ein Artikel von
Anne-Kathrin Steinmetz
Lokalredaktion Kiel/SH

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